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Josten
Gerhard Josten: Aljechins Gambit
Rodenbach: Ladwig, 2011. Gebunden, 153 Seiten – Gerhard LinksGerhard Literatur
Der Tod mancher geschichtlichen Gestalten erregt die Nachkommen. Seien es König Ludwig II., René Descartes, Wolfgang Amadeus Mozart oder eben Aljechin.
Der Erstickungstod des vierten Schachweltmeisters Alexander Aljechin erscheint ja auch zu profan für so einen Exzentriker.
Oberkommissar José Martinho geht es ebenso, als er ins Hotel gerufen wird. Dort logiert der amtierende Schachweltmeister unerkannt und wird im Hotelzimmer tot aufgefunden. So wird es jedenfalls der Polizei erzählt. Einiges an den Todesumständen Aljechins am 24. März 1946 in Estoril, Portugal, erscheint Kommissar Martinho merkwürdig und er forscht weiter.
Geschickt wird der Faden zu Catarina Hernández in Lissabon geknüpft, die für den schachunkundigen Martinho im Umfeld Aljechins nachforscht. Ganz unauffällig können durch die Dialoge der beiden Schlaglichter auf die kauzigen Schachgrößen geworfen werden: Paul Morphy, Wilhelm Steinitz und besonders natürlich auf den Toten. Das führt José zur Frage (Schachspieler haben sie bis zum Überdruss gehört): „Ist das Irrewerden vielleicht sogar typisch für Schachspieler?“ (S. 57) Ich meine, es ist eher umgekehrt: Nur wer irgendwo zumindest etwas irre ist, wendet sich so bedingungslos dem Schach zu, wie die Größten dieses Sports. Dabei wird mit den zwei Bedeutungen von „irre“ jongliert: als Krankheit und als außergewöhnlich sein. Den besten Rat dazu weiß  Catarina: Man darf nicht zu einseitig werden (S. 58).
Breiten Raum gibt der Autor auch Aljechins Anbiederung mit den Nazis. Meine Kenntnisse dazu liegen zu weit zurück um die Rehabilitierung, die der Autor auftischt, beurteilen zu können. Ich meine, dass viele Sportler (im Schach beispielsweise auch Paul Keres) und Künstler (Wilhelm Furtwängler, Herbert von Karajan u.v.a) die Politik ignorierten oder sich ihrer bedienten, wenn sie nur ihr Talent verwerten konnten.
Bis sich Aljechins Gambit (jetzt wörtlich verstanden, nicht auf den Buchtitel bezogen) herauskristallisiert müssen Martinho und sein Adlatus Luis Henrigues viel lernen und herausfinden, der Leser muss zuweilen langatmige Gespräche verfolgen. Dann wartet der Fall noch mit einer Riesenüberraschung auf, die recht glaubwürdig dargeboten wird.
Wer sich nur etwas für Schach und seine Meister interessiert findet in Aljechins Gambit einen lesenswerten Krimi. Schachkenntnisse sind nicht erforderlich.
1956 wurde Aljechins Überreste nach Paris überführt und ruhen nun im Friedhof Montparnasse. Die FIDE errichtete dem Weltmeister dort einen Ehrengrabstein.
Zu den Mutmassungen über den Tod René Descartes, siehe Gerhard Literatur.
Links
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Zum Tode René Descartes:
Ebert JostenTheodor Ebert: Der rätselhafte Tod des René Descartes. Aschaffenburg: Alibri, 2009. Broschiert, 235 Seiten Pies
Eike Pies: Der Mordfall Descartes. Solingen: Brockhaus, 1996. Josten
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