| Iwan A. Gontscharow: Oblomow [Oblomov] München: Winkler, 1976. Josef Hahn, Übs. und Nachwort. Gebunden, 668 Seiten |
| Der Gutsbesitzer Ilja Iljitsch Oblomow
verbringt seinen Tag im Bett oder Diwan. Seine weichen Pantoffeln sind so gut
positioniert, dass er vom Bett die Füße hineingleiten lassen kann.
Sein Gut hat er seit den Kindertagen nicht mehr gesehen seit zwölf
Jahren lebt er schon in Petersburg , kein Wunder, dass es von den
Verwaltern heruntergewirtschaftet wird und Oblomow jährlich weniger Ertrag
erhält. Trotz seiner Trägheit und seinem Desinteresse behält Oblomow einen klaren Kopf. Im Bett empfängt er die Besuche und liest die Briefe. Sein Diener Sachar ist ihm ergeben, nutzt aber die Nachlässigkeit seines Herrn aus. Der Autor zeigt uns Oblomow in einer kritischen Situation: der Gutsverwalter kürzt den jährlichen Ertrag, sein Vermieter will ihn zum Umzug bewegen, ... Doch Oblomow bleibt sich treu: "Zwei Stunden noch bis zum Mittagessen, was kann man in zwei Stunden schon tun? Nichts" (S. 123). Oblomows Freund Andrej Karlowitsch Stolz, ein Deutscher, wird schon bal erwähnt, tritt aber erst spät auf. Er will Oblomow aus dessen Lethargie reissen. Doch es gelingt ihm nicht. Als er ihn mit Olga bekannt macht passiert es: die zwei verlieben sich und Gontscharow erzählt ihre allmähliche Annäherung meisterhaft (S. 251-281). Das gipfelt in glänzenden Augen bei Oblomow und Händchen halten (S. 268). Für heutige Leser mutet es daher sarkastisch an, wenn Stolz nicht voraus sah, "welch ein Feuerwerk er entfachte" (S. 296-297). Noch viele Kapitel später macht sich Oblomow Vorwürfe: "Ich habe sie zu küssen versucht, dachte er entsetzt. Das ist doch ein Kapitalverbrechen nach dem Sittenkodex, ..." (S. 365). So im 19. Jahrhundert in Rußland. Wie nach diesem Höhepunkt in Oblomows Leben er die Liebe versiebt und wieder in die Faulheit zurückfällt ist lesenswert. |
| Stil |
| Gontscharows Erzählweise passt
sich immer an. Kurze, prägnante Schilderungen wechseln sich mit
längeren, ausführlichen Darstellungen ab. Den Handelsbürger
Stolz beschreibt der Autor so: "Für Träumereien, Rätselhaftes
und Geheimnisvolles war kein Platz in seiner Seele" (S. 216). Das geht dann
über etliche Absätze. Stolz "spürte auch im höchsten
Entzücken noch die Erde unter seinen Füßen ..." (S. 217). Im
Gegensatz zu Oblomow ist Stolz also ein Mann mit Bodenhaftung. Der leise Vorwurf, im Oblomow passiere nicht viel, ist verfehlt. Wie Oblomow von scheinbaren Freunden betrogen wird ist geradezu klassisch und lässt den Leser für Oblomow fiebern. Trotzdem (klingt jetzt wie ein Widerspruch; man müßte es länger ausführen) ist der Roman gelegentlich langatmig. |
| Wirkung |
| "Die Wirkung, die das Buch bei seinem
Erscheinen (18959) gehabt hat, ist heute kaum noch vorstellbar. Ganz
Rußland las und diskutierte es. Hatte der Autor seinem Lande einen
Spiegel vorgehalten?" (Hans J. Fröhlich, S. 260, siehe
Geschichtlich ist anzumerken, dass in 1859 ein weiteres Werk erschien, dass nachhaltig diskutiert wurde: Charles Darwin: Die Entstehung der Arten ( Das Wort "Oblomowerei" wird zwar im Roman schon erwähnt (S. 654) wurde aber erst nach dem Essay des Kritikers Nikolaj A. Dobroljubow: "Was ist Oblomowerei?" (ebenfalls bereits 1859 erschienen) zum feststehenden Begriff im Russischen, wie auch im Deutschen. |
| Links |
| Oblomow |
| Oblomowerei |
| nach dem Titelhelden Oblomow des Romans von Iwan A. Gontscharow |
| Iwan Alexandrowitsch Gontscharow |
| Vergleichsliteratur |
| Literatur |
| Milton Ehre: Oblomov and his
Creator. The Life and Art of Ivan Goncharov. Princeton, N.J.: Princeton UP,
1974. 375 Seiten Hans J. Fröhlich: "Iwan A. Gontscharow: Oblomow". In: Fritz J. Raddatz, Hg.: Die ZEIT-Bibliothek der 100 Bücher. Frankfurt 1980. S. 260-265 Christop Koch: "Oblomov" in Kindlers Literaturlexikon, S. 6880-81 |
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| Iwan Gontscharow: Oblomow.
Hörspiel. Der Audio Verlag, 2003. 2 CDs 160 Minuten |
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