| Umberto
Eco: Der Name der Rose München: dtv, 1987. 654 Seiten – |
| Was für ein
Buch! Eine
Kriminalgeschichte des 14.Jahrhunderts; "Kriminalgeschichte"
doppelsinnig sowohl als Krimi gemeint, als auch als
Verbrechensgeschichte des christlichen Klerus am Beispiel einer Epoche.
Vordergründig geht es um etliche Morde in einer Benediktinerabtei. Als Hintergrund dient das fürchterliche Treiben und Morden um die Vorherrschaft in Europa und auf dem päpstlichen Thron. Durchzogen ist die Handlung mit philosophischen Diskussionen, Erläuterungen zum historischen Umfeld und einem Loblied auf das Buch und seine Sammelstellen. Konkurrenzkampf im Kloster: "In den goldenen Zeiten unseres Ordens genügt ein schöner Becher vergifteten Weines, wenn der Abt nicht die nötigen Qualitäten besaß, und schon war die Nachfolgefrage offen ..." (S. 161). Konkurrenzkampf in der Polis: "Und sie [die Stadt] ist der Ort des Skandals, wo der reiche Prälat dem hungernden Volk die Armut predigt" (S. 194). Bewertung einer Unschuldsäußerung durch die Inquisition: "So reden sie alle! Wenn einer von ihnen gefaßt wird, tritt er vor das Gericht, als ob sein Gewissen ruhig und rein wäre. Dabei wissen sie nicht, daß eben dies das deutlichste Zeichen ihrer Schuld ist, denn die Gerechten zeigen sich unruhig im Prozeß" (S. 474). Dazu paßt: "Doch wenn du gestehst, wirst du verdammt und verurteilt werden, und wenn du nicht gestehst, wirst du auch verdammt und verurteilt werden, nämlich wegen Meineides!" (S. 487). Dabei hat sich Eco nicht nur eine kunstvolle Handlung um das verschollene zweite Buch der Poetik von Aristoteles ausgedacht, sondern auch das Buch selbst ist meisterhaft konstruiert, zeigt es doch das unselige Wirken der christlichen Religion auf allen privaten und öffentlichen Ebenen. In der Mitte des Buches steht dann auch konsequent das Martyrium und die Ermordung des Fra Michele durch die christlichen Schamanen (S. 299-308), wie man sie sich nicht zynischer und grausamer ausdenken könnte. |
| Pflichtlektüre
für alle, die einer christlichen Religionsgemeinschaft
beitreten wollen (so sie denn überhaupt gefragt werden!) oder
gar in die Hierarchie des Klerus einsteigen möchten. Der Name der Rose wurde millionenfach gekauft, aber anscheinend kaum von allen gelesen. Oder hat man von millionenfachen Kirchenaustritten gehört? |
| Links |
| Ein
Sachbuch mit
Eco: |
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| Cerstin
Urban: Der Name der
Rose: Königs Erläuterungen und Materialien, 00391.
Hollfeld: Bange, 2000. Taschenbuch, 86 Seiten.
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