Heinz-Joachim
Simon: Barabbas. Der zweite Sohn Gottes
Saarbrücken: Conte, 2009. Gebunden,
646 Seiten – Links
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Literatur
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| Außer im Neuen
Testament (NT) und den apokryphen Evangelien findet man nur wenige
antike Quellen zum Leben von Jesus von
Nazareth.
Heinz-Joachim Simon nimmt einige Stellen im Neuen Testament ernst (z.
B. Jesus, "der Bruder von Jakobus, Joses, Judas und Simon" und einigen
Schwestern; Mk 6,4) und lässt hier ein historisches Gemälde aus dem
Leben Barabbas' entstehen. Barrabas war derjenige, den Pontius Pilatus
anstelle von Jesus freigelassen hatte. |
| Im
NT wird Barrabas als Verbrecher und Mörder dargestellt, in diesem Roman
wird er zum rebellischen und kriegerischen Unterstützer des Jesus von
Nazareth. Im Messias erwarten die Israelis jemand, der die verhasste
Herrschaft der Römer abschüttelt. Bis zum Ende verfolgt Barrabas diese
Idee und schreckt dabei vor kaum etwas zurück. Er will sein Volk von
der Knechtschaft befreien und begreift die Botschaft von Friede und
Liebe nicht. |
| Neben dem
grossen historischen Bild mit
vielen glaubwürdigen Personen werden auch die Ideen in den Brennpunkt
gerückt. Für den Zeitgenossen sind die Gottesvorstellungen
austauschbar. Auf seinen frühen Fahrten und Fluchten den Nil aufwärts
stößt Barrabas auf fremde Götter, die dem Gott Moses nicht nachstehen.
Da sich Jesus nur in Gleichnissen und angeblichen Wundern äußert bleibt
seine Messiasrolle unbestimmt, zumal die Zeitgenossen vieles nur durch
mündliche Überlieferung erfahren. |
| Barrabas
gerät zu einer Mischung aus Kara Ben Nemsi und Odysseus; sogar eine
Blutsbrüderschaft wie bei Old Shatterhand (S. 244) und eine
Tempelverteidigung wie am Alamo (S. 478-479) kommen vor. Der Autor
gliedert den Stoff wie Homer und läßt ihn stilgerecht vortragen.
Ähnlich wie Kara
Ben Nemsi ist Barrabas immer eine Spur besser und listenreicher als
seine Gegner. Eine Taverne wird nach dem glücklichen Odysseus benannt
(S. 273). |
| Heinz-Joachim
Simon trifft den Ton für
diese grossartige Biografie genau. Und hält ihn über die volle Länge
des Romans durch. Der Erzähler weiß manchmal etwas viel und verrät
einiges zu schnell, so wenn eine der Frauen Barrabas' tot aufgefunden
wird und schon zwei Sätze später Ngamo mit scheuem Gesicht durch den
Palast schleicht (S. 237). |
| Pär
Lagerkvist, ein schwedischer Schriftsteller, erhielt 1951
den Nobelpreis für Literatur, nachdem er 1950 den Roman Barrabas
veröffentlicht hatte. Dieser wurde 1962 mit Anthony Quinn als
Barabbas verfilmt. Nobelpreis wird für diesen Barrabas keiner
drin
sein, eine Verfilmung kann man sich sehr gut vorstellen. |
| Wer
breit angelegte Historienromane mag, wird mit Barabbas. Der
zweite Sohn Gottes
bestens bedient. Soweit ich es beurteilen kann: genauso könnte es
gewesen sein. Rundum gelungen; mir nur etwas zu lang geraten. Ein
Historienschmöker im besten Sinne. |
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