| Franz Kafka: Der Kübelreiter In: Sämtliche Erzählungen. Frankfurt am Main: Fischer, 1987. S. 195-196 |
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| Diese kurze Erzählung entstand im
Januar/ Februar 1917, einem strengen Winter im Weltkrieg. Sie hat damit zwar
einen Zeitbezug, doch Mangel an Grundbedürfnissen gibt es auch im 21.
Jahrhundert. Der Ich-Erzähler muß dringend Kohlen haben, da er sonst erfriert. Er ist ohne Namen und gibt keine näheren Angaben zu seiner Person. Er kalkuliert einen Besuch beim Kohlenhändler genau voraus und reitet auf seinem leeren Kohlenkübel zu ihm. Der Ritt bringt ihn im ebenmäigen Trab und bis zur Höhe der ersten Stockwerke zum Haus des Kohlenhändlers. Dort schwebt er außergewöhnlich hoch. Der Händler sitzt mit seiner Frau im Kellergewölbe. Das Kind der beiden wird nur einmal kurz erwähnt; vielleicht ist dies auch nur sprichwörtlich gemeint: "vergißt du Frau und Kind". Während nun der Händler den Kunden rufen hört, gibt seine Frau vor, nichts zu hören. An drei Stellen betont die Frau, nichts zu hören, beim erstenmal ganz ruhig aus- und einatmend, beim letzten Mal sehr bestimmt: Nichts ... es ist ja nichts; ich sehe nichts, ich höre nichts .... Der Kübelreiter bekommt die dringend benötigten Kohlen nicht. Er reitet aber nicht nach Hause, sondern auf Nimmerwiedersehen ins Eisgebirge. |
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| Stil Wie meist (immer?) bei Kafka: jedes Wort sitzt. Es beginnt mit einer extrem knappen Aufzählung: "Verbraucht alle Kohle; leer der Kübel; sinnlos die Schaufel; Kälte atmend der Ofen; ...", die von der Kohle übers Zimmer bis zum Himmel schreitet. Und dann fehlt jegliche Beschreibung, alles ist in den knappen Wörtern ausgedrückt. Durch den Sprachduktus und die fantastische Handlung entsteht ein märchenhaftiger Charakter. |
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| Motive und
Allegorik Neben diesem Bibel-Motiv und dem wörtlichen Bezug aufs fünfte Gebot bringt Kafka am Ende noch einen weiteren Bezug auf die Bibel. Im Ton des Neuen Testaments verurteilt der Kübelreiter die Frau: Du Böse! ... du Böse! Um eine Schaufel von der schlechtesten habe ich gebeten und du hast sie mir nicht gegeben. Über das Jüngste Gericht oder Weltgericht heißt es:
Die Lungentuberkulose wird zwar erst im August 1917 diagnostiziert, aber Kafka schreibt dem bösen Händler schon mal schweren Husten zu. 1) Der Kübelreiter schwebt ja außergewöhnlich hoch, die Frau kann ihn wirklich nicht sehen. er ruft ihr daher zu: bitte seht doch herauf und zwar schon bevor sie Treppe hinauskommt. Endlich oben meint der Kübelreiter, daß sie ihn gleich sieht. 2) Die Stimme des Kübelreiters ist von der Kälte hohl gebrannt und damit schwerer verständlich, er selbst ist in Rauchwolken des Atems gehüllt und damit nicht zu sehen. 3) Außerdem mischen sich seine letzten Worte nicht gleich, nicht gleich sinnverwirrend mit dem Abendläuten vom nahen Kirchtum. Ein überreicher Händler sperrt da seinen Laden zu. Die Bewegung mit der Schürze ist dann nur so eine Routinehandlung, denn irgendwas spürte oder hörte sie doch etwas. Eine geniale Kurzgeschichte. |
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| Links Weitere |
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| Sekundärliteratur Schindler, Sabine: "Der Kübelreiter", in: Michael Müller, Hg.: Franz Kafka. Romane und Erzählungen. Interpretationen. Stuttgart: Reclam, 1994. S. 233-252. Weitere |
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| Vergriffen Franz Kafka: Königs Erläuterungen und Materialien. Kleine Prosa. Gibs auf! Der Kübelreiter. Der Nachbar. Das Stadtwappen. Der Jäger Gracchus. Der Schlag ans Hoftor. Die Prüfung. 1984. Broschiert, 80 Seiten |
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