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Paasilinna
Arto Paasilinna: Das Jahr des Hasen
[Jäniksen vuosi,1975; deutsch 1999] Bastei Lübbe 2010. Taschenbuch, 240 Seiten. Regine Pirschel, Übs.
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Wieder mal ein Roman, der über den Schellenkönig gelobt wird und sich als Reinfall entpuppte.
Dabei ist der Einstieg gut.
Auf der Heimfahrt nach Helsinki wird ein Hase angefahren. Der Redakteur Vatanen steigt aus, läuft dem Hasen nach und wird vom Fahrer in Stich gelassen.
Da läßt auch Vatanen die ungeliebte Ehefrau und den Job fahren und begibt sich auf eine Irrfahrt (manche schreiben dazu in Kommentaren: Odyssee, aber das scheint mir viel zu hoch gegriffen. Odysseus hat immer ein Ziel) durch Finnland. Der Hase wächst ihm ans Herz und ist ständig dabei. Das führt schon mal zu skurrilen Situationen. Unterwegs trifft er zudem skurrile Personen und erlebt als Taugenichts allerhand.
Es ergibt sich aber weder ein Zusammenhang, noch ein Anspruch, von Tiefgang nicht zu reden. Alles bleibt belanglos. Es reiht sich eine Situation an die andere, psychologisch nichts geboten.
Den vermuteten Humor erkannte ich nur ansatzweise, so wenn der umherirrende Vatanen sich meldet, als Männer mit Orientierungsinn gesucht werden: „er könne sich mit einem Eimer über dem Kopf in jeder Einöde zurechtfinden“ (S. 69).
• Vielleicht liegt der Witz hier aber darin, dass in der Einöde sich jeder zurechtfindet: jede Richtung ist die richtige.
• Vielleicht lachen auch welche, wenn der Hase in die Suppe kackt und die Dame seelenruhig weiter ißt.
• Oder wenn der Pastor die „Hasenkötel“ in seiner Kirche aufsammelt und in die Kanzel wirft (S. 100).
Der einfache Stil gefällt anfangs, aber stellt dem Leser so gar keine Probleme, außer kleineren Übersetzungsschwächen: aus einem Bündel von Scheinen zählt Vatanen 500 ab (Mark, nicht Scheine; S. 189) Der folgende Schmarrnsatz geht aber wohl aufs Konto des Autors selbst: „Vatanen sah sofort, daß auch ihre Figur perfekt war, vielleicht das Beste von allem“ (S. 199). Was perfekt ist, ist immer das Beste oder nicht perfekt.
Das Kapitel über den Raben (S. 124-133) ist obendrein pure Tierquälerei, die man einem Hasenfreund kaum zutraut. Aber über seinen Charakter erfahren die Leser kaum etwas, so dass alles möglich ist. Der letzte, märchenhafte Absatz reißt den schlechten Eindruck nicht heraus.
Im Wikipedia-Eintrag heißt es zum Autor: "Sein bisher erfolgreichstes Buch ist Jäniksen vuosi (Das Jahr des Hasen)". Das zeigt: der Erfolg eines Buchs sagt wenig über die Qualität, vielleicht verhalten sich die beiden Größen sogar reziprok zueinander.
Leute, lest lieber den Taugenichts vom Eichendorff!
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© by Herbert Huber, Am Fröschlanger 15, 83512 Wasserburg, Germany, 27.5.2011