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Hoffmann
E. T. A. Hoffmann: Das Fräulein von Scuderi. Erzählung aus dem Zeitalter Ludwigs des Vierzehnten
In: Sämtliche poetische Werke. Zweiter Band. Augsburg: Bechtermünz, 1998. S. 628-687. – AutorLinksZitate
Im Jahre 1680 werden in Paris häufig Leute überfallen und ihres Schmuckes beraubt, den sie kurz zuvor bei Cardillac, einem begnadeten Juwelier, anfertigen ließen. Betroffen sind auch Fremdgänger, die ihren Kurtisanen wertvolle Geschenke mitbringen. Daher ist Diskretion bei der Aufklärung der Überfälle angebracht. König Ludwig XIV. fragt die 73-jährige Mademoiselle de Scudéri nach ihrer Meinung. Die poetische Dame antwortet mit dem Vers:
Un amant qui craint les voleurs n'est point digne d'amour
Ein Liebhaber, der die Diebe fürchtet, ist der Liebe nicht würdig.
Heute würde man sagen, das war nicht political correct und weckt falsche Deutungen. Das gute Fräulein wird in den Kriminalfall verwickelt.
Weiteres verrate ich nicht, da die Erzählung durchaus lesenswert ist.
Hoffmann komponiert die Handlung virtuos. Die Spannung wird hoch gehalten und es gibt überraschende Wendungen. Allerdings wurde mir am Ende der Einfluß der Scudéri nicht deutlich.
E. T. A. Hoffmann stellt das Thema des Triebmörders und wie er dazu wird (Schicksal? früheste Einflüsse?) zur Diskussion. Dem Täter geht es weder um Sex noch ums reine Geld.
Die Geschichte mehrerer Giftmörder gibt das entsetzliche Beispiel, daß Verbrechen der Art zur unwiderstehlichen Leidenschaft werden. Ohne weiteren Zweck, aus reiner Lust daran, wie der Chemiker Experimente macht zu seinem Vergnügen, haben oft Giftmörder Personen gemordet, deren Leben oder Tod ihnen völlig gleich sein konnte. (S. 633)
Ernst Theodor erzählt nicht ohne Humor.
Dabei war Regnie von garstigem Ansehen und heimtückischem Wesen, so daß er bald den Haß derer auf sich lud, deren Rächer oder Schützer zu sein er berufen wurde. Die Herzogin von Bouillon, von ihm im Verhöre gefragt, ob sie den Teufel gesehen, erwiderte: „Mich dünkt, ich sehe ihn in diesem Augenblick!" (S. 636)

Entstehung
Das Fräulein von Scuderi erschien 1818 in einem Almanach, Frankfurt am Main. Die Idee faßte Hoffmann beim Lesen einer Anekdote in Johann Christoph Wagenseil: Chronik von Nürnberg (1697). Später gliederte Hoffmann diese Erzählung in Die Serapionsbrüder, 1819, ein.
Vertonung durch Paul Hindemith zur Oper Cardillac, Uraufführung Dresden 1926.
Links
hoffmannDas Fräulein von Scuderi online bei Gutenberg
hoffmannE.T.A. Hoffmann: Das Fräulein von Scuderi (1819)
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Hoffmann   hoffmann Ernst Th. A. Hoffmann: Das Fräulein von Scuderi. München: Dtv, 1998. Broschiert, 127 Seiten Hoffmann
Wolfgang Pfister: Das Fräulein von Scuderi von Ernst Th. A. Hoffmann. Bange 2002 hoffmann
Hoffmann   hoffmannWinfried Freund: Lektüreschlüssel E. T. A. Hoffmann "Das Fräulein von Scuderi". Ditzingen: Reclam, 2003. Broschiert, 80 Seiten hoffmann
Ingeborg Scholz: Ernst Th. A. Hoffmann: "Das Fräulein von Scuderi"; "Der goldne Topf". Analysen und Reflexionen, Bd.57. Hollfeld: Beyer, 2001. Broschiert, 96 Seiten hoffmann

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