| Franz
Kafka: "Josefine, die Sängerin oder Das Volk der Mäuse" In: Die Erzählungen. Frankfurt am Main: Fischer, 2007. S. 518-538 – |
| Ein Erzähler aus dem Volk der Mäuse berichtet über die
grandiose Sängerin Josefine aus ihrer Mitte. Wie so oft bei Kafka lebt
diese Erzählung (die letzte seines Lebens) von den Widersprüchen und
Rücknahmen. Einleitend wird von Josefine und ihren sängerischen Leistungen (die schon deshalb ungewöhnlich sind, weil die Mäuse unmusikalisch sind) geschwärmt, am Ende von ihrem Niedergang berichtet. Im Laufe der Zerzählung schwankt der Leser zwischen einer Diva und einer Maus wie jder anderen, die nur von ihren Volksgenössinnen als grossartige Sängerin erkannt wird. Einerseits wird die Künstlerin also nur von ihrem Volk als solche erkannt, andrerseits wird ihr die Anerkennung versagt: das Mäusevolk versteht ihre Kunst nicht und von der Arbeit wird sie keinesfalls befreit. Die Befreiung von der Arbeit war für Kafka ein nie erfüllter Wunsch. Man kann die Erzählung daher als Allegorie zum Verhältnis des Künstlers und seinen Kennern lesen, als auch speziell zum Verhältnis Kafkas zu seiner Schreibkunst und ihrer ungenügenden Anerkennung. Den Titel der Erzählung ist nicht als: Man kann die Geschichte "Josefine, die Sängerin" oder "Das Volk der Mäuse" überschreiben, sondern mit hartem "oder": "Josefine, die Sängerin ODER Das Volk der Mäuse". Die Künstlerin geht am Ende unter, weil sie vom Volk nicht verstanden wird. Der Leser erfährt einiges über Josefine als auch über das Volk. |
| Stil |
| Jede Aussage wird vom Erzähler reflektiert, abgewogen und oft zurückgenommen. Ein Beispiel vom Beginn. Die Erzählermaus räsoniert darüber, wenn das Mäusevolk mal das Verlangen hat, das Glück dieser Kunst zu erfahren. Sie nimmt dies aber schon innerhalb des Satzes mit dem Zusatz „– was aber nicht geschieht –“ (S. 518) zurück. |
| Fertigestellt im März 1924 ist "Josefine, die Sängerin oder Das Volk der Mäuse" das letzte Werk Kafkas. Es erschien erstmals in: Prager Presse 110, 20. April 1924. |
| "Josefine, die Sängerin oder Das Volk der Mäuse" ist als letzte Erzählung Kafkas zugleich seine letzte Reflexion über das Verhältnis des Künstlers zu Publikum, zur Anbiederung und zur Kommerzialisierung. |
| Vergleichsliteratur |
| Links |
| Text online: |
|
|
|
|
| Literatur |
| Margot Norris: "Kafka's Josefine: The Animal as the Negative Site of Narration". Modern Language Notes MLN 98:3. S. 366-383 |
| Bei Amazon nachschauen | Bei Amazon nachschauen | |
![]() |
![]() |
|
Oliver Voß: Gesänge
der Stille: Musik in der Literatur. Books on Demand, 2009.
Gebunden, 278 Seiten ![]()
online
verfügbar |
||