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Hermann Hesse
Hermann Hesse: Eine Bibliothek der Weltliteratur
Mit den Aufsätzen "Magie des Buches" und "Lieblingslektüre". Zürich: Classen, 1946. 95 Seiten – kanon Zitate
Eine Bibliothek der Weltliteratur ist Hermann Hesses Beitrag zum Literaturkanon. Das schmale Büchlein erschien zuerst 1929 als Reclam-UB Nr. 7003. Das mir vorliegende Buch ist ergänzt mit den beiden Aufsätzen "Magie des Buches" und "Lieblingslektüre".
Einen eigenen Literaturkanon (vergleiche: kanon Hitlisten, Top 100, Books of the Century und kanon Literaturhinweise zum Literaturkanon) aufzustellen ist weder einfach noch ohne Risiko. Jeder hat daran was auszusetzen. Doch für Hesse ist die geistige Fitness mindestens so wichtig wie die körperliche und er sah sie (1929 !) gefährdet.
Zunächst ist Hesses Liste recht bieder und konventionell. Alle großen Werke von Homer bis Stifter sind versammelt; klugerweise hört er Ende des 19. Jahrhunderts auf, denn es sei zu früh, darüber ein Urteil zu fällen. Trotzdem hat er schon ein paar Schwerpunkte. So fällt auf, daß er die asiatischen Mythen und Werke mit einbezieht. Von Kleist und Jean Paul steckt er gleich alles in seine Liste (und viele werden ihm heute beipflichten). Mir persönlich kommt die US-amerikanische Literatur (Bibliothek der WeltliteraturAmerikanistik Leseliste) mit Poe und Whitman zu knapp weg; zumindest Herman Melville (weltliteratur Herman Melville) hätte er mit Moby Dick und Bartleby aufnehmen müssen). Dem Bücherkäufer bricht Hesse mit einem kurzen Exkurs zum Büchersammeln eine Lanze. Sympathisch wirkt, daß sich Hesse bewußt ist und es betont: andere Generationen urteilen anders und dies berechtigt.
Hesse merkt, daß seine Liste zuwenig persönlich ist (S. 50), sie ist zu ideal. Deshalb erzählt er von der Bibliothek seines Großvaters, die er in "ersten Jugendjahren" (S. 53) entdecken durfte. Vor allem schwärmt er jetzt für die deutsche Literatur des 18. Jahrhunderts. Als weitere persönliche Note hebt Hesse dann noch die indische und chinesische Literatur hervor.
Bemerkenswert ist Hesse Voraussicht: "Eine künftige Ausrottung des Buches brauchen wir dennoch keineswegs zu befürchten, im Gegenteil: je mehr mit der Zeit gewissen Unterhaltungs- und gewisse volkstümliche Belehrungsbedürfnisse durch andere Erfindungen werden befriedigt werden können, desto mehr wird das Buch an Würde und Autorität zurückgewinnen" (S.72-73).
Insgesamt gefällt mir Hesses Aufsatz, da er so richtig die Liebe zur Literatur bestätigt. Die beiden Aufsätze "Magie des Buches" und "Lieblingslektüre" sind dann nur noch Bekräftigung und Wiederholung. Allerdings überschätzt Hesse sein Lesepensum: "Ich habe manches Zehntausend Bücher gelesen" ("Lieblingslektüre", S.89). Kennt man Arno Schmidts Überlegungen (Weltliteratur Arno Schmidts Leseberechnung), so weiß man daß es nicht recht viel mehr als 5000 sein können.
Der Literaturfreund wird Hesses Aufsätze mit Vergnügen lesen, der Orientierung Suchende kann damit seine Grundausrüstung aufstellen.
Links
Hermann HesseHermann Hesse:  Eine Bibliothek der Weltliteratur  (1929)
Hermann HesseEine Bibliothek der Weltliteratur - hhesse.de
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Hermann Hesse Hermann HesseHermann Hesse. Eine Bibliothek der Weltliteratur. Ditzingen: Reclam, [1953]. Broschiert
Hermann Hesse. Eine Bibliothek der Weltliteratur. Mit den Aufsätzen "Magie des Buches" und "Lieblingslektüre". Zürich: Classen, 1946. Vergriffen

Hermann Hesse
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