| Franz Kafka: Forschungen eines
Hundes In: Sämtliche Erzählungen. Frankfurt am Main: Fischer, 1987. S. 323-354 |
| Der Vorzug der Werke Kafkas ist,
daß ich sie ähnlich wie Sonaten oder Streichquartette
Beethovens immer wieder aufnehmen kann: ich entdecke Neues. Der
»Nachteil« ist, selten erfasse ich beim ersten Mal genug. So ging
es mir auch mit dem hier zu behandelnden Text. Die Erzählung Forschungen eines Hundes ist ein "später Kafka", von 1922. In ihr reflektiert ein alternder Hund über seine Art und insbesondere über Nahrung und Nahrungsaufnahme der Hunde. Er spricht mit sich selbst und spricht den Leser in einem wissenschaftlichen Stil an; das erinnert an Kafkas Ein Bericht für eine Akademie. Der namenslose Hund hat sich lebenslang diesen Forschungen gewidmet. Dabei hat er sich von seinen Artgenossen isoliert, sie waren ja seine Forschungsobjekte. Er traf auf eigentümliche Probleme und seltsame Hunderassen, wie z.B. die Lufthunde und Musikhunde. Zu den Erkenntnissen der Forschungen des Hundes gehört, daß "Bodenbearbeitung" nötig ist, um die Hundenahrung zu gewährleisten. Die Musik hilft, die irdische und unirdische Nahrung zu gewinnen. Die Menschenwelt wird aus einer Aussenseiterposition reflektiert und kritisiert. Dazu wird der Hund und insbesondere das Hundeleben oft abfällig erwähnt. Beides legt nahe, daß der erzählende Hund auch für den minderwertigen Juden oder das Judentum insgesamt steht. Auf diese Beziehung weist auch Hartmut Binder in seinem Die hier besprochene Erzählung macht Kafkatexte (mit anderen Vorzügen) so kostbar. Ich werde sie noch manchesmal lesen können und immer wieder Neues entdecken. Beim ersten Lesen blickte ich noch nicht so recht durch. |
Sekundärliteratur Kindlers Literaturlexikon S. 3616 |