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Sciascia
Leonardo Sciascia: Der Tag der Eule
[Il giorno della civetta]. München: dtv, 1988. 2. Aufl. Broschiert , 141 Seiten. Arianna Giachi, Übs.
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Im kleinen Ort S. auf Sizilien wird ein Mann als er den Morgenbus besteigen will, erschossen. "Der Pastetenverkäufer, der drei Meter von dem Gestürzten entfernt stand, zog sich im Krebsgang Richtung Kirchentür zurück" (S. 5) und die Fahrgäste verziehen sich unauffällig. Für die Polizei bleibt kein Zeuge. Der Wachtmeister kriegt den Pastetenverkäufer doch zu fassen und fragt:
"Wer hat geschossen?" "Wieso?" fragte der Pastetenmann erstaunt und neugierig. "Ist denn geschossen worden?" (S. 10)
Dagegen werden für den Kommissar Bellodi (kommt vom Festland; zu höflich) falsche Spuren gelegt. Er mißachtet die Hinweise auf eine Tat im Zorn oder aus Leidenschaft und vermutet die Mafia dahinter. Das passt den Politikern nicht und damit auch nicht Bellodis Vorgesetzten. Doch geschickt macht Bellodi weiter, die Eigenarten der mafiosen Sizilianer ausnutzend. ...
Sciascia vermischt die Handlungsabschnitte mit historischen Hinweisen (der Roman spielt in den 50-ern des letzen Jahrhunderts; Erstausgabe 1961). Die Erzählungen der Zeugen sind widersprüchlich und kaum der Wahrheit entsprechend. Eine humoristische Note erhält der Roman durch die schliche Leugnung der Agierenden, daß es die Mafia überhaupt gibt.
"Und im übrigen: was ist eigentlich die Mafia? ... Auch sie nur Gerede. Daß sie existiert, behauptet jedermann, wo sie existiert, weiß niemand ... Gerede, Gerede, das umgeht und – lassen Sie mich das aussprechen – bei den Schwchköpfen Widerhall findet." (S. 68-69)
Am Ende kehrt Bellodi nach Hause in Parma zurück. Er erkennt die Macht der Mafia, die er kaum angekratzt hat.
Aber ehe er zu Hause ankam, wusste er ganz deutlich, dass er Sizilien liebte und dass er dorthin zurückkehren würde.
"Ich werde mir den Kopf daran einrennen", sagte er laut." (S. 139)
Der Roman zeigt die Mafiaeinflüsse deutlich und ohne Pathos. Der Romantitel Der Tag der Eule [Il giorno della civetta] wurde mir nicht recht klar, zumal die Eule für Weisheit steht und in der Nacht sehr gut sieht (dies gilt auch für die Übersetzung civetta: Kauz). Ergänzung: sciascia Romantitel
Über die Eule siehe Eulenmanie unter Sciascia Links. So wurde dieser frühe Roman über die sizilianischen Verhältnisse zur Vorlage (besser: Hintergrundfolie) für viele Autoren nach ihm und zuletzt für Schutzengel [Il giorno del lupo; Bologna 1994] von Carlo Lucarelli; sciascia Rezension.
Erläuterungen
Die Eule gehört bei vielen Völkern dem Reich der Finsternis und des Todes an; in Indien ist es der Totenvogel.  
Zweifelhafte Politiker zitieren im Roman Horaz mit "Ima summis mutare" (S. 34).
"... Valet ima summis
Mutare et insignem attenuat deus
Obscura promens" Oden I, 34, 12-14
Hans Färber übersetzt: "Ja, Hohes vermag in Niedres / Der Gott zu wandeln, Glänzende stürzt er, zieht / Vor, was in Nacht lag", Horaz: Sämtliche Werke. München 1964. sciascia Zitate von Horaz
Der Gevatter Turiddu (S. 37) stammt aus der Oper "Cavalleria Rusticana" von Pietro Mascagni. Der letzte Satz dieser Oper lautet: "Hanno ammazzato compare Turiddu!"
Vittorio Emanuele Orlando (S. 69)
19.5.1860 Palermo –1952, ialienischer Premierminister 1917-1919; wurde 1948 zum Ehrensenator auf Lebenszeit ernannt; sagte 1925 in einer Rede: "... wenn man diese Gefühle und Einstellungen (»das sizilianische Ehrgefühl«) „Mafia“ nennt, dann erkläre ich, dass ich ein Mafioso bin, und ich bin stolz darauf."
Gaius Suetonius Tranquillus Sueton (S. 72)
"Ac ne principum quidem virorum insectatione abstinuit"
De Grammaticis, sciascia Zitate von Gaius Suetonius Tranquillus Sueton
"Früher hantierte die sizilianische Mafia mit Dynamit, heute regelt sie ihre kriminellen Geschäfte online. Die Cosa Nostra bekämpft den Staat nicht mehr, sondern geht in ihm auf ."
Walter de Gregorio, Die Zeit, siehe sciascia Links
Weitere Sciascia Ergänzungen von Michael Kraus
Romantitel Der Tag der Eule [Il giorno della civetta]
Weder der Originaltitel noch der deutsche Titel waren mir klar, da sowohl Eule als auch civetta = Kauz für Weisheit stehen. Freundlicherweise wies mich ein italienischer Web-Nutzer auf das Motto des Romans hin: "come la civetta quando di giorno compare" (dieses fehlt in meiner DTV-Ausgabe).
Es stammt aus William Shakespeare: Henry VI, III. 5.4
[Somerset]:
And he that will not fight for such a hope,
Go home to bed, and like the owl by day,
If he arise, be mocked and wondered at.
"Und wer für solche Hoffnung nicht will fechten, geh' heim ins Bett, um dann beim Aufstehn, wie die Eule bei Tag, verhöhnt und angestaunt zu werden."
Leonardo Sciascia sciascia
© Ferdinando Scianna
Paul Zsolnay Verlag; mit freundlicher Genehmigung
8.1.1921 Racalmuto, Sizilien – 20.11.1989 Palermo.
Sciascia kam 1975 als Unabhängiger auf der Liste der (ehemaligen) Kommunistischen Partei Italiens in den Stadtrat von Palermo
1979 – 1983 unabhängiger Abgeordneter im Italienischen und Europäischen Parlament des Partito Radicale von Marco Panella
Hörspielbearbeitung
und Regie: Anita Ferraris; Produktion: WDR 2002
Der Krimi Der Tag der Eule steht auf der
Sciascia Ultimativen Liste der besten Krimis aller Zeiten.
Links
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Sciascia SciasciaLeonardo Sciascia: Der Tag der Eule. Berlin: Aufbau. Arianna Giachi, Übs. Taschenbuch, 132 Seiten Sciascia
Leonardo Sciascia: Der Tag der Eule. München: Süddeutsche Zeitung, 2006. Arianna Giachi, Übs. Gebunden Sciascia
Erstausgaben:
Il giorno della civetta, 1961
Der Tag der Eule. Olten, Freiburg i.Br.: Walter, 1964. Arianna Giachi, Übs.
Meine Ausgabe:
Der Tag der Eule. München: dtv, 1988. Arianna Giachi, Übs. 2. Aufl. 141 Seiten (vergriffen)
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© by Herbert Huber, Am Fröschlanger 15, 83512 Wasserburg, Germany, 26.8.2005