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Nagelschmidt
Ilse Nagelschmidt, Lea Müller-Dannhausen, Sandy Feldbacher, Hg.:
Zwischen Inszenierung und Botschaft. Zur Literatur deutschsprachiger Autorinnen ab Ende des 20. Jahrhunderts

Berlin: Frank & Timme, 2006. Broschiert, 250 Seiten – Ilse LinksIlse Literatur
Seitdem der deutsche Literaturkritiker Volker Hage (Eden Links) 1999 den Begriff "Fräuleinwunder" verwendet hat ("Ganz schön abgedreht", Der Spiegel 12/1999), ist dieser nicht mehr aus der literarischen Diskussion verschwunden. (Mehr dazu in der Besprechung von Wiebke Eden: »Keine Angst vor großen Gefühlen«, siehe Eden Links.)
In dieser Sammlung von dreizehn Essays zur Literatur deutschsprachiger Autorinnen ab Ende des 20. Jahrhunderts wird das Phänomen "Fräuleinwunder" von allerlei Seiten beleuchtet. Dabei wird klarer, inwiefern es ein Produkt des Marketing ist und inwieweit eine neue literarische Richtung dahinter steht.
Gemeinsam ist den meisten Autorinnen eine inhaltliche Verschiebung: weg von der Vergangenheit der Deutschen (Ausnahme: Julia Franck: Die Mittagsfrau), hin zur eigenen Vergangenheit. Hierin liegt die Gefahr: viele der Autorinnen haben noch nicht allzu viel eigene Vergangenheit vorzuweisen.
Die dreizehn Essays decken eine breite Vielfalt ab. So widmen sich zwei Artikel explizit Autorinnen aus dem ehemaligen Osten, einer dem Drama. Viele behandeln das Thema "Fräuleinwunder" anhand einzelner Autorinnen. Diese sind Alexa Hennig von Lange, Judith Hermann, Sibylle Berg, Tanja Dückers, Juli Zeh, Claudia Rusch, Jana Hensel, Jenny Erpenbeck, Terézia Mora, Antje Rávik Strubel und Kathrin Röggla.
Die Einleitung der Herausgerin Ilse Nagelschmidt führt kompetent ins Thema und die dreizehn Essays ein. Sie sind alle unabhängig voneinander zu lesen. Das hat den vernachlässigbaren Nachteil, dass man bei vollständigem Lesen manches mehrfach inhaliert, wie z.B. den Hinweis auf den Ursprung des Begriffs "Fräuleinwunder".
Zu loben ist, dass auch noch neuere Autorinnen (z.B. Svenja Leiber) – wenn auch kurz – berücksichtigt werden.
Es ist für eine wissenschaftliche Sammlung diesen Anspruchs vielleicht nicht üblich, doch ich vermisste eine kleine Vorschlagsliste, mit welchen Werken und welchen Autorinnen man einsteigen kann. Vielleicht wurde vorausgesetzt, dass alle Leser(innen) bereits über eine entsprechende Erfahrung mit den Werken der Autorinnen verfügen.
Nach mehr als zehn Jahren "Fräuleinwunder" zeichnet sich schon ab, welche der Autorinnen etwas zu sagen haben und damit auch künftig bestehen werden. Dieser Sammelband bietet dazu eine gute Hilfe, sowohl als Nachbereitung zu gelesenen Bücher als auch als Überblick zu einem anhaltenden Phänomen. Sehr empfehlenswert.
Links
EdenFräuleinwunder (Wikipedia)
Eden Judith Hermann: Sommerhaus, später
Eden Felicitas Hoppe: Johanna
Eden Birgit Vanderbeke: Das Muschelessen
EdenVolker Hage, Journalist, Literaturkritiker und Autor
Ilse Wiebke Eden: »Keine Angst vor großen Gefühlen«. Schriftstellerinnen – ein Beruf. Elf Porträts
Literatur
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Feldbacher Nagelschmidt Ilse Nagelschmidt, Lea Müller-Dannhausen, Sandy Feldbacher, Hg.: Zwischen Inszenierung und Botschaft. Zur Literatur deutschsprachiger Autorinnen ab Ende des 20. Jahrhunderts. Berlin: Frank & Timme, 2006. Broschiert, 250 Seiten
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© by Herbert Huber, Am Fröschlanger 15, 83512 Wasserburg, Germany, 8.11.2009