Richard
Voss: Eine Frau vom Lande Berlin: Rudolf
Mosse, 1917. 222 Seiten
Autor Richard Voß
Zitate
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Juliane Heidendörfer wächst
am Erlenhof (Gegend nicht näher bezeichnet) auf und heiratet Ottokar Graf
Laucha, der ihretwegen nur zu gern die Offizierslaufbahn aufgibt, kann er doch
nach der Verheiratung seine Spiel- und Zechschulden begleichen. Julianes
Kindheitsfreund Martin Grabow bleibt ein Freund. Die Geschichte des Romans ist
nicht neu: der Ehemann entpuppt sich als leichtsinniger Verschwender und treibt
den Erlenhof in die Hände der Schuldner. Juliane findet Zuflucht bei
Martin. Allerdings bietet Richard Voss am Ende eine bemerkenswerte Lösung
des Beziehungsproblems. Neben der Dialektik zwischen Stadt und Land ("Herd
der Krankheit waren die großen Städte", S. 103) spielt die
Diskrepanz zwischen Modernität und Konservatismus eine Rolle. Obwohl der
Gutshofbesitzer Johann Heidendörfer und der Großbauer Grabow von
Segenfelde standesmässig getrennt leben, sind sie sich in der Ablehnung
von neuen Methoden in der Landwirtschaft und dem Wandel allgemein einig. Der
Gutsherr wird so charakterisiert:
| "Herr Johann Christoph war ein
begeisterter Patriot, er hielt den Wehrstand seines Vaterlandes so hoch wie den
Nährstand, ein guter adeliger Name flößte ihm Hochachtung ein
..." (S. 71). |
Die geistige Situation vorm Ersten Weltkrieg
packt der Autor gut in das Personengeflecht ein. Da Voss nur selten und kurz
schwülstig sentimental wird ist Eine Frau vom Lande auch heute noch
gut lesbar.
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Dreimal greift
Vielschreiber Richard Voss fehl.
- Zu Beginn sind die Kinder von Juliane und Ottokar der
dreijährige Rudolf und die um ein Jahr jüngere Adolfa. Als sie wieder
auftauchen, wandelte sich der Sohn zu Bruno (S. 144 ff).
- Schon in der Jugend kommt es zu einem harmlosen
Techtelmechtel zwischen Juliane und Martin: "Da warf sie sich ihm um den Hals
und küßte ihn" (S. 57). Das vergaß der Autor, denn: "Da
küßte sie ihn zum ersten Male" (S. 188).
- Die Mutter Martins "war schon seit vielen Jahren
gelähmt" (S. 55) und saß nur im Stuhl. Später allerdings geht
sie munter umher.
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Fast hundert Jahre nach der Literatur
um die Wende 19. zum 20. Jahrhundert ist es einfach in vielen Texten den
beginnenden (?) Geist des Rassismus zu entdecken. Von der Preisung hoher Werte
zur Verachtung der Lebensungeeigneten ist es nur ein Schritt. Das dem Roman
Eine Frau vom Lande (aber auch einige Passagen im Roman) vorangestellte
Motto ist dafür symptomatisch.
| "... Nur ein auf der gesunden Grundlage
von Gottesfurcht in einfacher Sitte aufwachsendes Geschlecht wird hinreichenden
Widerstand besitzen, die Gefahren zu überwinden, welche in einer Zeit
rascher wirtschaftlicher Bewegung durch die Beispiele hochgesteigerter
Lebensführung einzelner für die Gesamtheit erwachsen." Friedrich III.
in seinem Erlaß an den Reichskanzler. |
| Friedrich, Kaiser und als Friedrich III. König von Preußen (1888),
als Kronprinz Friedrich Wilhelm, 18.10.1831 Potsdam 15.6.1888 Potsdam;
Sohn Wilhelms I., 1858 verheiratet mit der britischen Prinzessin Viktoria, die
ihn stark beeinflusste. Seiner liberalen Einstellung gemäß lehnte er
die Innenpolitik Bismarcks ab. Friedrich starb nach nur 99 Tagen Regierung an
Kehlkopfkrebs. (c) Bibliographisches Institut & F.A.
Brockhaus AG, 1999 |
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Der Soldatenstand
erfreute sich hohen Ansehens. Für die Manöverbeteiligten gerät
das ganze Dorf in freudigen Aufruhr. Sie werden mit einem Soldatenlied
begrüßt (S. 66). Es ist ein beliebtes Gedicht Wilhelm Hauffs ( Wilhelm
Hauff): "Morgenrot, Morgenrot, leuchtest
mir zum frühen Tod?" |