Mit leichter Hand entwirft Alexander
Lernet-Holenia ein grausames Bild. Das erste Licht fällt auf ein Fest zehn
Jahre nach dem ersten Weltkrieg. Die Herren der Regimenter haben nur
wohlklingende Namen, aber nichts mehr zu sagen. Sie huldigen dem Lärm
vergessener Gefechte. Das zweite Licht fällt auf Bettler in Wien;
gescheiterte Kriegsversehrte. Dann beginnt in Rückblende die heile Welt
der Monarchie und eine Liebesgeschichte, wie sie auch Henri Stendhal hätte
schreiben können. Doch unbarmherzig greift das Kriegsgetümmel ins
Geschehen. Eine Meuterei treibt den Roman zum Wendepunkt. Jetzt greift die
militärische Ordnung nicht mehr. "Wo ist denn jetzt überhaupt
die Front?" fragen die Flüchtenden. Sie schlagen sich nach Hause
durch das Chaos des ausklingenden Völkermordens. Wie zum Hohn entbindet am
Ende der Kaiser die Überlebenden vom Treueeid. Mit dem
äußeren Handlungswandel ist ein psychologischer verbunden. Ganz
allmählich setzt der erzählende Fähnrich Herbert Menis über
seine Liebe zur schönen Resa Lang die unbedingte soldatische Treue,
ausgewiesen durch die Standarte des Regiments "Maria Isabell". "Aber
schließlich berührte ich doch den Brokat, als griffe ich in die
Locken einer Braut, er fühlte sich sanft an wie Mädchenhaar,
..." Er rettet die Standarte durch Blutbäder und Wirren nur um am
Kriegsende festzustellen, dass sie keiner zurückhaben will.
"Unzählige waren schon gefallen um dieser Standarte willen, aber nun
fand sich nicht einmal mehr irgendeiner, der sie auch nur genommen
hätte." Sie wird in die Flammen geworfen. Übrig bleiben
zerstörte Städte und Menschen. "Die Lebenden, die
zurückgekehrt waren, waren selber die Toten." Das Buch konnte 1934
noch erscheinen. Ja, es wurde unter "Mein Leben für Maria Isabell"
sogar noch im Erscheinungsjahr verfilmt und erschien unter diesem Titel einst
auch als Ullstein-Taschenbuch. Offensichtlich habe es wenige gelesen und noch
wenigere beherzigt. Unbedingt
lesenswert. |