Michael Obert: Regenzauber. Auf dem Niger ins Innere
Afrikas München: Frederking &
Thaler, 2005. 567 Seiten
Links Literatur
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| Der deutsche Globetrotter Michael Obert
hat seit seiner Kindheit eine Vorliebe für Flüsse und als Erwachsener
einen ehrgeizigen (aberwitzigen?) Plan: Schifffahrt auf dem Niger von der
Quelle bis zur Mündung. Regenzauber ist sein Bericht mit
literarischen Anspruch. Auch mich reizen lange Flußläufe, da sie
ganz unterschiedliche Menschengruppen und oft Völker verbinden. Deshalb
freute ich mich auf Regenzauber und wurde nicht enttäuscht. |
Der Niger ist der
drittgrößte Strom Afrikas, 4160 km lang.
| Nil |
6671 km |
| Kongo |
4374 km |
| Niger |
4160 km |
| Zum Vergleich |
| Amazonas |
6500 km |
| Donau |
2850 km |
Er entspringt in Südguinea nahe der Grenze
zu Sierra Leone, fließt durch Guinea, Mali, Niger und Nigeriaund
mündet in den Golf von Guinea (Atlantik). An der Quelle ist er nur 745m
über dem Meer, fließt zuerst nach NO, wendet sich in Mali
trapezförmig nach SO, um dann in Nigeria schnurstracks nach Süden ins
Meer zu fließen. |
Durch eine doppelseitige Karte in
Regenzauber kann man Oberts Reise bequem im Lehnstuhl verfolgen. Hier
kommt der Spruch: "Lesen ist Abenteuer im Kopf" voll zur Geltung. Obert
übersteht wahnsinnige Abenteuer, die absurdesten sind die von Menschen
gemachten: seien es die afrikanischen Zaubereien oder die verbrecherischen
Eigenheiten durchgedrehter Diktatoren und abgestumpfter Untertanen. Dazu
gesellen sich freilich auch Abenteuer im natürlichen Raum. Ein
versteckter Grund, warum Oberts Reise so abwechslungsreich ablief war (neben
seiner Neugierde auf fremde Menschen), dass er auch Orten ohne touristische
Sehenswürdigkeiten besichtigt und gebührend erforscht. Wenn im
Alpenvereinsführer zu einem Gipfel stand: alpinistisch unbedeutend, so
plante ich ihn ein und wurde nie enttäuscht. |
| So nebenbei erfährt man die
Hintergründe für die Misere in Afrika (obwohl Obert diese keinesfalls
überbetont). In die abgewogene Kult- und Wirtschaftsgemeinschaft drangen
die Weißen und schossen die Herden zusammen. Nachdem sie fast alles
abgeschlachtet hatten, verboten sie die Jagd (S. 356). Die "gute"
Zusammenarbeit der Regierungen mit den Konzernen wird kurz angesprochen (S.
527-528). |
| Neben dem eindringlich beschriebenen
Fetischglauben kommt auch ein anderes Lebensgefühl in Westafrika
(zumindest vor Nigeria) zum Leser: Geschichtenerzählen steht hoch im Kurs
und dazu gehört unbedingt das Zuhören. Michael kommt mit dem
Kommandanten nicht klar. Magasouba erklärt es ihm: "Weil Ihre Ohren nicht
offen waren". Das versteht Michael nicht. Lakonische Antwort: "Eben" (S.
32). |
| Schöne
(trotz aller Grausamkeiten, die geschildert werden) Lesestunden
führen den Leser auf eine lange Reise, die er bequem anhand der Karte
verfolgt. Insgesamt beschrieb Obert für mich zuviel schwarze Magie,
geheime Zeremonien, ekstatische Tänze und Hexenaustreibung. Freilich
pariert der einheimische Mohammed den Vorwurf des Aberglaubens gekonnt: die
christliche Religion basiert auf einem Menschenopfer, der Gott wird zudem in
der Meßfeier immer wieder aufgefressen, sein Blut wird getrunken (S.
454). Wenn Michael Obert mit seinen ausgiebigen okkulten Ereignissen die
Realität richtig widerspiegelt, so musste er sie um authentisch zu
sein in den Vordergrund rücken. |
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Regenzauber - Auf dem Fluss der
Götter
Programm: Regenzauber Auf dem Niger ins Innere Afrikas
Biografie Michael Obert
Chris Abani: GraceLand
Achebe, Chinua: Things Fall
Apart
Joseph
Conrad: Heart of Darkness [Herz der Finsternis]: Verwandtes und
Sekundäres |
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