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Rudolph
Dieter Paul Rudolph: Der Bote. Ein Science-Fiction-Krimi aus der guten alten Zeit
Saarbrücken: Conte, 2012. Broschiert, 169 Seiten – Dieter Paul LinksDieter Paul Literatur
Aufmachung (Herr in alter Kleidung mit Zylinder, daneben ein Notebook) und der Untertitel "Ein Science-Fiction-Krimi aus der guten alten Zeit" sind ansprechend, vielversprechend und Neugier weckend.
Der erste Abschnitt läßt den Leser zunächst ratlos, dann entwirft der Autor eine düstere Dystopie im Jahre 2168 mit den beiden Einleitungssätzen:
„Am frühen Nachmittag des 20. August 2168 hielt Extrapost vor der Station des Weilers Bannkies. Ich, einziger Fahrgast, stieg aus.“ Da klingt an: „Es war spätabends, als K. ankam. Das Dorf lag in tiefem Schnee“ (Franz Kafka: Das Schloß)
Der Ich-Erzähler. ein Kriminalrichter aus der Stadt, soll den Tod eines Unbekannten im Weiler Bannkies aufklären. Dazu geht er zunächst erwartungsgemäß vor.
Doch einige Abschnitte und Szenen stören den "normalen" Ablauf: Da ist Lene, die Tochter des Postmeisters; und da ist der Läufer, der ständig die Wasserleitung kontrolliert. Wasser ist im Lande knapp, wenn auch in Bannkies vorhanden; es ist aber trotzdem rationiert.
Der erwartete Mitarbeiter für den Kriminalrichter kommt nie an: er verstarb (vergleiche nicht nur dazu: Friedrich Dürrenmatt: Der Richter und sein Henker). Dafür kommt mit Södermann ein weiterer übergeordneter Kriminalrichter.
Das zurückgeworfene Land und Dorf läßt den Untertitel "Ein Science-Fiction-Krimi aus der guten alten Zeit" wahr werden. Jemand versendet aus dem Keller E-Mails und der Ich-Erzähler greift ein. Wieder wird man ein grosses Werk der Weltliteratur erinnert: Graham Greene: Unser Mann in Havanna. Doch dann wird das Geschehen immer unglaubwürdiger.
Der Ich-Erzähler arbeitet sich selbst in die für ihn weit zurückliegende Vergangenheit der PCs, E-Mails, Abhörmikrophone und Kameras ein. Erzählte Märchen und Handlungsverlauf vermischen sich. Ich blickte nicht mehr durch. 
Stilistisch hat der Autor (gegenüber das von mir gelesene: Arme Leute) mächtig aufgeholt. Die Sätze kommen knapp, abgehackt, manchmal nur ein Wort. Die Stimmung in dem in die Vergangenheit zurückgeworfenen Bannkies wird prächtig eingefangen.
An der hochklassigen Rudolph Vergleichsliteratur erkennt man, wo das hätte hinführen können!
Leider ließ mich der Autor dann im Zeit- und Personenknäuel der Aufklärung bildlich gesprochen im Regen stehen. Ich weiß nicht, wie was warum passierte.
Der Leser begleitet den Ermittler für mehrere Tage in einem kribbligen Dorfszenarium. Es kündigen sich ganz unerwartete und ungewöhnliche Erklärungen an. Doch im Abschluss versagte der Autor mir die Teilnahme. Ich las noch zu Ende, doch geistig war ich schon abgehängt.
Links
Dieter Paul Rudolph: Der Bote
Rudolph@ Conte Verlag
Rudolph@ attraktionen.krimiblog, 2012
Rudolph@ Krimicouch, 2012

Rudolph Dystopie oder auch Anti-Utopie in der Literatur
Vergleichsliteratur
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  Rudolph Dieter Paul Rudolph: Arme Leute
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Rudolph RudolphDieter Paul Rudolph: Der Bote. Ein Science-Fiction-Krimi aus der guten alten Zeit. Saarbrücken: Conte, 2012. Broschiert, 169 Seiten
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