| Horst Wolfram Geissler.
Der liebe Augustin. Die Geschichte eines leichten
Lebens Murnau: Lux 1948. 309 Seiten |
| So harmlos und leicht dieser
berühmteste Geissler-Roman auf den ersten Blick daherkommt - er wirft doch
einige Fragen auf. Zunächst widerspreche ich dem Untertitel "Die
Geschichte eines leichten Lebens". Im Vergleich zum Alltagsleben um
1800, dem Zeitraums der Romanhandlung, mag das Leben Augustin Sumsers leicht
gewesen sein. Er wird in Mittenwald geboren, verliert rasch beide Eltern (der
Vater wird beim Wildern erschossen) und kommt an den Bodensee, wo er eine
passable Ausbildung genießt. Nach zahlreichen Affären trifft
Augustin, inzwischen durch die Herstellung von Spieluhren zu Wohlstand
gekommen, doch noch seine zweite große Liebe, heiratet und muß
erneut harte Schicksalsschläge hinnehmen. Das Leben des lieben Augustin
steht zwischen der Stadtbevölkerung Lindaus und dem entrückten
reichen Landadel. Geissler schildert aber nirgends realistisch das gegensätzlich schwere Leben der Unterschicht, selbst nicht beim Einmarsch der zahlreichen fremden Truppen. Eine schicksalshafte Bevorzugung Augustins erkenne ich daher nicht. Das Leben Augustins scheint mir keinesfalls leicht. Der nächste Widerspruch kommt zum "lieben Augustin". Ertappt bei einer amourösen Beziehung zum adeligen Mädchen Friederike zückt er das Messer und droht der Zofe: "Entweder schwören Sie mir auf der Stelle, daß Sie niemandem sagen werden, was Sie entdeckt haben - oder ich schneide Ihnen, noch ehe diese Kerze heruntergebrannt ist, die Gurgel ab und schmeiße Ihren Madensack in den See. So wahr ich Augustin Sumser heiße!" Na, spricht so ein lieber Augustin? Geissler erzählt gewohnt flüssig und die Sujets der Zeit gekonnt und vielfältig einbeziehend. Er lebte lange genug im Bayern um gleich am Romananfang vorwegnehmen zu können: "... es soll schon damals in Bayern keine Seltenheit gewesen sein, daß Kinder ihre Väter nicht kannten und dennoch recht gute Menschen wurden." Geisslers Romane sind auch heute noch lesenswert, da sie gute Unterhaltung verheißen. Manchmal erscheinen sie etwas blumig und schönfärbend, wirken jedoch selten kitschig. In der Dammgasse in Lindau soll der Instrumentenmacher Augustin Sumser eine Gedenktafel haben. Man begegnet ihm aber überall in Lindau (S.98, Franz Herre. "Gedeck in Lindau". In: Verborgene Heimat. Unbeaknntes Bayern 2. München: Süddeutscher, 1975. 88-98). Der Roman Der liebe Augustin wird laut Kindlers Literaturlexikon an amerikanischen Universitäten zur Deutschlektüre verwendet. Wenn er einer unter vielen ist, ist dabei nichts auszusetzen. Er wurde 1960 in Deutschland verfilmt. Durchaus brauchbare Wochenendlektüre. |
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Hameln: Niemeyer 1998. Großdruck, gebunden, 311 S. |
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München: Sanssouci 1993. Gebunden, 304 S. | ![]() |