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Eldjárn
Thórarinn Eldjárn: Im Blauturm
Saarbrücken: Conte, 2012. Coletta Bürling, Übs. Broschiert, 245 Seiten – Thórarinn LinksThórarinn Literatur
Im Blauturm zu Kopenhagen zeichnet der Gefangene Gudmundur Andrésson seine Erinnerungen auf. Am 22. Juni 1649 war er zwangsweise von Island nach Kopenhagen verschifft worden, als Gefangener von König Fredrik III. von Dänemark und Norwegen.
Gudmundur wurde 1614 auf Island geboren und als gelehriges Kind von niedriger Herkunft von Arngrimur Jónsson, dem Gelehrten, (auch er – wie Andrésson – eine historische Figur) gefördert. Er erweist sich als ausgezeichneter Schüler. Das ruft nicht nur den Neid seiner Mitschüler hervor, sondern auch die Missgunst der meist hoch gestellten Eltern.
Gudmundur arbeitet den Neidern entgegen, da er sich gegen Joch und ungerechte Obrigkeit als unduldsam erweist. Er hat ein aufbrausendes Wesen, ein loses Mundwerk und eine lockere Feder. Immer wieder schreibt er Spottgedichte und verbreitet sie. Sein „Hauptverbrechen” ist allerdings sein „Discursus oppositivus”, mit dem er sich gegen das historisch verbürgte  Grosse Edikt von 1654 (Stóridómur) auflehnt. Das Edikt verhängte hohe Strafen für  eheliche Untreue und uneheliche Schwangerschaften und war wohl ein Folge der Annahme des Protestantismus in Island. Gudmundur ist dem Papsttum abhold, ebenso hält er nichts von Hexerei und Zauberei, auch wenn er sie manchmal geschickt für sich nutzt.  Unter ungebildeten Menschen genügte es etwas Lateinisches aufzusagen und schon glaubten diese, es sei eine Beschwörungsformel (S. 162).
Der Gefangene kann in seinem Gewand nur den „Goldenen Esel” von Apuleis mit ins Gefängnis retten, ein Werk, das ursprünglich unter dem Ttel „Metamorphosen” heraus kam. Wie Hiob wartet Gudmundur monatelang im Turm auf seinen Prozess. Schließlich wird er – ähnlich wie Galileo Galilei  – zum Schuldeingeständnis und Widerruf aufgefordert (S. 226). Er wird freigelassen, aber wieder ähnlich wie Galilei bleibt er von Island verbannt.
In seinen farbigen Erinnerungen beschreibt Gudmundur die Vetternwirtschaft und das Kastendenken im Island des 17. Jhdts., die schlimmen Folgen der Reformation, den Aberglauben und Glauben und die Ungerechtigkeit. Die Bezüge zur Gegenwart liegen auf der Hand: Zivilcourage ist verpönt, der Ruf vermeintlich abnormales Verhalten und Gotteslästerung unter Strafe zu stellen ertönt wieder verstärkt. Nur ganz leise stellt sich allerdings auch die Frage, ob Gudmundur nicht manchmal mit weniger Aufmüpfigkeit mehr erreicht hätte.
Jahresmässig passt nicht ganz, dass Andrésson gegen das Edikt von 1654 anschreibt, u.a. deshalb gefangen genommen wird und in der Gefangenschaft im Blauturm 1649 seine Erinnerungen niederschreibt.
Sprache und Stil entsprechen dem Inhalt und der Zeit hervorragend. So entsteht vor dem Leser ein reichhaltiges Sittengemälde aus dem Island des 17. Jhdts., das aber in vielen Belangen auf unsere Zeit übertragbar ist.
Links
EldjárnApuleius
EldjárnFriedrich III. (Dänemark und Norwegen)
EldjárnIm Blauturm, Iceland Review, 23.10.2012
EldjárnArngrímur Jónsson der Gelehrte
EldjárnStóridómur
Eldjárn Thorarinn Eldjarn: Die glücklichste Nation unter der Sonne: Geschichten aus Island
Eldjárn Galileo Galilei
Eldjárn Zivilcourage
Literatur
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© by Herbert Huber, Am Fröschlanger 15, 83512 Wasserburg, Germany, 28.12.2012