| Thomas Mann: Mario und der Zauberer. Ein tragisches
Reiseerlebnis In: Sämtliche Erzählungen. Frankfurt: Fischer, 1981. S. 523-565 |
| Eine Familie mit Kindern macht Urlaub
in Torre di Venere, einem fiktiven italienischen Bade- und Urlaubsort. Mario,
Kellner im Gartencafé »Esquisito«, tritt zu Beginn ganz kurz
ins Bild. Dann erlebt die Familie zwei Widrigkeiten, die im ersten Teil
wichtige Vorzeichen für das kommende Geschehen sind. Wegen eines schon
abschwellenden Keuchhusten bemüht die Hotelleitung den Amtsarzt. Der
erklärt das Stadium der Krankheit für unbedenklich. Entgegen der
Abmachung wird die Familie diskriminiert und zieht es vor, die Unterkunft zu
wechseln. Die neue Pension Eleonora ist ihr sogar angenehmer. Der
erzählende Familienvater benennt die dahinter stehende Motivation mit
klaren, harten Worten: naiver Mißbrauch der Macht, Ungerechtigkeit,
kriecherische Korruption (S. 527). Der Erzähler lädt die
Atmosphäre weiter auf. Es ging Politisches um, die Idee der Nation war im
Spiel (S. 529). Wegen eines kurzzeitig nackten Kindes, der achtjährigen Tochter, am Strand entrüsten sich Touristen. Darunter tut sich insbesondere ein "Herr in städtischen Schniepel" (= Frack; S. 530) hervor. Er reagiert gar mit verletztem Nationalstolz. Im zweiten Teil tritt der Zauberer Cipolla auf, der ungewöhnliche Kunststücke vollbringt, nicht das, was man von einem Zauberer erwartet. Cipolla erfüllt damit nicht die Erwartungen des Publikums, was aber nicht gemerkt oder zumindest nicht bemängelt wird. Er arbeitet mit Willensbrechung und Hypnose, ja mit der Verhöhnung seines Publikums. Die Probanden, die der Zauberer einbindet, empfinden die Vergewaltigung ihres Willens als wundersamen Einklang mit dem Magier. Die Kinder, die sich zunächst riesig auf den Zauberer gefreut hatten, reagieren am natürlichsten: sie schlafen ein. Zuletzt probiert es der Zauberer mit Mario, der ganz am Ende unerwartet reagiert. Die Erniedrigung, die im Publikum Gelächter auslöst, beantwortet er mit zwei gezielten Schüssen auf den Zauberer. Die Kinder sehen alles im Rahmen der Inszenierung. Doch der Erzähler empfindet das Ende mit Schrecken als ein befreiendes Ende (S. 565). |
| Thomas Mann erzählt in gewohnt
schnörkeligem und dennoch geraden Stil. Man muß öfter das
Fremdwörterlexikon befragen. Die Spannung wird gehalten, da man immer auf
das Auftreten der Titelfigur wartet. Während im ersten Teil die Täter
(Hotelleitung, entrüstete Moralprediger) komisch wirken, ist es im zweiten
Teil eher umgekehrt. Jetzt wird das Publikum vorgeführt und
lächerlich gemacht. Dass Thomas Mann gelegentlich auf seines Bruders Heinrich Mann: Die kleine Stadt anspielte, entnahm ich der Sekundärliteratur. |
| Ohne es je auszusprechen ist am Ende klar worum es Thomas Mann geht: schon 1929 prangerte er die Führersschaft des »Duce del Fascismo« Benito Mussolini (1883-1945) an, der sich 1922 zum Diktator in Italien aufgeschwungen hatte. Auf dem Höhepunkt der Macht befreit Marios Tyrannenmord vom hypnotischen Zwang. |
| Thomas Mann schwankt
in der Selbstdeutung der Erzählung. Er möchte die Bedeutung "lieber
im Ethischen als im Politischen sehen" (Brief, 15.4.1932; zitiert nach
Sautermeister S. 135). Die Parabel ist eine modellhafte "Warnung vor der
Vergewaltigung durch das diktatorische Wesen" ("On Myself", 1940, zitiert nach
KLL S. 6041). Für mich war die Lektüre unmittelbar nach der Biografie Ferdinand Schlingensiepen: Dietrich Bonhoeffer 1906 - 1945 Eine Biographie ( |
| Mario und der Zauberer ist sehr empfehlenwert! |
| Verfilmung ... |
| 1994 Regie: Klaus
Maria Brandauer; Au/D/F
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| ... und Oper |
| 2004 von Stephan
Oliver, Musikalische Leitung: Wolfgang Heinz, Inszenierung: Manfred Weiß
Premiere im Rahmen der Jungen Oper am 25. Juni 2004 im Kammertheater Stuttgart;
dazu: |
| Links |
Weitere Rezensionen von Thomas Mann: |
| Literatur |
| Gert Sautermeister: Thomas Mann: »Mario und der
Zauberer«. München: Fink, 1981. Text und Geschichte.
Modellanalysen zur deutschen Literatur. 166 Seiten Hans Rudolf Vaget: Thomas Mann - Kommentar zu sämtlichen Erzählungen. München: Winkler, 1984. 349 Seiten Helga Watson. "Mario und der Zauberer. Ein tragisches Reiseerlebnis". In: KLL, S. 6041 |
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| Thomas Mann: Mario und der
Zauberer. Ein tragisches Reiseerlebnis. Frankfurt: Fischer, 1989.
Erzähler-Bibliothek. Broschiert, 107 Seiten.19. Aufl.
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| Wilhelm Große: Tonio
Kröger / Mario und der Zauberer. Erläuterungen und Materialien.
Hollfeld: Bange, 2002. Broschiert, 119 Seiten. 3., überarb. Aufl.
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| Analysen und Reflexionen, Bd.82,
Thomas Mann 'Mario und der Zauberer' von Peter Pfützner, Broschiert - 71
Seiten - Beyer Erscheinungsdatum: März 1998 Auflage: 3., Aufl. ISBN:
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| Mario und der Zauberer. 2 CDs. von
Thomas Mann, Gert Westphal CD - Litraton Erscheinungsdatum: Dezember 1996 ISBN:
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