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Wilhelm Jensen Frühlingswald
Wilhelm Jensen. Im Frühlingswald
In: Meisterwerke neuerer Novellistik. Dritter Band. Leipzig: Max Hesse, o.J. – jensen Wilhelm Jensen
jensen Im Frühlingswald beginnt wie ein ländliche Schmonzette. Doch es ist nur ein Auftakt, der dem Autor Wilhelm Jensen erlaubt einerseits einen vorgelagerten Handlungsstrang andrerseits das Veilchenmotiv einzuführen.
Die Haupthandlung der Novelle spielt sich dann zwischen Dr. jur. Richard Zumsteg, dem Berliner Rechtsanwalt Gustav Romwald und dessen Schwester Magdalene in Hamburg ab. Zumsteg als Schwarzwaldkenner soll Magdalene ein geeignetes Quartier dort nennen. Es entwickelt sich ein abwechslungsreicher Briefwechsel zwischen Richard und Magdalene; Studienfreund Gustav will die beiden dauerhaft zusammenführen. Die gegensätzlichen Lebensentwürfe von Richard und Gustav stehen zur Debatte. Jensen hat einige Überraschungen auf Lager, wenn auch die Novelle – dann wieder im ländlichen Schwarzwald – recht konventionell endet.
Amüsant ist die Bemerkungen über das Schrumpfen der Entfernungen um 1850. "Die Mitte des neunzehnten Jahrhunderts hatte Berlin und Hamburg gleichsam zu Nachbarstädten gemacht, statt der früheren Woche bedurfte er für einen Hin- und Hertausch zwischen ihnen kaum mehr als eines Tages, ..." (S. 29). Manchmal lese ich bei Jensen Ressentiments (um es zurückhalten auszudrücken) gegen Frauen heraus, auch wenn er sie im ersten Fall dem Richard Zumsteg zuschreibt. "Seine Abneigung gegen die Menschheit um ihn her erstreckte sich hauptsächlich auf ihre weibliche Hälfte, die ihm fast überall wertlos an Geist und Gemüt, im besten Fall nur wie ein äußerlich artiges, die Augen anziehendes, doch nicht das Herz fesselndes Spielzeug erschien" (S. 21). Über die Schrift im Brief Magdalenes meint der Autor, "sie besaß nicht das Dünne und Charakterlose der meisten von weiblicher Hand herstammenden Buchstaben" (S. 32).
Trotz dieses Vorbehalts ist die Novelle Im Frühlingswald auch heute noch gut zu lesen.

Wilhelm Jensen Frühlingswald
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© by Herbert Huber, Am Fröschlanger 15, 83512 Wasserburg, Germany, 10.1.2003