| Adalbert Stifter. Der Hochwald Digitale Bibliothek Sonderband: Meisterwerke deutscher Dichter und Denker, 154 Seiten |
| Im Nachsommer (! vergleiche Stifters
Hauptwerk) werden Johanna und Clarissa von ihrem Vater in eine geräumiges
Holzhaus am Zaubersee unterhalb des Blockensteins gebracht. Er will sie vor den
zu erwartenden Kriegswirren sichern. Stifter erörtert überzeugend,
warum dann überhaupt er und sein Sohn in die Burg zurückkehren. Doch
bis sie im Fluchtort sind, bietet Stifter seine ganze erzählerische Kraft
auf um den Wald und seine Tiere und Pfalnzen zu beschreiben. Oft meinte ich,
jetzt müssen ihm die Worte ausgehen. Doch: neuer Absatz und Adalbert
ergänzt und steigert seine Schilderungen noch einmal. Dort am zaubersee
wird dann zur Steigerung und aller Kriegsgefahr trotzend in einer schönen
Vollmondnacht die Harfe geschlagen (3. Kapitel). Hier ein Beispiel für
sein Lob der Natur und die Verbindung zum Menschen: "... denn es liegt ein
Anstand, ich möchte sagen ein Ausdruck von Tugend in dem von
Menschenhänden noch nicht berührten Antlitze der Natur, dem sich die
Seele beugen muß, als etwas Keuschem und Göttlichem, und doch
ist es zuletzt wieder die Seele allein, die all ihre innere Große hinaus
in das Gleichnis der Natur legt" (S. 45). Ist Adalbert Stifters Erzählung Hochwald "nur" ein Hoch auf den Wald? Nein, den die eigentliche Handlung wird bestimmt vom Dreissigjährigen Krieg und den Verflechtungen zwischen den handelnden Personen. Stifter setzt bewußt den Wald als symbiotisches System gegen einen Welt, in der es die Menschen nicht schaffen Vergleichbares und es sei nur die Verbindung zwischen der Böhmin Clarissa und dem Schweden Ronald zuwege zu bringen. Auch wenn friedlich gestimmte Menschen den Kriegswirren in eine utopisch anmutende Welt am Zaubersee entfliehen, entkommen sie nicht persönlicher Ungemach, Trauer und Leid. Ironie der Erzählung: indem Ronald den Frieden will, wird er zur Ursache der völligen Vernichtung. |
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| Adalbert Stifter. Hochwald. Erzählung. Nachwort von Emil Merker. Ditzingen, Reclam |