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Feiger Gedanken
Johann Wolfgang Goethe: "Feiger Gedanken"
28.8.1749 Frankfurt am Main – 22.3.1832 Weimar; LiteraturZitate von Goethe Zuversicht in Not
Feiger Gedanken
Bängliches Schwanken,
Weibisches Zagen,
Ängstliches Klagen
Wendet kein Elend,
Macht dich nicht frei.

Allen Gewalten
Zum Trutz sich erhalten,
Nimmer sich beugen,
Kräftig sich zeigen,
Rufet die Arme
Der Götter herbei!

Aus dem Singspiel Lila, 2. Aufzug, 1777. Erstdruck: Theater-Kalender auf das Jahr 1778.
Zahlreiche Vertonungen: goetheThe Lied and Art Song Texts Page, meist unter dem Titel "Beherzigung".
Das einfache Gedicht hat es in sich, wie man schon an den vielen Vertonungen erkennt und daran, daß es gerade in Zeiten schlimmster Not Menschen Zuversicht gab (goethe Zuversicht in Not).
Die erste Strophe zählt auf, was nichts nützt: bängliches Schwanken, weibisches Zagen, ängstliches Klagen. Von dem rät der junge Goethe ab.
Die zweite Strophe bringt die Methode des Überlebens in der Elendssituation: zum Trutz sich erhalten,
nie sich beugen, sich kräftig zeigen. Wer das beherzigt, so die beiden letzten Zeilen, kann darauf rechnen, daß ihm die Götter beistehen.
Fast fünfzig Jahre später wurde dieser Gedanke zum Motto einer 1824 in Paris entstandenen Gesellschaft zur Wiederbelebung politischer Interessen: “Aide-toi et le ciel t'aidera” (Hilf dir selbst, so wird die der Himmel helfen), oft verkürzt als "Hilf dir selbst, so hilft dir Gott" widergegeben. (Richard Zoozmann, Otto A. Kielmeyer: rororo Zitatenschatz der Weltliteratur. Reinbek 1984).
Die Zuversicht erhält die zweite Strophe aus der ersten beiden Zeilen "Allen Gewalten zum Trotz". Dieser universelle Anspruch gilt für alle Gewalten, auch und gerade für politische. Leider gab Goethe dazu keinen Erfüllungszeitraum an.
Zuversicht in Not
Nico Rost (21. Juni 1896 Groningen – 1. Februar 1967 Amsterdam) waren (u.a.) diese Zeilen Goethes Überlebenshilfe in Dachau. Sein Tagebuch erschien 1946 unter Goethe in Dachau. goethe Rezension
Hans Scholl, Widerstandskämpfer der Weißen Rose, schrieb die Zeilen “Allen Gewalten zum Trutz sich erhalten” an die Wand seiner Zelle im Palais Wittelsbach, bevor er, wie seine Schwester Sophie Scholl, am 22.2.43 hingerichtet wurde. Es war die Familienlosung der Scholls.
goethe Rezension. Inge Scholl: Die Weiße RosegoetheSophie Scholl und ihr Richter Roland Freisler
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Feiger Gedanken  feiger gedankenJohann W. von Goethe: Gedichte. Kommentiert von Erich Trunz. München: C.H.Beck, 1998. Gebunden, 410 Seiten Feiger Gedanken
Nico Rost: Goethe in Dachau. Wilfried F. Schoeller, Mitarbeit. List 2000. Broschiert, 440 Seiten feiger gedanken
Feiger Gedanken   feiger gedankenInge Scholl: Die Weiße Rose. Frankfurt: Fischer, 1993. Broschiert, 204 Seiten Feiger Gedanken
Inge Scholl: Die Weiße Rose. Neue Rechtschreibung. Stuttgart: Klett, 1997. Broschiert, 79 Seiten feiger gedanken

Feiger Gedanken
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