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Alexander Lernet-Holenia. Die Standarte
Alexander Lernet-Holenia. Die Standarte
Frankfurt am Main 1955. 215 Seiten. Auch: Das Leben für Maria Isabella
Mit leichter Hand entwirft Alexander Lernet-Holenia ein grausames Bild. Das erste Licht fällt auf ein Fest zehn Jahre nach dem ersten Weltkrieg. Die Herren der Regimenter haben nur wohlklingende Namen, aber nichts mehr zu sagen. Sie huldigen dem Lärm vergessener Gefechte. Das zweite Licht fällt auf Bettler in Wien; gescheiterte Kriegsversehrte. Dann beginnt in Rückblende die heile Welt der Monarchie und eine Liebesgeschichte, wie sie auch Henri Stendhal hätte schreiben können. Doch unbarmherzig greift das Kriegsgetümmel ins Geschehen. Eine Meuterei treibt den Roman zum Wendepunkt. Jetzt greift die militärische Ordnung nicht mehr. "Wo ist denn jetzt überhaupt die Front?" fragen die Flüchtenden. Sie schlagen sich nach Hause durch das Chaos des ausklingenden Völkermordens. Wie zum Hohn entbindet am Ende der Kaiser die Überlebenden vom Treueeid.
Mit dem äußeren Handlungswandel ist ein psychologischer verbunden. Ganz allmählich setzt der erzählende Fähnrich Herbert Menis über seine Liebe zur schönen Resa Lang die unbedingte soldatische Treue, ausgewiesen durch die Standarte des Regiments "Maria Isabell". "Aber schließlich berührte ich doch den Brokat, als griffe ich in die Locken einer Braut, er fühlte sich sanft an wie Mädchenhaar, ..." Er rettet die Standarte durch Blutbäder und Wirren nur um am Kriegsende festzustellen, dass sie keiner zurückhaben will. "Unzählige waren schon gefallen um dieser Standarte willen, aber nun fand sich nicht einmal mehr irgendeiner, der sie auch nur genommen hätte." Sie wird in die Flammen geworfen. Übrig bleiben zerstörte Städte und Menschen. "Die Lebenden, die zurückgekehrt waren, waren selber die Toten." Das Buch konnte 1934 noch erscheinen. Ja, es wurde unter "Mein Leben für Maria Isabell" sogar noch im Erscheinungsjahr verfilmt und erschien unter diesem Titel einst auch als Ullstein-Taschenbuch. Offensichtlich habe es wenige gelesen und noch wenigere beherzigt. Unbedingt lesenswert.
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Die Standarte. Frankfurt am Main: Insel, 2002. Broschiert, 325 Seiten.lernet-holenia lernet-holenia
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Lernet-Holenia   Lernet-HoleniaDie Standarte. Wien: Zsolnay, 1996. Gebunden, 324 Seiten lernet-holenia
Die Standarte. Frankfurt am Main: Ullstein, 1998. Broschiert, 414 SeitenLernet-Holenia
lernet-holenia Lernet-HoleniaDas Leben für Maria Isabella. Frankfurt am Main: Ullstein, o.J. Taschenbuch, 203 Seiten. Ullstein TB #578  

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© by Herbert Huber, Am Fröschlanger 15, 83512 Wasserburg, Germany, 27.8.2002