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Cornelia Funke. Tintenherz
Cornelia Funke. Tintenherz
Hamburg: Dressler, 2003. Gebunden, 573 Seiten
Meggie und ihr Vater Mortimer Folchart, kurz Mo, haben eine seltsame Begabung. Wenn sie aus Büchern vorlesen, werden die Figuren daraus lebendig im wörtlichen Sinn. Leider hat Mo aus Tintenherz vorgelesen und damit eine ganze Gangsterbande um Capricorn ins Leben gerufen. Sie trachten vor allem nach dem Buch, das zunächst noch bei Meggie und Mo (im Gangsterjargon Zauberzunge) ist.
Der Roman schildert teilweise spannend die Jagd nach dem Buch. Ziel beider Seiten ist mit Hilfe des Buchs neue Veränderungen der Wirklichkeit herbeizuführen oder sie rückgängig zu machen. So anschaulich Cornelia Funke dies erzählt, es sind etwa 250 Seiten zuviel. Außer dem Eingreifen der Büchernärrin Elinor und des Autors von Tintenherz entwickelt sich die Handlung recht einspurig.
Die Figuren des Romans traten unterschiedlich vor mein lesendes Auge. Elinor und die Gangster Staubfinger und Basta sind gut herausgemeisselt. Recht blaß blieb beispielsweise die verschwundene Mutter Meggies.
Die Sprache der Autorin ist eher nüchtern. Vielleicht will sie das jugendliche Publikum nicht mit schöner, mitreißender Sprache überlasten. Dann aber ist es inkonsequent, vor jedes Kapitel Auszüge aus anderen (Kinder)Büchern zu stellen.
Ein Konstruktionsprinzip fiel mir auf. In den ersten Zeilen jedes Kapitels baute Funke jeweils eine ausgesuchte Metapher ein. Ich gebe ein paar Beispiele.
"... die Nacht war blass geworden und in der Ferne hob sie schon den Rock für einen neuen Morgen" (S. 235); "... wie eine Nacht ohne Feuer" (S. 288); "so vorsichtig, als zöge er ein verletztes Tier aus einer Falle" (S. 311); "... die Sonne schwamm darin wie ein Ball in trübem Wasser" (S. 357).
Gut gelang es der Autorin die Liebe zu Bücher einzubauen. Für viele Mitwirkende sind sie Lebenselixier. So wird die Bibliothek Elinors geschildert.
Meggie hatte immer geglaubt, dass Mo viele Bücher besaß. Nachdem sie Elinors Haus betreten hatte, glaubte sie das nie wieder.
Es gab keine herumliegenden Stapel wie bei Meggie zu Hause. Jedes Buch hatte offenbar seinen Platz. Doch wo andere Menschen Tapeten haben, Bilder oder einfach ein Stück leere Wand, hatte Elinor Bücherregale. In der Eingangshalle, durch die sie sie zuerst führte, waren es weiße Regale, die sich bis zur Decke streckten, in dem Zimmer, das sie danach durchquerten, waren sie schwarz. wie die Fliesen auf dem Boden, ebenso wie in dem Flur, der darauf folgte. (S. 46)
Ein gut ausgedachte Geschichte, die streckenweise zu lang ausgewalzt wird.
Im Kinderbuch Lisas Freund von Wieland Freund geht es ebenfalls um Gestalten der Literatur, die ins fiktive Geschehen des Romans eingreifen. Dort ist es besser und kompakter gelöst: wieland freund Rezension.
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Cornelia funke Cornelia Funke. TintenherzCornelia Funke. Tintenherz. Hamburg: Dressler, 2003. Gebunden, 573 Seiten

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© by Herbert Huber, Am Fröschlanger 15, 83512 Wasserburg, Germany, 19.1.2004