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Hoffmann
  E. T. A. Hoffmann: Die Elixiere des Teufels.
in vielen Ausgaben erhältlich – Autor
Der Kapuzinermönch Medardus erzählt seine abenteuerliche Lebensgeschichte. Er zieht alle Register des romantischen Gespenster- und Schauerromans (geheimnisvolle Kabinetttüren, unheimliche Verfolger, Mord, Inzest) und vermag uns heute doch keine mehr Furcht einzujagen. Trotzdem ist es eine spannende, wenn auch, je weiter man vordringt, umso verworrenere Geschichte.
Mich beeindruckte, daß man unmerklich auf verschiedene Positionen des Ich-Erzählers gezogen wird, so daß man nicht mehr weiß: hat er einen Doppelgänger, oder deren zwei; träumt er alles; ist er wahnsinnig oder kehrt er unter anderem Ich wieder.
Vererbung, Wahnsinn, Ich-Identität, das Unbewußte und Willensfreiheit sind die heute noch faszinierenden Themen.
Hoffmann "... die Sünde des Vaters kocht und gärt in seinem Blute..." Kann Medardus also nichts für seine schaurigen Taten?
Hoffmann Am Beginn des zweiten Abschnitts bekennt er: "Doch war mein Ich hundertfach zerteilt".
Hoffmann Nachdem er von den Elixieren des Teufels – die im Kloster übrigens wie Reliquien verwahrt wurden ["Da befanden sich allerlei Knochen von Heiligen, Späne aus dem Kreuze des Erlösers" und eben auch die Flasche mit dem Elixier] – gekostet, verfällt Medardus den weltlichen Verlockungen. Gut für den Leser, denn eine glatte Klostergeschichte wäre doch zu langweilig. Und E. T. A. Hoffmann kann es seinem Leser nur zumuten, weil Medardus eigentlich nichts dafür kann. "Aber ich selbst war herabgesunken zum elenden Spielwerk der bösen geheimnisvollen Macht, die mich mit unauflöslichen Banden umstrickt hielt, so daß ich, der ich frei zu sein glaubte, mich nur innerhalb des Käfigs bewegte, in den ich rettungslos gesperrt worden".
Hoffmann Nur so ist es den Christenmenschen am Anfang des 19.Jahrhunderts zuzumuten, wenn Medardus dem Satan huldigt: "Es ist kein Gott, dem ich diene, du bist mein Herr, und aus deinen Gluten strömt die Lust des Lebens".
Hoffmann Der Leser erfährt auch, wie "menschlich" die oberste Führung der katholischen Kirche ist. Medardus erfährt in Rom von den Mordplänen des Papstes. Er wird selbst von Dominikanern entführt und entgeht nur knapp einem heimtückischen Anschlag auf sein Leben.
Hoffmann Wir erfahren, daß der Mensch im Innersten zu allen Leidenschaften fähig ist und nur durch eine rigorose Unterwerfung unter die Religionsfuchtel zu überleben vermag. Wer liebt sündigt und muß Busse tun. Medardus martert sich "in einsamer Zelle selbst auf die grausamste Weise", so "daß niemand die gewöhnlichen Funktionen des Lebens bei ihm bemerkt hat". Botschaft an den Leser: Aufgabe des eigenen Willens, völlige Unterwerfung unter Prior, Äbtissin oder Papst. Nur so ist ein triebloses Leben, mit Ausschaltung aller Natürlichkeit, möglich. Auch heute glauben noch manche an diese Devise.
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E. T. A. Hoffmann

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