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Armin Greder: Die Insel. Eine tägliche Geschichte
Aarau, Frankfurt am Main: Sauerländer, 2002. 32 Seiten – AutorLinks
An einem Morgen finden die Inselbewohner einen Mann am Strand, der mit dem Floß dort gestrandet war. "Er war nicht wie sie". Die Inselbewohner wollen den Fremden nicht aufnehmen, aber der Fischer appelliert an ihr Gewissen. So wird der Mann geduldet. Allerdings wird er in einem Ziegenstall eingesperrt und – als sollte dies nicht genügen – der ist am anderen Ende der Insel. (Wo ist das Ende einer Insel?) Dem hungernden Mann gelingt der Ausbruch und wieder ist es der Fischer, der die Bedenken und Totschlagargumente der Bewohner (»Aber wir können doch nicht einfach jeden durchfüttern, der zu uns kommt«) zerstreut: jemand soll den Fremdling Arbeit geben. Als sich wieder alle weigern, ist es zum dritten Mal der Fischer, der eine gemeinschaftliche Lösung für notwendig hält. Der Fremdenhaß schwillt an. Schließlich wird der Mann auf seinem Floß wieder dem Meer übergeben. Der einzig Menschliche, der Fischer, muß sein Verhalten ebenfalls büßen: sein Boot wird angezündet. Die Wenigen, die damit nicht einverstanden waren, kuschten.
Die Bilder sind eindrucksvoll. Sie erinnern beispielsweise an »Der Schrei« (1902) von Edvard Munch und »Nosferatu« (1921) von Friedrich Wilhelm Murnau.
Die völlige Ausgrenzung eines Fremden ist schlimm genug. Doch Die Insel erzählt unsere alltägliche Geschichte. Fremdenfeindlichkeit ist allerorts spürbar (nicht nur in Deutschland), ausländerfeindliche Taten wie der greder Mord an Carlos Fernando tauchen in der rechtsextremistischen Statistik nicht auf.
Europa ist gerade dabei die Mauer um die EU (Umschlagbild und S. 28-29) weiter zu verstärken. Zahlreiche Politiker, allen voran Otto Schily und Günther Beckstein (greder Günther Beckstein gegen Rechtsstaat, Demokratie und die Liberalitas Bavariae), wollen den Fremden mit dem Floß erst gar nicht zu uns kommen lassen (greder Ausländer in Deutschland, Schwerpunkt Bayern). Die Argumente der Inselbewohner kann man wöchentlich auf den Leserbriefseiten unserer Zeitung lesen und in den Reden vieler Politiker hören.
Die Insel ist ein rundum gelungenes Buch. Es beschreibt unsere Wirklichkeit drastisch. Leider agieren die Hetzer gegen Fremdes bei uns sehr viel subtiler und mit ausgefeilteren Methoden. Viele fallen darauf herein, aber ist eine tägliche Geschichte. Einziger Wermutstropfen ist das Preis-Leistungsverhältnis. Über 15 Euro scheint mir zu reichlich für 32 Seiten Buch.
"Wer dieses Thema aus dem Bilderbuch heraushalten möchte, sollte die Augen aufmachen: Auf den Straßen, den Spielplätzen und Schulhöfen, auf den Bildschirmen und Monitoren findet diese Geschichte täglich statt. Kinder sind Täter und Opfer, sind Beobachter und Zeugen, sind Mitläufer und Verteidiger in den kleinen und großen Auseinandersetzungen um das Fremde. Von globalen "Insel"-Geschichten soll hier erst gar nicht die Rede sein." Jens Thiele: "LUCHS 181", Die Zeit, 12/2002
Armin Greder
* 24.Mai 1942 Biel, Schweiz; Lehre als Bauzeichner, arbeitet im Modellbau;
macht satirische Zeichnungen und Illustrationen
1971 Auswanderung nach Australien; arbeitet dort in der Werbegraphik und gestaltet Trickfilme.
1978 Lehrer für Grafik und Illustration am Queensland College of Art an der Universität Brisbane
Die Insel ist das erste Kinderbuch, zu dem Greder auch den Text geschrieben hat und das original in Deutsch erscheint, denn
Seit kurzem lebt Armin Greder wieder in seinem Geburtsort Biel in der Schweiz
Auszeichnungen
Liste der besten 7 Bücher für junge Leser von DeutschlandRadio und Focus, 4/2002
grederKatholischer Kinder- und Jugendbuchpreis, 2/2003
grederLuchs des Monats (ZEIT und Radio Bremen), 3/2002
Bulletin Jugend & Literatur, Eule des Monats, 4/2002
Links
greder"Happyend erst im Kopf", Münchner Kirchenzeitung
grederJens Thiele: "LUCHS 181", Die Zeit, 12/2002
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Greder blablaArmin Greder: Die Insel. Eine tägliche Geschichte. Aarau, Frankfurt am Main: Sauerländer, 2002. 32 Seiten


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© by Herbert Huber, Am Fröschlanger 15, 83512 Wasserburg, Germany, 12.11.2004