| Emine
S.
Özdamar: Das Leben ist eine Karawanserei, hat zwei
Türen, aus einer kam ich rein, aus der anderen ging ich raus.
Köln: Kiepenheuer & Witsch, 1992. Gebunden, 380 Seiten – |
| Das Leben ist eine Karawanserei und hat zwei
Türen: keine davon fand ich. Dem Buch geht ein guter Ruf voraus. In freudiger Erwartung begann ich also zu lesen. Der merkwürdige Geburtsvorgang ... na ja, vielleicht eine Hürde zu Beginn. Es kommen Brustwarzen, Schwanz am Arsch und Zeilen wie diese: "Bismillahirrahmanirrahim" (S. 17). Verstanden? Ich nicht. Noch immer dachte ich: das kann sie nicht durchhalten; das macht sie nur um als großartige Literatur zu gelten. Doch sie hält es durch. Die Vergleiche sind blumig bis unglaubwürdig. Die Szenen ebenso. Ein Beispiel: "Die Soldaten nahmen mich aus dem Gepäcknetz, ...". Die siebenjährige Erzählerin ist also sehr klein. "... rollten den Teppich zusammen, legten ihn auf die Schultern meines Großvaters, ...". Der Großvater muß ganz schön kräftig sein. Doch es geht weiter: "Ich als siebenjähriges Mädchen nahm meinen Großvater auf meine Schultern, ..." Hä, was? "... wir stiegen aus dem Zug, der Teppich rollte durch die Gassen mit uns" (S. 47). Kein fliegender Teppich, sondern ein durch die Gassen rollender Gelegentlich gelingen ihr wunderbare Bilder. Das strömende Wasser, das gegen einen Stein anrennt vergleicht sie mit dem Kopf, der durch die Wand will. Unverdrossen las ich weiter, kaum etwas verstehend. Manch märchenhafte Binnenerzählung (der in der Moschee furzende Hodscha, der daraufhin sein Dorf verläßt; S. 80-81) ist eingestreut: da kam ich wenigstens mit. Es erinnert an den alten Kalauer: "Morgen mach' ich blau und dann komm' ich ein Jahr lang nicht, bis Gras über die Sache gewachsen ist". Seite 100 ist bei einem Langweilerbuch so etwa die Grenze, bis zu der ich lese. Großzügig las ich eine Seite weiter und diesen Dialog: "Wird mein Vater ins Paradies gehen, Großmutter?" "Ja.""Wird meine Mutter ins Paradies gehen, Großmutter?" "Ja." Ich will niemand langweilen, Özdamar tut es: das Frage-Antwort-Spiel wird noch fünfmal wiederholt (S. 101-102). |
| Allen, die dieses Buch nicht ganz lesen,
weil's einfach zu langweilig und kopfweh-hervorrufend ist, gibt die
Autorin Emine
S.
Özdamar im letzten Satz den Rat: "Eine Tablette gegen Kopfschmerzen, ich glaube, sie heißt Aspirin." (Diesen Hinweis verdanke ich einer Leserin, die zwar – wie ich – auch die Lektüre abbrach, aber noch das Ende lesen wollte.) |
| Eine
Möglichkeit guter Literatur ist es ( Langweilig und/oder zu orientalisch. It's not my cup of tea! Verdient einen Eintrag in meine |
| Die (Nicht)Lektüre wirkt nach: auf meiner
Leseliste steht Feridun
Zaimoglu: Leyla. Und diesem
Roman wurde ein Plagiat in Bezug auf Das Leben ist eine
Karawanserei vorgeworfen ( |
| Links |
| Weitere Artikel zur Diskussion Karawanserei verus
Leyla, siehe unter |
| Literatur |
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Monika Albrecht (2006): "Jenseits des 'Dazwischen': Renan Demirkans
Beitrag zur Diskussion Gegenwärtiger kulturtheoretischer
Fragen". German Life and
Letters 59.4 S. 540-554. |
| Hansjörg Bay: "Wortkarawanen. Migration und Doppelzüngigkeit bei Özdamar". Blätter des Informationszentrums 3. Welt 250. 2001. S. 30-33. |
| Elizabeth Boa (2006): "Özdamar's Autobiographical Fictions: Trans-National Identity and Literary Form". German Life and Letters 59.4 S. 526-539. |
| Sohelia Ghaussy (1999): "Das Vaterland verlassen: Nomadic Language and »Feminine Writing« in Emine Sevgi Özdamar's Das Leben ist eine Karawanserei". The German Quarterly 72.1 S. 1-16. |
| Dirk Göttsche (2006): "Emine Sevgi Özdamars Erzählung Der Hof im Spiegel: Spielräume einer postkolonialen Lektüre deutsch-türkischer Literatur". German Life and Letters 59.4 S. 515-525. |
| Karen Jankowsky (1997): "»German« Literature Contested: The 1991 Ingeborg-Bachmann-Prize Debate, »Cultural Diversity,« and Emine Sevgi Özdamar". The German Quarterly 70.3 S. 261-276. |
| Sheila Johnson (1997): "Literatur von deutschschreibenden Autorinnen islamischer Herkunft". German Studies Review 20.2 S. 261-278. |
| Sheila Johnson (2001): "Transnational Ästhetik des türkischen Alltags: Emine Sevgi Özdamar's Das Leben ist eine Karawanserei". The German Quarterly 74.1 S. 37-57. |
| Jim Jordan (2006): "Crossing Boundaries: Changing Perspectives on Contemporary Diasporic Cultures in German Introduction". German Life and Letters 59.4 S. 469-470. |
| Frank Krause (2000): "Shadow Motifs in Emine Sevgi Özdamar's Die Brücke vom Goldenen Horn: A Corrective to the Limitations of Current Debates on Inter-Cultural Issues". Debatte: Journal of Contemporary Central and Eastern Europe 8.1 S. 71-86. |
| Sabine
Milz
(2000): "Comparative Cultural Studies and Ethnic Minority Writing
Today: The Hybridities of Marlene Nourbese Philip and Emine Sevgi
Özdamar", |
| Azade Seyhan (1996): "Lost in Translation: Re-Membering the Mother Tongue in Emine Sevgi Özdamar's Das Leben ist eine Karawanserei". The German Quarterly 69.4, S. 414-426. |
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| Emine S.
Özdamar: Das Leben ist eine Karawanserei, hat zwei
Türen, aus einer kam ich rein, aus der anderen ging ich raus.
Köln: Kiepenheuer & Witsch, 1994. Gebunden, 380 Seiten
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| Sabine
Fischer, Moray McGowan, Hg.: Denn du tanzt auf einem Seil.
Positionen
deutschsprachiger MigrantInnenliteratur. Stauffenburg
1997. Broschiert, 199 Seiten |
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