| Franz Kafka: Blumfeld, ein älterer
Junggeselle In: Sämtliche Erzählungen. Frankfurt am Main: Fischer, 1987. S. 264-284 Struktur Inhalt Stil Literatur |
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| Wie bei allen Werken Kafkas ist die
Erzählung Blumfeld, ein älterer Junggeselle sehr mit seiner
Biografie verwoben. Im August 1914, kurz nach Kafkas Trennung von der Geliebten
Felice Bauer (12. Juli), kam sich der Autor "von Tag zu Tag älter und
verknöcherter" (Binder 1975, S. 11) vor. Er trifft mit Felice nochmals am
23. und 24. Januar 1915 in Bodenbach zusammen. Er fand sich mit seinem Dasein
als Junggeselle ab. Am 8. Februar 1915 beginnt Kafka mit Blumfeld. Die
Erzählung wird März oder April 1915 beendet. Es blieb Fragment. Am
10. Februar bezog Kafka erstmalig ein eigenes Zimmer in Prag,
Bilek-Gasse. Das Schicksal des Junggesellen beschäftigte Kafka schon lange, privat und literarisch, siehe nur beispielsweise Das Unglück des Junggesellen, 1911. Dahin eingehend befürchtet er die Isolation. Sie zu durchbrechen ist ein Motiv im Blumfeld. Schuldgefühle (unberechtigte) sind ein weiteres Motiv. So ist Blumfeld trotz der Verzögerung, die der Junge verschuldet hat, der erste in seinem Bureau ( S. 277). Doch Blumfeld hat hohe Ansprüche. Er hat "es von frühester Jugend an für selbstverständlich gehalten ..., daß man wenigstens eine halbe Stunde vor Bureaubeginn erscheint" (S. 281). [Man bemerke die schier grenzenlose Übertreibung: seit frühester Jugend.] Und so meint Blumfeld, daß er heute, obwohl er der erste im Büro war, "ungewöhnlich spät ins Bureau gekommen ist" (S. 281-82). Die Paarbildung (Bälle, Mädchen, Praktikanten) ist ein Motiv, das Kafka in vielen Werken einsetzt. Siehe dazu Binder 1979, S. 129 ( |
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Struktur
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| Inhalt Blumfeld, ein älterer Junggeselle, steigt in den sechsten Stock zu seiner Wohnung hinauf, die als "leeren Zimmern" (S. 264) besteht. Da die Zimmer tatsächlich möbliert sind, ist das "leer" metaphorisch zu verstehen. Blumfeld stellt sich sein rituellartigen Tätigkeiten des Abends vor. Dazu gehört eine französische Zeitschrift. Die gebildeten Tschechen sprachen französisch (Binder 1975, S. 191). Um seiner Einsamkeit abzuhelfen hatte er überlegt, ob er nicht einen Hund anschaffen solle; findet daran aber etliche Nachteile. Jetzt springt die Erzählung in die Gegenwart. Blumfeld geht weitere Möglichkeiten wie Katze, Kanarienvogel, Goldfisch oder gar nur Blumen durch und verwirft sie. In seinem Zimmer klappern "zwei kleine, weiße blaugestreifte Zelluloidbälle" nebeneinander auf und ab (S. 266). Die beiden Bälle finden später in zwei Kindern und zwei Praktikanten in Blumfelds Büro ein Echo. Blumfeld beginnt einen schier aussichtslosen Kampf mit den Bällen. Sie haben seltsame Eigenschaften: er vermutet drinnen weitere Bälle (S. 266), sie sind kühl und fast durchsichtig (S. 267); sie entziehen sich seiner Fangversuche. Der Erzähler schildert die Bälle wie Lebewesen. Sie sind "wachsam oder folgen gedankenlos dem sie beherrschenden Gesetz" (S. 269). Blumfeld versucht ihre Bewegung zu berechnen, vollzieht aber auch seine üblichen Beschäftigungen vor dem zu Bette gehen. So findet er in der neuesten Ausgabe seiner französischen Zeitschrift das Bild der Begegnung des Kaisers von Rußland mit dem Präsidenten von Frankreich ( Mit Blumfelds zu Bette gehen beruhigen sich auch die Bälle. Trotzdem hat Blumfeld eine sehr unruhige Nacht und wird am Morgen durch das Klopfen der schwerhörigen Bedienerin geweckt (S. 271). Blumfeld spricht mit den Bällen: "Zurück auf die Teppiche" (S. 272) und versucht sie vor der Bedienerin zu verheimlichen. Es entwickelt sich ein Spiegelgefecht zwischen Blumfeld und Bedienerin. Er harrt im Bett aus um die Bälle nicht zu provozieren. Die Bedienerin scheint ihre Aufräumarbeiten hinaus zu zögern. Bevor Blumfeld in die Arbeit geht gelingt es ihm die Bälle in den Kleiderkasten einzusperren. Jetzt muß er sich noch loswerden. Zuerst bietet sich der zehnjährige Sohn der Bedienerin an. dann kommen die zwei kleinen Mädchen des Hausmeisters, Gegenstücke zu den zwei Bällen. Sie hüpfen sogar ähnlich den Bällen "von einem Fuß auf den anderen" (S. 275). Indessen die Mädchen die Bälle holen, will Blumfeld rasch "schon einige Gassen weit entfernt sein" (S. 277). Es folgt nun eine längere Reflektion über die Arbeit. "Während des Weges in die Wäschefabrik, in der Blumfeld angestellt ist, bekommen die Gedanken an die Arbeit allmählich über alles andere die Oberhand "(S. 277). Das ist erstaunlich, da ja eigentlich die Erlebnisse mit den zwei Bällen so ausserordentlich sind, daß sie seine Gedankenwelt voll belegen sollten. Blumfeld arbeitet im Büro ("Bureau", S. 277) einer Wäschefabrik. Er hat zwei Praktikanten, Gegenstücke zu den zwei Bällen, die an Stehpulten arbeiten. Einer der Praktikanten "tänzelt, er geht auf den Fußspitzen, jetzt Fuß vor Fuß" (S. 282). Nun beginnt Kafka eine großartige Einordnung der Wichtigkeit der Arbeit Blumfelds, die seine Vorgesetzten und Kollegen nicht begreifen können. Unmerklich gehen Blumfelds Überlegungen in die Erzählgegenwart über. Die beiden Praktikanten erinnern an die Angestellten Nippers Turkey und bei Bartleby ( Die Erzählung endet mit einer skurrilen Schilderung der Arbeit im Büro. Blumfeld ist einerseits von häßlichen, oft behinderten Mitmenschen umgeben, andrerseits fühlt er sich einsam. |
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| Stil An Kafkas Stil gefällt mir, daß er oft überrascht. Typisch dazu ist
Ebenso gelingen Kafka durch seltene Formulierungen den Leser wach zu halten und mit wenigen Worten alles zu sagen.
Manche Handlungen der Figuren sind schwer vorstellbar und damit um so einprägsamer. Kann man etwas Aufregendes absichtlich überhören? Blumfeld macht's.
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| Petersburger
Zusammenkunft zwischen dem französischen Staatspräsidenten Poincaré und dem russischen Kaiser Nikolaus II. Bei diesem Treffen vom 21. bis 23. Juli 1914 wurden russische Kriegsschiffe (die Kafka erwähnt) besucht. Raymond Poincaré (20.8. 1860 Bar-le-Duc 15.10. 1934 Paris). Rechtsanwalt und französischer Politiker; 1912-13 Ministerpräsident und Außenminister, 1913-20 Staatspräsident; pflegte intensive Beziehungen zu Großbritannien und Russland (Unterstützung der russischen Balkanpolitik) (c) Bibliographisches Institut & F.A. Brockhaus AG, 1999 |
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| Literatur Binder, Hartmut, Hg.: Kafka-Handbuch in zwei Bänden. Band 2. Das Werk und seine Wirkung. Stuttgart: Kröner, 1979. 951 Seiten Binder, Hartmut: Kafka-Kommentar I zu sämtlichen Erzählungen. München: Winkler, 1975. 346 S. |
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| Links
Blumfeld, ein älterer Jungggeselle und online auf den Seiten der |