| Rosemarie Marschner: Das
Bücherzimmer München: DTV, 2004. Broschiert, 413 Seiten Autorin |
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| Marie Zweisam, uneheliches Kind auf
einem oberösterreichischen Bauernhof, wird mit vierzehn Jahren als
Dienstmädchen nach Linz geschickt. Dort bewegt sich das kluge Kind
umsichtig, selbst als ihr Vater Dr. Bellago (er kennt sie nicht) zu ihrer
Herrschaft auf Besuch kommt. Marie bleibt trotz hartem Arbeitsalltag, trotz der
schreienden Diskrepanz zwischen ihrer Leistung und dem flotten Leben der
Reichen, auf dem rechten Weg. Sie hat Heiratschancen beim Dorflehrer und beim
Linzer Bäckerssohn. Eine heimliche Verliebtheit zwischen Richard Ohnesorg
und ihr begleitet die beiden jahrelang. Doch sie heiratet den Bäcker Franz
Janus, verlebt ein paar glückliche Monate mit ihm und dann entfremden sie
sich, unterstützt von Emmi Janus der zu geschäfttüchtigen
Schwiegermutter. Dann kommen die Nazis nach Österreich und alles
verändert sich. Ja und das Bücherzimmer? Es spielt zunächst eine gewisse Rolle, als Marie bei den Horbachs angestellt ist. Später wird es durch die Stadtbibliothek ersetzt. Als Romantitel herangezogen habe ich mir vom Bücherzimmer eine gewichtigere Rolle versprochen. Der Leser erfährt nicht, was Marie liest oder gar warum.
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Rosemarie Marschner schreibt packend
und mitfühlsam (manchmal zu mitfühlsam). Es gelingen ihr
wunderbare Szenen.
Die Personen fallen meist in zwei getrennte Kategorien. Brav, anständig, schuldlos auf der Verliererseite: Marie, Mira, Susi, ... und egoistisch, geldgierig, rücksichtslos: Beate Horbach, Cäcilia Zweisam, Emmi Janus. Am Ende gibt es bei Cäcilia eine etwas unmotivierte Wendung, Frank Janus bleibt ambivalent und nebelhaft. Die Beziehungen der Gesellschaft und Gesellschaftsaufsteiger im Linz der Dreissiger Jahre des letzten Jahrhunderts (Horbach, Ohnesorg, Bellago, Janus) gelingen Rosemarie Marschner am eindruckvollsten. Als Urlaubslektüre empfehlenswert. |
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| Marie fragte sich, wo sie "Und seine Stätte kennet sie
nicht mehr" gehört hatte (S. 167). Wir verraten es ihr: Altes Testament, Psalm 103 "Ein Mensch ist in seinem Leben wie Gras, er blüht wie eine Blume auf dem Feld; wenn der Wind darüber geht, so ist sie nimmer da, und ihre Stätte kennet sie nicht mehr. " Das erinnert an den Spruch, den ihr Bruder auf das Totenbild von Mira Zweisam (Mutter von Marie) setzen ließ (und der schon auf dem gemeinsamen Totenbild ihrer Eltern gestanden hatte; S. 201-202): "So wie ein Blatt vom Baume fällt, so geht ein Mensch aus dieser Welt. Die Vöglein aber singen weiter." Theodor Storm, genaue Quelle ist mir nicht bekannt. Mehrfach wird "Das Riesenspielzeug" von Adelbert von Chamisso ( Adelbert von Chamisso: "Das Riesenspielzeug", bei |
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| Vielleicht resultiert meine
zurückhaltende Beurteilung, obwohl kaum etwas kritikwürdig scheint,
daher, daß die uneheliche Jungfer, die sich in der Stadt bewähren
muß oder der Aussenseiter vom Lande, der sich nicht zurechtfindet, schon
oft zum Roman wurde. |
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| Rosemarie Marschner * Wels (Oberösterreich), lebt seit 1973 in Düsseldorf; freie Journalistin und Schriftstellerin. |
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