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Thomas Mann Buddenbrooks
Thomas Mann. Buddenbrooks. Verfall einer Familie
Frankfurt am Main: S.Fischer. 758 S.
mann Buchausgabenmann Interpretation und Lektürehilfemann Rezension: Der Tod in Venedigmann Zitate
Buddenbrooks ist die Familiengeschichte einer Lübecker Kaufmannsfamilie, die ich in fünf Tagen las. Vier Generationen innerhalb von etwa vierzig Jahren ziehen am Leser vorüber. Es passiert das "Übliche": Heirat, Scheidung, Geburt, Tod und doch las ich, blätterte, die Zeit verrann. Was also macht den großen Roman – erschienen 1901, autobiografische Züge sind enthalten – aus?
Es sind, denke ich, zwei wesentliche Qualitätskomponenten:
  1. Erzählstil: Thomas Mann erzählt breit, berichtet aus der Erzählerperspektive und doch wirkt alles farbig, lebendig, detailliert. Der Chronist läßt Anektoden, genau beobachtete Motive, die dann wagnerianisch wiederkehren, einfliessen. Dadurch gelingt es dem Autor den Leser für die jeweilige Person der Buddenbrooks einzunehmen.
  2. Thematik: Während des Lesens wurde es mir nur zum Teil bewußt, ich war zu bewegt von den einzelnen Figuren. Erst anschließend arbeitete das Verfallsthema (Untertitel!) des Romans in meinem Kopf. Nach subtiler Gefangennahme während des Lesens wirken viele Bilder und Motive massiv nach.
Der Verfall der Kaufmannsfamilie ist offenbar. Während Firmenbesitzer und Großvater Buddenbrook den Aufstand der Werktätigen als Mumpiz deklariert und mit ein paar Worten an den Pöbel abebben läßt, rasselt am Ende bei Johannes "Hanno" Buddenbrook der Wecker, der Inbegriff des fremdbestimmten Angestellten. Mit jeder Generation und innerhalb jeder Generation mit den Jahren immer schneller geht es nicht nur mit Reichtum, Besitz, Aufwand und Wohlstand bergab, sondern auch mit dem gesundheitlichen Zustand. Am Ende lebt noch ein männlicher Buddenbrook: er ist im Irrenhaus. Miteinher geht ein Verfall der Sitten im 19.Jahrhundert. Gleichzeitig drängen sich in die puritanischen, buchhalterischen Kreise der Buddenbrooks aber künstlerische und philosophische Ambitionen. Die eingeheiratete Gerda spielt Violine, Hanno ist theater- und musikbegeistert – nochmals Richard Wagner – und Thomas Buddenbrook liest Arthur Schopenhauer. Aus dem Hauptwerk Schopenhauers Die Welt als Wille und Vorstellung fesselt ihn das Kapitel: “Über den Tod und sein Verhältnis zur Unzerstörbarkeit unseres Wesens an sich”.
Thomas Mann drängt den Leser nicht, doch man begreift, daß der Verfall auch ein Gewinn ist. Die Übernahme des Hauses in der Mengstraße durch die kapitalistische Familie Hagenström wird zuerst als unerhört empfunden, dann doch gelassen gesehen. Hoffnung für die Zukunft gibt es alleinig durch die weibliche Linie der Buddenbrooks und wohl auch nur durch einen entsprechenden Wandel.
Ein großes Motiv in Buddenbrooks gilt es noch zu aufzuzeigen: der Bruderkonflikt zwischen Thomas und Christian. Er spielt in der Literatur eine große Rolle, man denke nur an Kain und Abel, John Steinbecks Jenseits von Eden und dem Konflikt zwischen Thomas und Heinrich Mann.
Wen mann Die Baltische Tragödie von mann Siegfried von Vegesack beeindruckt hat, möge auch die Buddenbrooks lesen; und umgekehrt.
Thomas MannReferat über Thomas Mann und sein Buch die Buddenbrooks
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Literatur
Blödorn, Andreas, Friedhelm Marx, Hg.: Thomas Mann Handbuch: Leben - Werk - Wirkung. Stuttgart: Metzler, 2015. Gebunden, 425 Seiten
Heller, Erich: "Thomas Mann: Buddenbrooks". In: Jost Schillemeit, Hg.: Deutsche Romane von Grimmelshausen bis Musil. Interpretationen Band III. Frankfurt 1966. S. 230-268
Mayer, Hans: "Thomas Mann. Buddenbrooks". In: Fritz J. Raddatz, Hg.: ZEIT-Bibliothek der 100 Bücher. Frankfurt 1980. S. 323-326; mann Übersicht
Ausgaben
Buddenbrooks. Verfall einer Familie. Jubiläums-Edition. Frankfurt am Main, S. Fischer, 2001. Taschenbuch - 758 Seiten Buddenbrooks. Verfall einer Familie. Frankfurt am Main, S. Fischer, 1989. Taschenbuch - 758 Seiten Buddenbrooks. Verfall einer Familie. Sonderausgabe. Frankfurt am Main, S. Fischer, 1997. Gebunden - 758 Seiten
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Buddenbrooks. (Lernmaterialien) München: Langenscheidt, 1998. Taschenbuch - 64 S. Oldenbourg Interpretationen, Bd.23. München: Oldenbourg, 1998. Taschenbuch - 132 S. Analysen und Reflexionen, Bd.38. Hollfeld: Beyer, 1979. Taschenbuch - 92 S.
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© by Herbert Huber, Am Fröschlanger 15, 83512 Wasserburg, Germany, 31.12.2001