| Horst Wolfram Geissler.
Das Lächeln des Leonardo Zürich: Sanssouci, [1960]. 220 Seiten |
| Bei Horst Wolfram Geissler passiert nie
Dramatisches. Auch in der Erzählung Das Lächeln des Leonardo
schildert er die heile Welt, zumindest oberflächlich. Doch man geht fehl,
ihn deshalb gering zu schätzen (bedeutend ist er freilich auch nicht).
Seine Erzählungen und Romane atmen Anmut, schweben wie Wolkentupfer
über dem von ihm gerne beschriebenen Alpenvorland. Auf dem Annenhof, einem Landschlößchen, treffen die Charaktere der Erzählung behutsam aufeinander. Nur gelegentlich gibt es Störungen aus der betriebsamen Außenwelt. Pardon, ein Landstreicher, mit mysteriöser Vergangenheit und hellgrauen Augen wird zum Gärtner auf Zeit. Ferdinand Kürnberg, der mächtige Wirtschaftskapitän (alle Männer der Wirtschaft sind bei Geissler mächtig), mit hellgrauen Augen, Besitzer des Annenhofs, besucht das "Paradies der Harmlosen" (161). Der Ich-Erzähler weilt als Schriftsteller und Stipendiat auf dem Zauberschloß, greift aber wenig in die karge Handlung ein. Als genauer Beobachter überläßt er doch viel dem Leser. Als Sonntagnachmittagslektüre kann man Das Lächeln des Leonardo mitnehmen. |