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Ginzburg
Natalia Ginzburg: So ist es gewesen
[E Stato Cosi]. Berlin: Wagenbach, 1992. Übs. Maja Pflug. 92 Seiten
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Die nie mit Namen genannte Ich-Erzählerin ermordet gleich zu Beginn ihren Ehemann Alberto. Als er auf ihre Frage: "Sag mir die Wahrheit" wieder mal ironisch und überlegen ausweicht, schießt sie ihm kurzerhand in die Augen. Dann erinnert sie sich, wie es dazu kam.
Langsam verliebt sie sich in Alberto und heiratet ihn, obwohl er sein Verhältnis zur verheirateten Giovanna zugibt und bekennt die Ich-Erzählerin nicht zu lieben. Auch ein gemeinsames Kind ändert wenig an ihrer trostlosen Lage. Die Erzählung beginnt mit und endet beim Mord.
Natalia Ginzburg erzählt in einer einfachen Sprache, wie man es in ein Haushaltsbuch mit Feder und Tinte schreibt (S. 93). Die nüchterne Sprache legt es nahe, daß die Erzählerin die Wahrheit spricht. Sein Leben hat sie dafür geopfert, ihres vermutlich auch (der Ausgang bleibt ungewiß), gemäß dem mottoartigen Vers Dantes (S. 7):
Verità va cercando, ch’è si cara,
Come sa chi per lei vita rifiuta.

Dante: La divina commedia, Purgatorio, C. I, 71/72
Die Wahrheit sucht er, die so teuer, wie der weiß, der für sie sein Leben opfert.
Die Ehegattenmörderin ist sich der Abscheulichkeit ihrer Tat nie richtig bewußt. Sie erzählt es als unausweichliches Geschehen. Wenn jede betrogene Frau oder jeder betrogene Mann zum Revolver greifen würde, wären die Bestattungsunternhemer wohl Millionäre. Neben der Protagonist beleben zwei ganz unterschiedliche Frauen die Handlung: Die attraktive Giovanna, von der man wenig erfahrt, außer, daß sie schlecht gekleidet ist. Und die Cousine Francesca die ihr Leben entschlossener und wesentlich unromantischer angeht.
Mir bleibt die Protagonistin unerklärlich: zuerst läuft sie offenen Auges in ihr Unglück, dann handelt sie Jahre lang nicht (noch bis zuletzt schreibt sie sklavisch seine Notizen mit der Schreibmaschine, S. 87) und dann dreht sie durch. Man wünscht sich am Ende, sie hätte die Reihenfolge ihrer Morde umgedreht: zuerst sich selbst, ...
Natalia Ginzburg
14.7.1916 Palermo – 8.10.1991 Rom; geborene Levi; Kindheit und Jugend in Turin; ihr Mann, Leone Ginzburg, russischer Schriftsteller, führende Rolle in der antifaschistischen Widerstandsbewegung; mit Mann und Kindern wurde sie von 1940 bis 1943 in die Abruzzen verbannt. Leone starb 1944.
Nach dem Krieg arbeitete Natalia Ginzburg als Lektorin, Übersetzerin und Schriftstellerin in Rom.
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Ginzburg Ginzburg Natalia Ginzburg: So ist es gewesen. [E Stato Cosi]. Berlin: Wagenbach, 2003. Übs. Maja Pflug. Ginzburg
Natalia Ginzburg: So ist es gewesen. [E Stato Cosi]. Frankfurt: Fischer, 2002. Übs. Maja Pflug. 92 Seiten Ginzburg

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