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Joseph Freiherr von
Eichendorff: "Mondnacht" 10.3. 1788 Schloss Lubowitz (bei Ratibor, heute: Racibórz) – 26.11. 1857 Neisse (Nysa) Links
– Literatur
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Gedichte-Wegweiser
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Es war, als hätt' der Himmel |
| Interpretation Das volksliedhafte (sind das nicht alle vom Freiherrn? Man denke an "Wem Gott will rechte Gunst erweisen".) Gedicht überzeugt durch eindringliche Stimmung. Es hat drei vierzeilige Strophen mit a-b-a-b Reimen, wirkt schlicht und ist bei mehrmaligen Lesen doch aufregend. Die erste Strophe und die letzte Zeile sind im Konjunktiv. Das Gedicht setzt mit einem überirdischen Vergleich ("Himmelskuß") ein, um die übermenschliche Stimmung zu beschreiben. Die beiden antiken Weltbestandteile Himmel und Erde erhalten in der zweiten Strophe ihre Ergänzung in der Luft (Eichendorff hätte gut auch: "Der Wind geht über die Felder" schreiben können) und dem Feuer der Sterne. Dazu gesellt sich hinterrücks das noch fehlende Wasser: wogende Getreidefelder assozieren das Meer. Das wichtigste Wort der Strophe eins ist das einzige zusammengesetzte Hauptwort "Blütenschimmer". Die Blüten können Blumen oder auf Bäumen sein. Zusammen mit den Ähren bestimmten sie die Jahreszeit auf Mai oder Juni. Erst in der achten Zeile wird die Nacht ins Gedicht gebracht; der Mond ist explizit nur in der Überschrift "Mondnacht", doch können Blüten in der Nacht wohl nur bei Mondlicht schimmern. Spannung erzielt Eichendorff durch zahlreiche Tricks. Unreine Reime: Himmel – Schimmer; spannte – Lande. Binnenreime: geküßt – Blüten. Subjektverschiebungen: Strophe zwei hat zunächst zweimal das Subjekt am Anfang, dann zweimal am Ende der Zeile. Die zweite Strophe besteht aus vier Zeilen, die gut auch als vier Sätze stehen könnten. Mich veranlasst "Die Luft ging durch die Felder" immer wieder zum denken. Erinnert es an den Tod, der mit Sichel (Ähren) durch die Lande zieht? Sonst hätte doch Eichendorff dort den Wind durch die Felder wehen lassen können! Vielleicht wäre ein "wehen" aber zu stark. Es folgen ja drei "leise" Zeilen: sacht, leis, sternklar. Die achte Zeile "So sternklar war die Nacht" kann dreifach gelesen werden.
In der letzten Strophe tritt erstmals das Ich ein: "meine Seele". Zu Himmel und Erde gesellt sich der menschliche Geist / Seele. Sie flog (das ganze Gedicht steht in der Vergangenheit!) durch die stille Lande. Niemand widerspricht, da schon in Strophe zwei die Naturgeräusche (Wind, rauschende Ähren und Wälder) irgendwie abflauten und besänftigt wurden durch die sternklare Nacht. Ich las "Mondnacht" wieder und jetzt bin ich der Meinung, daß das "und" zu Beginn der dritten Strophe überragende Bedeutung hat. Während die vier Ausagen in der zweiten Strophe fugenlos aneinandergereiht sind (wo ein "und" nicht überrascht hätte), kommt hier unvermutet, aber völlig zwanglos das Bindewort. Es ist weniger eine Auflösung zur zweiten Strophe, denn ein Bogen zur ersten Strophe. Genau dies ist die Funktion des "und". Weil es so ist, als hätte der Himmel die Erde geküßt und sie dadurch zum Träumen zwingt, ist es der Seele möglich ... Zum Abschluß flog die Seele tatsächlich und das Ich hat den Eindruck als flöge sie nach Haus. Da erinnert an den Himmel, letztes Wort der ersten Zeile (und dort ebenfalls Konjunktiv). Wieder erinnert – inmitten wundervoller Mondnachtstimmung – Eichendorff an den Tod. Doch nicht düster, sondern gemäß seiner katholischen Grundhaltung an die Rückkehr der Seele in das zu Hause = Himmel. Wolfgang Frühwald schreibt in seiner Besprechung
des Gedichts: "Die sprachliche Bewegung führt dabei in der
ersten Strophe von oben nach unten, vom Himmel zur Erde, in der letzten
Strophe aber wechselt die Perspektive, es ist, als ob die Seele aus der
dunklen Welt auf zum Himmel flöge" (S. 397). Dabei übersieht er
Aufblick zu den Sternen in der letzten Zeile der zweiten Strophe. Erst
der Anblick der Sterne gibt den Anlaß, die Flügel auszuspannen."Mondnacht" veranlaßt noch zu weiteren Überlegungen: die Mutter Erde wird vom Himmel per Kuß zur Braut gewählt; die Seele hat Flügel und kann sich in der Natur ungehemmt bewegen; sie wird als "sie" in der dritten Person genannt (warum nicht: "als flöge ich nach Haus"?). Geniales Gedicht. Das Gedicht wurde kongenial von Robert Schumann und Johannes Brahms vertont. |
| Interpretation Kleßmann, Eckart. In: Frankfurter Anthologie Bd.9, 1985. S. 63-65 |
Gustave
Flaubert läßt in Madame Bovary Eichendorffs "Mondnacht" anklingen. Rezension |
Joyce
Carol Oates ( What
I Lived For) hat ihren Eichendorff
gelesen, siehe ihren Jugendroman: Nach
dem Unglück schwang ich mich
auf, breitete meine Flügel aus und flog davon, siehe Literatur |
| Freunde, etwas
unprofessionell: ein geniales Gedicht, es haut einen um! Besonders mit
Schumannschen Noten. Ich werde es mir gleich auflegen ...und höre es
mit Olaf Bär, Bariton, und Geoffrey Parsons, Klavier. Robert Schumann: Dichterliebe / Liederkreis op.39.1986 EMI. Derzeit (6/2002) vergriffen) |
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| Links |
Joseph von
Eichendorff |
| Literatur |
| Frühwald, Wolfgang: "Die Erneuerung des Mythos. Zu Eichendorffs Gedicht Mondnacht" in Wulf Segebrecht, Hg. Gedichte und Interpretationen. Bd. 3. Klassik und Romantik. Stuttgart 1987. S. 395-407. |
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| Joyce
C. Oates: Nach dem
Unglück schwang ich mich auf, breitete meine Flügel aus und flog
davon. München: Hanser, 2008. Broschiert, 272 Seiten.
Birgitt
Kollmann, Übs. |
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