| Adalbert Stifter. Bergkristall Digitale Bibliothek Sonderband: Meisterwerke deutscher Dichter und Denker, (vgl. Stifter-GW Bd. 3), 84 Seiten |
| Am Weihnachtsabend wandern zwei Kinder
über einen Gebirgspaß zu ihrer Großmutter und mit Geschenken
wieder zurück nach Gschaid. Auf dem Nachhauseweg werden sie von Schneefall
überrascht und verirren sich. Statt abwärts gehen sie aufwärts
ins Eis des Berges, der Stolz des Dorfes. Wer schon einmal in schneeiger
Abendstimmung im Wald war, kann dies ohne weiteres nachvollziehen; ich hatte
schon in milchigem Dunkel beim Joggen auf einem mir wohlbekannten Rundkurs
durch Feld und Flur Orientierungsprobleme! Die Kinder reagieren hervorragend,
überstehen in einem Felsenloch (weihnachtliche Krippe) die Nacht und
treffen am nächsten Tag auf die Suchtrupps. Erst jetzt zählen sie und
ihre, vom anderen Tal eingeheiratete Mutter richtig zum Dorf. Stifter wäre nicht Stifter, würde er die Erzählung sofort mit dem Geschehen beginnen. Er steigt ein mit einer Reflexion über das Weihnachtsfest und schwenkt dann auf die Landschaftsbeschreibung mit Schwerpunkt der beiden Täler und ihres Verbindungsweges und der Versuche, den eisigen Doppelgipfel über Gschaid, den Gars (der fast zum Sarg wird) zu besteigen. Dabei leistet er sich eine Platitüde: "Was nun noch die Besteigung des Berges betrifft, so geschieht dieselbe von dem Tale aus" (11). Wer hätte es geahnt? Man ahnt kommende Tragödien. Obwohl die Umgebung und der Ausgang der Geschichte völlig anders, wurde ich beim Lesen von "Bergkristall" an Die Gefährlichkeit und der Schönheit des Schnees wird in |
| Sekundärliteratur (Auswahl) Steinfeld, Thomas: "Kinder der Nacht. Das Reformdrama hat ein Vorbild: Adalbert Stifters Bergkristall. SZ 16.12.2003. Steinfeld zieht aufhellende Parallelen zwischen einer aktuellen politischen Diskussion und Adalbert Stifters Bergkristall. |