| Mikael
Niemi: Populärmusik aus Vittula btb 2007. Taschenbuch, 304 Seiten [Populärmusik fran Vittula] Christel Hildebrandt, Übs. – |
| Die Jugend im hintersten Schweden entdeckt Ende der 60-er Jahre den Rock 'n Roll, um mehr als ein Jahrzehnt verzögert. Damit ist fast alles gesagt zu Populärmusik aus Vittula. Aber ihr wollt es genauer wissen, einverstanden. |
| Die Leser begleiten Matti aus Tornedal, dort wo
Schweden an Finnland grenzt, und seinen Freund Niila durch Kindheit und
Jugend. Die Protagonisten entdecken andere Jugendliche (die es zu bekämpfen gilt),
das andere Geschlecht (das es zu erobern gilt), die Rock 'n Roll Musik
(die man selbst praktizieren will) und dass man vor allem nie »knapsu«
wirken darf: verweiblicht. Matti, der Ich-Erzähler bringt es so auf den Punkt: "Wir hatten keine Achterbahnen, keine Verkehrsampeln, kein Schloss und keinen Herrensitz. Wir hatten nur unendlich viele Mücken, tornedal-finnische Flüche und Kommunisten" (S. 59). Die Charaktere des Romans sind eigenartig im wörtlichen Sinne. Sie haben ihre Eigenarten, oft dem harten Leben in der Einsamkeit geschuldet. Dabei sind sie, wenn auch oft brutal, doch nicht verbissen ernst. Im Dorf gibt es eine Laestadianer Gemeinde. Es sind Lutheraner mit strengen moralischen Maßstäben ( |
| Zur
eigenen Form läuft der Autor auf, wenn er die Feste
der Dorfgemeinschaft ausführlich erzählt. Oder wenn er Mattis
"Aufklärung" durch den Vater ausbreitet. Da saugt man tatsächlich Seite
um Seite jede der Zeilen genüsslich ein (S. 218–226). Dem meisten war
Matti schon voraus, trotzdem gesteht er am Ende zu: "Und ich war kein
Junge mehr" (S. 226). |
| In den ersten Kapiteln flicht der Autor Traumsequenzen oder surreale Szenen ein. Der Roman startet mit einer originellen Szene auf dem Thorong-La-Pass in Nepal. Dort wird die Niederschrift begonnen. Zusammen mit den folgenden abgefahrenen Szenen witterte ich den Autor auf Drogenfahrt (60er, Nepal). Doch da kam kaum etwas außer ein paar Pilzen. |
| Ähnlich wie die Jugendlichen in Tornedal hinkt Niemi mit seinem Roman Jahrzehnte hinterher. All dies haben wir schon gelesen, oft besser, sogar witziger. Manche lesen aber auch den x. Aufguss noch mit Vergnügen und geraten in einen Lobestaumel. Es sei ihnen zugestanden. Immerhin ist Populärmusik aus Vittula nicht nur Wiederholung, sondern hat durchaus eigene Qualitäten. Man kann es mit Vergnügen lesen. |
| Genannte Popsongs |
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| Vergleichsliteratur |
| Nick Hornby: High Fidelity (Jugend, vernarrt in Popmusik) |
| Frank McCourt: Die Asche meiner Mutter [ |
| J.
D. Salinger: Der Fänger im Roggen [ |
| Links |
| Literatur |
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| Mikael
Niemi: Populärmusik aus Vittula. btb 2008.
Gebunden, 384 Seiten |
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