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Wieland Freund Lisas Buch
Wieland Freund: Lisas Buch
Reinbek: Rowohlt, 2003. Broschiert, 314 Seiten
Wer den Buchrücken von Lisas Buch liest wird von Figuren der Weltkinder- und Weltjugendliteratur überflutet. Tom Sawyer, Huckleberry Finn, Robinson Crusoe, Kapitän Nemo, Frankenstein, Don Quixote und Kapitän Ahab werden aufgeführt. Man darf sich nicht abschrecken lassen. Diese und noch viel mehr Gestalten wirren durch Lisas Buch. Doch der Autor Wieland Freund führt alle Figuren (es sind noch einige mehr!) nach der ersten rätselhaften Szene behutsam ein.
Da die Schwabinger Stadtteilbibliothek (bei der ich Kunde bin) in Lisas Buch eine wichtige Rolle spielt, mußte ich dieses Kinderbuch (ich meine, etwa ab 10 Jahre) unbedingt lesen.
Tom Sawyer und Huckleberry Finn aus dem Vereinigten Reich der Erfindung erhalten den Auftrag das Manuskript des Bibliothekars Birnbichler sicher zu stellen. Doch das einzige Exemplar des Manuskripts ist schon weg. Lisa, Kundin in der Schwabinger Teilbibliothek (das künftige Buch ist ihr gewidmet), macht sich mit den beiden Mississippi-Buben auf die Suche danach. Der kurzweilige Roman erzählt die Abenteuer bei dieser Suche. Die Kinder lernen im Nationalpark des Vereinigten Reichs der Erfindung viele absonderliche Gestalten der Literatur (sie bevölkern dieses Reich) kennen: Scrooge, Sacho Pansa, Humpty Dumpty, ... Ein besonders netter Einfall des Autors war es als Direktor den Erzähler fabelhafter Geschichten Jorge (Jorge Luis Borges, 24.8.1899 Buenos Aires – 14.6.1986 Genf; argentinischer Schriftsteller, Jorge Luis Borges Library of BabelJorge Luis Borges Zitate) anzustellen.
Hier eine herrliche, typische Szene mit Jorge.
Jorge lehnte sich wieder zurück. »Nun zur nächsten Frage. Warum schläfst du draußen, Frank?«
Frank Steins gelbes Gesicht färbte sich rötlich. »Ich verstecke mich«, sagte er. »Weil ich so hässlich bin. Niemand soll mich sehen.«
»Hässlich?«, sagte Jorge überrascht. »Ich versichere dir, das ist allen im Raum hier so gleichgültig wie mir. Und im Übrigen ist es nicht wahr. Stimmt's?« Es war, als sähe Jorge sich unter den Anwesenden um.
»Total egal«, sagte Lisa.
»Völlig wurscht«, sagte Tom. (S. 119)
Das meiste Personal des Romans tritt lebhaft und markant hervor, am wenigsten vielleicht Lisa selbst. Am Ende patzt Lisa als Münchner Gwachs mit "Tschüs" (S. 307) gar noch.
Mir fiel auf, daß in Lisas Buch, ähnlich wie in Cornelia Funkes Tintenherz (Cornelia Funke Rezension) Figuren aus Büchern im Buch lebendig werden. Die Lösung Wieland Freunds ist bedeutend besser gelungen. Für erwachsene Leser ist Lisas Buch vielleicht zu sehr Sonnenschein; mir hat es gut gefallen. Für Kinder aber, denke ich, ist es goldrichtig. Und für Kinder ist es schließlich geschrieben.
Sehr empfehlenswert.
Der Journalist und Autor Wieland Freund wird 2004 mit dem mit 5000 Euro dotierten Bayerischen Kunstförderpreis ausgezeichnet. Freund erhält den Preis für Lisas Buch. Freund, * 1969, ist Journalist und schreibt vorwiegend für Die Welt.
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Wieland Freund Lisas Buch Wieland Freund Lisas BuchWieland Freund. Lisas Buch. Reinbek: Rowohlt, 2003. Broschiert, 314 Seiten

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© by Herbert Huber, Am Fröschlanger 15, 83512 Wasserburg, Germany, 6.8.2004