| Rudolf
Herfurtner: Mensch Karnickel Wien: Ueberreuter, 1990. 116 Seiten – |
| Ende des Krieges wird Clemens – er ist etwa 11 Jahre alt – aus dem bombardierten Deutschland zu Erholungswochen nach Ostpreußen versandt. Darüber rollt bald die Rote Armee und Clemens, genannt »Karnickel«, muß sich über das zugefrorene Haff nach Westen durchschlagen. In Polen kommt er für ein paar Jahre in ein Jugendlager. Über das Lager Friedland schlägt er sich 1950 in seine neue bayerische Heimat durch. |
| Doch am Ziel vor dem Haus seiner Mutter
verläßt ihn der Mut. Durch den Lageraufenthalt und
seine Flucht wurde er menschenscheu, er traut kaum jemand und
will nicht eingesperrt werden. Deshalb öffnet er auch gerne
die Käfige der Kaninchen, läßt sie frei und
spielt mit ihnen. Am Heimatort umkreist Clemens das neue Haus: Mutter
hat wieder geheiratet, heißt nun Hofmann und mit Timo einen
nur etwas älteren
Stiefbruder. Wie's ausgeht muß man selber lesen. |
| Der Autor wechselt mehrfach
die Perspektive, das belebt
die schnörkellose Erzählung. Es sind einige
Höhepunkte und echoartigen Szenen einbaut. Mehrfach muss
Clemens »Karnickel« flüchten und mehrfach
wird er zurückgeholt. Glänzend ist die Dosis
zwischen Spannung, psychologischer Detailarbeit und geschichtlicher
Hintergrund. Berührend und einfühlsam ist das gesamte
Werk, aber besonders das Zusammentreffen der Mutter mit ihrem Sohn (S.
88-89). |
| Etwa irritiert war ich über die wohlhabende
Familie Hofmann. Sie haben 1950 bereits Telefon, einen Borgward Hansa
(!),
Timo hat ein Fahrrad, erhält vom Vater 1 Mark Pausengeld (1
Semmel kostetet damals 5 Pfennige), sie haben eine Dusche und der Vater
bringt eine Musiktruhe mit Plattenwechsler heim. Mindestens dies ist
anachronistisch. Die ersten Plattenwechsler kamen 1950 auf den Markt,
waren aber sündhaft teuer. Es gab ja noch
hauptsächlich Schelllacks (siehe
unter "Schallplatte" unter |
| Mensch Karnickel kam 1991 auf die Auswahlliste zum Deutschen Jugendbuchpreis und erhielt den Preis der Leseratten 1990. |
| Das vorangestellte Motto "Ein Krieg wird noch
Jahrzehnte später bitter bezahlt" (Josef Greding: Friedland.
Chronik der grossen Heimkehr, 1956; |
| Mensch Karnickel ist ein hervorragend gelungenes Jugendbuch (ab 14 Jahre wird genannt). Ich las es aufgeregt und zitterte mit Katrin Graber um ihren Sohn. |
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