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Carlo Fruttero, Franco Lucentini
Carlo Fruttero, Franco Lucentini: Der Liebhaber ohne festen Wohnsitz
[L'amante senza fissa dimora]. Dora Winkler, Übs. München: Piper, 1990. 317 Seiten
Die Krimiautoren Carlo Fruttero und Franco Lucentini wagten sich hier auf anderes Parkett und schlingern dabei erheblich.
Der Roman Der Liebhaber ohne festen Wohnsitz startet zunächst als ein Liebesroman in Venedig. Die Hauptpersonen sind der Touristenführer David Ashver Silvera und die unbenannte römische Principessa, die im Auftragdes Auktionshauses Fowke's Gemälde und andere Antiquitäten begutachtet. Dabei wechselt von Kapitel zu Kapitel die Perspektive. Da wird einmal Silvera in den Mittelpunkt gestellt und dann erzählt die Prinzessin in Ich-Form. Mr. Silvera verlässt seine Reisegruppe, die nun führerlos mit dem Schiff durch die Adria tuckert. Da der Leser auf Seite 72 ganz unten erfährt, daß Mr. Silvera keinesfalls "ein x-beliebiger Touristenbetreuer ist", wird erstmal die Neugier geweckt, andrerseits ergibt sich ein Widerspruch. Silvera hat etwas zu verbergen, auch Geheimdienste wie Mossad oder KGB werden erwähnt, macht aber mit seiner "Reiseführerdesertion" das Dümmste. Die Aufmerksamkeit seines englischen Reisebüros und gar der Polizei sollte ihm gesichert sein. Seinen Arbeitgeber in London scheint das aber nicht zu jucken. Während des Romans wird nicht nach ihm gesucht. Nach der Andeutung – die für die Ich-Erzählerin zur Gewißheit wird und wie ein Blitz einschlägt (warum blieb mir verborgen) – folgt eine der besten Szenen des Romans zwischen Silvera und der Ich-Erzählerin: ein gekonnter, anregender Dialog.
Ein paar Seiten später wird Silveras Biografie nachgeschoben. Sie baut Ahnungen im Leser auf, die nur schwach gekocht werden. Wie ich als Leser überhaupt vermisste, was nun das Geheimnisvolle an Silvera ist. Nach einigen Andeutungen und Indizien taucht der Ewige Jude (S. 248) auf. Da ist das Buch fast zu Ende. Im Abschnitt XI Kap.5 folgt eine reichlich wirre Geschichte und der Abgesang des Romans beginnt, der zu lange dauert.
Für mich war all dies zu wenig um Spannung zu erzeugen. Enttäuschend.
Dem Roman ist ein Verzeichnis beigefügt, das wohl Venedig-Freunde zum Kauf des Buches animieren soll. Leider ist es zumindest in Bezug auf Namen unvollständig. Goethe, von Chamisso, Lenau, Hamerling (alle S. 257) fehlen beispielsweise.
Weitere und bessere Werke zum Thema Ahasver, der Ewige Jude Ahasver, der Ewige Jude.
William Shakespeare: sonettSonett 123 (S. 152 u.a.) als Motto des Ewigen Juden:
No, Time, thou shalt not boast that I do change
"Nie prahlst du, Zeit, ich wäre wandelbar" oder auch
"Nein, Zeit, dessen wirst du nicht rühmen, ich ändere mich"
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Carlo Fruttero, Franco Lucentini Carlo Fruttero, Franco LucentiniCarlo Fruttero, Franco Lucentini. Der Liebhaber ohne festen Wohnsitz. München: Piper, 1998. Broschiert, 320 Seiten

Carlo Fruttero, Franco Lucentini
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