| Horst Wolfram Geissler.
Der unheilige Florian Stuttgarter Hausbücherei o.J. 319 Seiten |
| Auch nach der Lektüre ist mir
nicht klar, warum Florian "unheilig" ist. Der heilige Florian ist Schutzpatron
gegen Feuer und Brand, wohl weil er in der Enns ertränkt wurde. Der
"unheilige" Florian des Geissler-Buchs (Erstausgabe 1939) rettet das Kind
Juanita aus dem Wasser. Für heutige Lesegewohnheit ist "Der unheilige
Florian" - wie jeder H.W.Geissler-Roman - eher harmlos, brav und bieder. Sein
Stil liest sich manchmal antiquiert, jedoch immer flott und nie langweilig. Ab
Mitte gewinnt der Roman an Fahrt und wird streckenweise spannend. Der selbständige Florian wohnt in der Nähe von München, forscht im eigenen Labor nach Arzneien und kommt in die midlife-crisis. So gesehen ist Der unheilige Florian ein Roman über die Lebenszeit, das Alter und die Lebensziele eines 40-Jährigen. Unser Held schwankt zwischen Frau von Tulipan und Juanita, in der er zulange nur das Kind sieht. In sein Leben tritt Herr Lucius (kein andrer als der leibhaftige Luzifer) und versucht ihn mit großen Versprechungen. Doch Florian, der kleine Faust, lehnt ab. Der Roman ist melancholisch und trotzdem schwungvoll, immer mit einem Hauch Humor. Ein empfehlenswerte Wochenendlektüre. |