| Horst Wolfram Geissler.
Der ewige Hochzeiter. Ein Spitzweg-Roman Weimar: Duncker 1929. 259 Seiten |
| München endete mit der
Ludwigsstraße, Schwabing bestand nur aus kleinen, dörflichen
Häusern. Die Künstler um Carl
Spitzweg (1805 - 1885) hausten nahe dem Marienplatz. Geissler gelang
mit einem seiner ersten Romane 1917 gleich ein großer Wurf. Mich wundert
es, daß sein Erfolg noch vier Jahre bis zum lieben Augustin warten
ließ. Etwas frei - es ist ja keine Biografie sondern ein Spitzweg-Roman - läßt er Spitzwegs künstlerische Ambitionen in Bad Sulz starten. 1833 erkrankte Carl Spitzweg an der Roten Ruhr und traf bei der Kur in Bad Sulz tatsächlich einige spätere Künstlerfreunde, insbesondere den Landschaftsmaler Hansonn. Bei der Schilderung der Erlebnisse in der Kurklinik griff ich sofort nach dem Lexikon. Thomas Mann schrieb seinen Zauberberg einige Jahre nach Geissler und benötigt für seine Ausführungen ein paar Seiten mehr! Andrerseits ist unverkennbar - bis in einige Details hinein - daß Geissler seinen Henry Murger gelesen hat oder zumindest die darauf fußende Puccini-Oper "La Bohéme" gründlich studiert hat. Die armen Künstler der Münchner Bohéme verbrennen ihre Tragödien, die unerfüllte Liebe Spitzwegs erkrankt an der Schwindsucht. Der ewige Hochzeiter (ein Bild Spitzwegs hat diesen Titel) schildert das kärgliche doch glückliche Künstlerleben humorvoll. "Morgen ist Hochzeit, heißt es - ja, und morgen heißt es wieder: morgen ist Hochzeit, und so weiter - bis man uns mit zwei schwarzen Pferden hinausfährt. Ein Mensch mit Idealen ist immer ein ewiger Hochzeiter." Der Roman thematisiert dieses Dilemma des unabhängig bleiben wollenden Künstlers und seine Sehnsucht nach normalen Verhältnissen; ebenso das dialektische Verhältnis des Talents zu Erfolg und Geld. Heiter mit vielen melancholischen Zügen. Lesenswert. |
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| Horst Wolfram Geissler. Der ewige
Hochzeiter. Ein Spitzweg-Roman. München: Duncker. Gebunden
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