| Alexander Lernet-Holenia: Der Baron
Bagge Frankfurt am Main: S. Fischer, 1978. Hilde Spiel: Nachwort. 114 Seiten |
| Wie so manches aus Lernet-Holenias
Werk führt auch die Novelle Der Baron Bagge in den Ersten
Weltkrieg. Baron Bagge untersteht als Oberleutnant einer Dragonerschwadron dem
waghalsigen Offizier Semler. Die Schwadron greift mit unterlegenen Kräften
eine vom Feind besetzte Brücke an. Bagge hält die Attacke für
selbstmörderisch, doch sie gelingt ohne allzu große Verluste. Bagges
Widerwille schlägt ob dem erstaunenswerten Erfolg in Bewunderung um (S.
35). Doch die Ereignisse in dem gebirgigen Teil Österreich-Ungarns werden
noch merkwürdiger. Der erzählende Bagge hat sonderbare
Erinnerungsschwächen und -lücken ("mit einer Familie Szent-Kiraly,
oder so ähnlich, ..."). Sonderbar deswegen, weil er mitten im Krieg die
Tochter der Familie Szent-Kiraly heiraten wird. Doch zuerst erweisen sich die
Dorfbewohner gegenüber den Dragonern sehr gastfreundlich; sie feiern
fröhliche Feste, vom russischen Feind, der bis vor kurzem diesen
Landstrich noch unter Kontrolle hatte, keine Spur. Das gipfelt in einem
Maskenball, in einer Dorfgegend aussergewöhnlich, mitten im Krieg fast
ausgeschlossen. Wie Hilde Spiel im Nachwort schreibt, erinnert dieser
schemenhafte Ball an den Maskenball in
Lernet-Holenias Sprache ist reich an ungewöhnlichen Metaphern. "Der San rauschte zu unserer Rechten so laut, als führe er Glasscherben statt Wasser, ein gewaltiges klirren steig aus dem Flußbett zu uns herauf" (S. 92). Man muß als Leser dem Autor folgen um den Zauber dieser Novelle zu genießen. Sehr lesenswert für Leser mit psychologischem Gespür und einer kleinen Ader für die Phantastik. |