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Siegfried von Vegesack: Das Weltgericht von Pisa
Siegfried von Vegesack: Das Weltgericht von Pisa
Eine Legende von der Macht des Bösen, der Schwäche und Schuld des Menschen und der allerbarmenden Liebe des Herrn. Gütersloh: Bertelsmann, 1952. 79 Seiten – vegesack Autorseitevegesack Rezensionen allgemein
Das Weltgericht von Pisa ist eine legendenhafte Erzählung, die zuerst 1947 bei Keppler in Baden-Baden erschien; offensichtlich ein Versuch, den Aufstieg und die ungeheuer zustimmende Resonanz in Deutschland für Adolf Hitler und die Nationalsozialisten zu erklären. Zugleich aber schon ein erstaunlich frühes Beispiel dafür, wie ein Schriftsteller die Ursachen und Verursacher der Kuscherei und des Massenmordes habhaft machen will.
Siegfried von Vegesack wählte als seinen "Hitler" den historischen Tyrannen Ugolino della Gherardesca, (um 1220 – 1289 Pisa); Anhänger der ghibellinischen, dann der guelfischen Partei; errichtete ab 1285 in Pisa als »Capitano del popolo« eine Tyrannerei; wurde 1288 gestürzt, in einem Turm gefangen gesetzt, wo er mit mehreren Söhnen und Enkeln verhungerte.
Literarisch gestaltet von Dante, G. Chaucer: Canterbury Tales, Heinrich Wilhelm von Gerstenberg (1737-1823): Ugolino, Tragödie1768.
Die Schreckensherrschaft des Grafen Ugolino findet ein revolutionäres Ende. Der Schein eines gerechten Gerichts soll aufrechterhalten werden, doch das Todesurteil für den Tyrannen steht schon fest. Hinter den Kulissen wird noch verahndelt, ob Ugolino wirklich spektakulär gekreuzigt werden soll. Der heiligengleiche Fra Giovanni wird als Richter bestellt und fällt in große Gewissenszweifel. Er besucht verschiedene Leute und diese Begegnungen nimmt Vegesack zum Anlaß die Schuldfrage zu erörtern. So wird auch die Frage aufgeworfen, warum Gott nicht die verführende Schlange, sonderen deren Opfer Adam und Eva aus dem Paradies vertrieben hat (S. 23). Insbesondere geißelt der Legendenerzähler diejenigen, die nach seinem Sturz sich von aller Mitschuld reinwaschen wollen und behaupten nie etwas gewußt zu haben.
Schließlich will sich Giovanni statt des Tyrannen kreuzigen lassen. Es wird ihm versagt. Wie Vegesack aus dem einfachen frömmelnden Mönch doch noch einen zweiten Jesus macht, ist lesenswert. So konstruiert er schon bei der Zeugung Giovannis eine Vergewaltigung der Mutter Maria im Schlaf. Ob dies glaubwürdiger ist als die Story in der Bibel, sollte jeder Leser selbst entscheiden.
siegfried vegesack Das Weltgericht von Pisa. Erzählung. Baden-Baden. Keppler, 1947.
Das Weltgericht von Pisa. Eine Legende von der Macht des Bösen, der Schwäche und Schuld des Menschen und der allerbarmenden Liebe des Herrn. Gütersloh: Bertelsmann, 1952.
Zuletzt aufgelegt: Heilbronn: Salzer, 1975.

Siegfried von Vegesack: Das Weltgericht von Pisa
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© by Herbert Huber, Am Fröschlanger 15, 83512 Wasserburg, Germany, 16.2.2003