Email zurück zur Homepage eine Stufe zurück
Serfontein
Anli Serfontein: From Rock to Kraut
Norderstedt: Books on Demand. . Broschiert, 213 Seiten – Anli LinksAnli Literatur
Vorab: From Rock to Kraut ist kein Musikbuch über Deutsch- und Krautrock.
anli
© Daniel Schieben;
mit freundlicher Genehmigung
Es geht um die Erfahrungen einer in die westliche Rheinland-Pfalz Zugewanderten.
Wie viele Menschen in Deutschland hat die Autorin Anli Serfontein einen sogenanten Migrationshintergrund: sie wuchs in einem anderen Land auf (Südafrika) und lebt nun dauerhaft in Deutschland, – in Trier, "of all places". Aus meiner Sicht in etwa vergleichbar mit Paderborn oder Fulda (in der Nähe hier kommen noch Altötting und Rott hin, aber die sind bedeutend kleiner).
In From Rock und Kraut erzählt die hauptberufliche Journalistin Episoden aus ihrer kulturellen, wirtschaftlichen, politischen und privaten Akklimatisation. Mit Episoden sind nicht kurze Anekdoten sondern Kapitel von einer bis mehreren Seiten unter einem bestimmten Thema zu verstehen.
Das hatten wir doch schon oder so ähnlich! Man denke an Wladimir Kaminer: Russendisko, Jan Weiler: Maria, ihm schmeckt's nicht! (wie From Kraut to Rock beides ebenfalls von Aussenstehenden, wenn auch bei Weiler vom deutschen Teil erzählt) oder aus der Innensicht: Christian Adler: Achtung, Touristen! und Richard W.B. McCormack: Tief in Bayern. Eine Ethnographie.
Für Uneingeweihte: Richard W.B. McCormack gibt sich zwar als Texaner, dahinter steckt aber ein bekannter Professor für Amerikanistik, emeritiert, zuletzt an der LMU München.
Zu diesen vier Büchern konsultiere man die Anli Vergleichsliteratur.
Was ist das Neue oder Aussergewöhnliche oder warum sollte man From Rock und Kraut auch noch lesen?
Anli Serfontein greift andere deutsche Eigenheiten auf als beispielsweise der effektvolle Kaminer; bei Weiler liegt der Schwerpunkt auf dem liebvollen Porträt des skurrilen italienischen Schwiegervaters.
Ein paar Beispiele: Mit Frau Serfontein erhielt auch ich einen kulturellen Schock, als in Trier anscheinend das Butterbrot mit Messer und Gabel verspeist wird (S. 20).
Man freut sich, wenn andere den miserablen Service der deutschen Läden anprangern (Kap. 9; siehe Anli Links). Wenn der Kunde in einem Geschäft die zwei Verkäuferinnen beim Schwatz stört (S. 87) ist man sogar in ein prinzipiell servicefreundliches Geschäft geraten.
In vielen grossen Läden spreche ich einige Kunden erfolglos an, bevor mir ein Verkaufsmensch überhaupt begegnet. Einmal hat mich ein Kunde bestens über Antennen und Satellitenschüsseln beraten. Einen Verkäufer sahen wir beide erst nach zwanzig Minuten.
Zum Überlegen regt durchgehend die Sicht einer Nicht-Eingeborenen auf deutsche Behäbigkeit, Bequemlichkeit und auf die Behandlung der Frauen und der (vermeintlichen) Ausländer durch deutsche Beamte und Behörden an.
Wohltuend registriert der mitdenkende Bayer, dass Nicht-Bayern bei näherem Hinsehen keinen Unterschied zwischen NPD und CSU erkennen (S. 73).
Der Leser kann sich auf neue Einsichten gefasst machen (Basteln, Wandern and Putzen), manches wird bestätigt, vieles in Frage gestellt. Wenn man unverfälscht mit dem berühmten Menschenverstand auf manche unserer Verhältnisse und Einrichtungen schaut, zieht's einem oft die Schuhe aus. An einigen Vorgängen und Einstellungen verzweifelte die Autorin fast (und man kann es mitfühlen), alles nahm sie zuletzt humorvoll und so erzählt sie es auch.
Das zunächst für ausländische Besucher oder Einwanderer als Einstimmung gedachte Buch entpuppt sich für Eingeborene als mindestens ebenso lesenswert. Man erhält keine Standpauke, aber manch Balken vor der Stirn wird zertrümmert.
Die anvisierte Leserschaft ist auch für einen Schuss Wermut verantwortlich. Als Deutscher will ich keine historischen Ausführungen über Karl Marx oder John Cranko lesen. Das ist Sachkunde oder Geschichte in der Schule. (Andrerseits war mir Jean Paul Sartre als Kriegsgefangener in Deutschland sogar neu. Wie soll ein Autor wissen, was ein Leser schon weiß?) Dagegen war der Blick zwischendrin in den beruflichen Alltag einer in Deutschland tätigen Journalistin durchaus willkommen.
Die Ausgaben von From Rock und Kraut sind verwirrend, der Entstehungsgeschichte geschuldet.
From Rock und Kraut, Februar 2008, 1. Ausgabe für den deutschsprachigen Raum aber in Englisch; intendiert für Leute in Deutschland, die in etwa das Schicksal der Autorin teilen (zugewandert), oder für englischsprachige Touristen, die sich mit Eigenheiten Deutschlands vorab (oder nach der Heimreise) vertraut machen wollen. Diese Ausgabe liegt meiner Besprechung zugrunde.
From Rock und Kraut, März 2008, 1. Ausgabe für den US/UK Markt mit einer anderen ISBN.
Basteln, Wandern and Putzen: From South Africa to Trier: Living among the Krauts - Tales from Germany, August 2008 2. Ausgabe, ebenfalls in Englisch aber mit einem Vorwort von Vito von Eichborn; auch in englisch.
Wer jetzt nicht sofort unten via amazon das Buch bestellt oder in den nächsten Buchladen rennt, der sollte die obige Besprechung nochmals lesen. Das Buch verdient mindestens die Verbreitung wie sie Wladimir Kaminers und Jan Weilers Bestsellern zukam.
Vergleichsliteratur
Adler, Christian (1980): Achtung, Touristen! Frankfurt am Main: Umschau.
Anli Kaminer, Wladimir (2000): Russendisko
McCormack, Richard W. B. (1991): Tief in Bayern. Eine Ethnographie. Frankfurt am Main: Eichborn. Bei Serfonteinamazon
Anli Weiler, Jan (2004): Maria, ihm schmeckt's nicht! Geschichten von meiner italienischen Sippe
Links
SerfonteinAnli Serfontein – Writer, journalist, documentary filmmaker and translator – bei SerfonteinBoD
SerfonteinFrom Rock to Kraut
SerfonteinLiezl Maclean: "From Rock to Kraut"
Anli Ausländer in Deutschland
Anli Servicewüste Deutschland
Literatur
Bei Amazon nachschauen   Bei Amazon nachschauen
kraut SerfonteinAnli Serfontein: From Rock to Kraut. Norderstedt: Books on Demand. Broschiert, 213 Seiten anli
Anli Serfontein: Basteln, Wandern and Putzen: From South Africa to Trier: Living among the Krauts - Tales from Germany. Norderstedt: Books on Demand. Mit einem Vorwort von Vito von Eichborn. Broschiert, 224 Seiten Serfontein
Anli Anfang

Serfontein
Email zurück zur Homepage eine Stufe zurück
© by Herbert Huber, Am Fröschlanger 15, 83512 Wasserburg, Germany, 7.9.2008