| Wilhelm
Raabe: Zum wilden Mann Erzählung. Stuttgart: Reclam, 1977. 109 Seiten. Nachwort von Wolfgang Schlegel Links |
| Das bisher Beste, was ich von Raabe las
(Der Hungerpastor; Die schwarze Galeere). Die Inhaltsangabe erspare ich mir; man lese sie unter den Links. Die Erzählung gewinnt durch
Die Kraft der Problematik spürte ich eigentlich erst nach der Lektüre (so ähnlich ging es mir bei vielen Erzählungen aus James Joyce: Dubliners). Während des Lesens gibt Raabe kleine Hinweise auf die Durchtriebenheit des Biedermann als Brandstifters, doch bis die bei mir wirkten, war "da Kaas scho bissen" und es kommt zum bitteren Ende. "Ein kahleres Haus gab es nachher nicht am Orte. Nur der Inhalt der Büchsen und Gläser in der offizin blieb verschont; die Freunde und Bekannten aber überlegten und mutmaßten nach allen Richtungen hin und kamen zuletzt sämtlich auf die nicht ganz unwahrscheinliche Vermutung, daß ihr Freund, Herr Philipp Kristeller, in schlechten Papieren ganz heimlich spekuliert und sich verspekuliert habe.Raabe stellt dem gutmütigen, übertrieben (?) charaktervollen Philipp den ausgefuchsten Weltmann aus der neuen Welt Brasilien gegenüber. Gleichzeitig zeigt er die Verwandlung des gewissenhaften August, der den Henkerjob seiner Vorfahren nicht verwinden kann, in den unbekümmerten, skrupellosen, geldraffenden Agonista. Wie verpflichtet ist man gegenüber großzügigen Geschenken? Raabe thematisiert die im 19. Jahrhundert äusserst virulente Auswanderungsproblematik. Er zeigt, wie ein Ort und seine biederen Bewohner verblendet werden, wenn sie Ruhm wittern. Dieses Thema wie auch einige der ethischen Fragen stehen auch heute zur Debatte und machen die Novelle lesenswert. Gewinnbringende Lektüre! |
| Sekundärliteratur Thürmer, Wilfried. "Entfremdetes Behagen. Wilhelm Raabes Erzählung »Zum Wilden Mann« als Konkretion gründerzeitlichen Bewußtseins". In: Jahrbuch der Raabe-Gesellschaft, 1976, S. 151ff. |
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