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Horst Wolfram Geissler.Lady Margarets Haus
Horst Wolfram Geissler. Lady Margarets Haus
Frankfurt am Main: Fischer, 1963. 169 Seiten
Dies ist Geisslers zweiter Versuch am Genre Kriminalroman. Selbst im Vergleich mit durchschnittlicher Krimiware bezeichne ich Lady Margarets Haus als mißlungen.
Die Story ist ein seltsamer Mix deutscher Professorenschaft (Professor Helfering), einer englischen Lady mit Schloß in Frankreich (Lady Margaret), Pariser Kriminalpolizei (Herr Benoit) und arabischer Diplomaten und Dunkelmänner. Wenn ich es richtig verstanden habe, geht es eigentlich darum, daß ein asiatischer Geheimbund (einst im Mittelalter in böser Absicht gegen die braven Kreuzritter gegründet; vergleiche dagegen horst wolfram geissler Literatur zu den Kreuzzügen) verhindern will, daß ein Buch über diese Organisation an die Öffentlichkeit kommt. Nicht klar wurde mir, warum sie dazu ein Maschinengewehrlager im Park von Lady Margaret benötigen.
Viele einzelne Szenen sind salopp, aber oft unglaubwürdig erzählt. Amateurdetektiv Fox nimmt in Lady Margarets Haus in Tassy einen Araber recht plump gefangen. Er fährt über 100 Kilometer nach Paris (wohl näher keine Polizeistation gefunden) und liefert ihn ein. Der Polizeibeamte reagiert mit "Ein Araber! ... Davon haben wir schon eine ganz hübsche Sammlung" (S. 131) und das war's dann. Keine Nachfrage, warum, woher und wie. Fox fährt anschließend nach Tassy zurück, nur um das Auto zu wechseln (warum nahm er nicht gleich sein eigenes?) und kurvt wieder nach Paris. Dort verhört die Privatperson Fox allein den gefangenen Araber (S.134) und nimmt ihm einen Dolch ab (S.135).
Der Roman Lady Margarets Haus ist in Geisslers flüssigem Stil geschrieben. Doch auch dabei scheint mir die Fabulierkraft des alternden Vielschreibers nachgelassen zu haben. Er vermurkst schon mal Sätze: "Schießen sollten sie deshalb nur im Falle der äußersten Gefahr, die aber, wie er ihnen erklärte, gewiß nicht eintreten werde" (S.160). Ich meine: eine Gefahr, die gewiß nicht eintritt, ist halt keine. Gelegentlich läßt Geissler Lerchen oder Amseln singen (S.112). Das wirkt isoliert und aufgesetzt. Marcel Reich-Ranicki meinte im Jahr 2000 in einem Streitgespräch mit Joachim Kaiser und Eva Demski ("Das Alterswerk als künstlerische Vollendung?"), daß das Alterswerk (er datierte es bei Schriftstellern auf siebzig Jahre und älter) immer schlechter sei, als die Hauptwerke eines Meisters. Lady Margarets Haus wurde 1959 erstveröffentlicht. Da war Horst Wolfram 66 Jahre alt.
Trotz allem: wenn man viel Zeit hat, kann man das Buch lesen; stellenweise ist es spannend.
Der Kriminalroman Lady Margarets Haus ist derzeit (8/2002) zurecht vergriffenLady Margarets horst wolfram geissler

Horst Wolfram Geissler. Lady Margarets Haus
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© by Herbert Huber, Am Fröschlanger 15, 83512 Wasserburg, Germany, 2.8.2002