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Ahasver, der Ewige Jude
Ahasver, der Ewige Jude
als Thema in der Weltliteratur – Ahasver, der Ewige Jude Literarische VerarbeitungAhasver, der Ewige Jude Literatur – vergleiche: Fliegender Holländer Fliegender Holländer
Ahasver [hebräisch »Fürst«] (Ahasverus)
  1. im Alten Testament Name des Perserkönigs Xerxes,
  2. in der Volkssage der Ewige Jude,
  3. übertragen: ein ruhelos umhergetriebener Mensch; ein verfolgter, ziellos und friedlos irrender Wanderer.
wandering Jew
Sammelname für Hauspflanzen der Familie Commelinaceae, speziell die Arten Tradescantia albiflora und Tradescantia fluminensis;
ahasver Im italienischen Wallfahrtsort: Maria Weißenstein / Pietralba, südlich von Deutschnofen / Nova Ponente, ist im Gewölbe des Kirchenschiffes die Königin Ester vor dem Perserkönig Ahasver dargestellt. Marianne Mehling, Hg.: Knaurs Kulturführer in Farbe. Südtirol. Stuttgart [1981].
Ewiger Jude,
der zu ewiger Wanderung verurteilte Jude Ahasverus. Nach der Legende darf der Ewige Jude bis zum Ende der Welt (in Varianten der Legende: bis er erlöst wird) nirgends ruhen und muss unstet über die Erde wandern. Es ist seine Strafe dafür, dass er Christus verhöhnt oder geschlagen oder ihm bei seinem Gang zur Kreuzigung eine kurze Rast versagt hat. Dazu Joh.18,22-23, Jesus vor den Hohenpriester Annas und Kaiphas.
Bei diesen Worten gab einer der Knechte, der dastand, Jesus einen Backenstreich und sagte: “So antwortest du dem Hohenpriester?” Jesus entgegnete ihm: “Habe ich unrecht geredet, so beweise mir das Unrecht; habe ich aber recht geredet, warum schlägst du mich?”
Als Ursprung wird auch Malchus, der Knecht des Hohenpriesters (Joh. 18, 4-10) genannt, ebenso, daß Johannes am Leben bleibt, bis Jesus wiederkommt (Joh. 21, 20-23). Allerdings wird dies im Johannes-Evangelium relativiert: "So entstand bei den Jüngern die Meinung, jener Jünger werde nicht sterben. Aber Jesus hatte zu ihm nicht gesagt: »Er stirbt nicht«, sondern: »Wenn ich will, daß er am Leben bleibt, bis ich wiederkomme, was kümmert dich das?«" (Joh. 21, 23).
Hier eine katholische Begründung von Michael Faulhaber wie die Juden zum Ahasver wurden:
“Nach dem Tode Christi wurde Israel aus dem Dienst der Offenbarung entlassen. Sie hatten die Stunde der Heimsuchung nicht erkannt. Sie hatten den Gesalbten des Herrn verleugnet und verworfen, zur Stadt hinausgeführt und ans Kreuz geschlagen. Damals zerriss der Vorhang im Tempel auf Sion und damit der Bund zwischen dem Herrn und seinem Volk. Die Tochter Sion erhielt den Scheidebrief, und seitdem wandert der ewige Ahasver ruhelos über die Erde.”
ahasver Auszug aus einer Predigt von Michael Faulhaber, Kardinal, 3. Dezember 1933 in St. Michael zu München
Ursprünge des literarischen Themas
Der englische Chronist Roger of Wendover beschreibt in Flores historiarum einen anderen biblischen Ursprung. Ein Erzbischof aus Gross-Armenien, der 1228 England besuchte, erzählte von einem Mann in Armenien namens Cartaphilus. Dieser behauptete, er sei der Torhüter von Pontius Pilatus gewesen und habe Jesus auf seinem Weg zur Kreuzigung geschlagen, damit er schneller gehe. Jesus antwortete: "Ich gehe, aber du musst warten, bis ich wiederkomme." Cartaphilus trat später zum Christentum über und wurde auf Joseph getauft. Er lebte fromm und hoffte, erlöst zu werden.
Eine italienische Variante der Legende nennt Giovanni Buttadeo ("Schlage Gott") als Ursprung. In der italienischen Sage heißt "der von Gott verstoßene", der Ewige Jude, daher Buttadio. In der spanischen Sage "Hoffe auf Gott" ist es Juan Espera-en-Dios, in der bretagneischen Sage ist es Boudedeo.
Um 1602 erschien die deutschsprachige Broschüre »Kurtze Beschreibung und Erzählung von einem Juden mit Namen Ahasverus«. Darin wird beschrieben, daß 1542 Paulus von Eitzen (+ 1598), ein Lutherischer Bischof aus Schleswig, in Hamburg einen uralten Juden traf. Dieser bekannte, daß er Jesus auf dem Weg zur Kreuzigung verhöhnt habe. Jesus antwortete: "Ich bleibe und ruhe, aber du wirst wandern." Die Popularität der Broschüre mag mit dazu beigetragen haben, daß der Glaube entstand, der Antichrist werde im 17. Jahrhundert auftreten und von den Juden unterstützt werden. Daraus entstand Haß auf die Juden. Die Broschüre wurde in viele europäische Sprachen übersetzt.
Kundry gilt als weiblicher (Gegen?)Part zum Ewigen Juden. Ihr wurde von Richard Wagner im Parsifal ein musikalisches und literarisches Dokument gesetzt.
Ahasver, der Ewige Jude Anfang
Literarische Verarbeitungen des Themas, chronologisch
Johann Wolfgang von Goethe: Eposfragment, 1774
Christian Friedrich Daniel Schubart: “Der ewige Jude. Eine Lyrische Rhapsodie” 1783 oder 1787;
beginnt mit: “Aus einem finstern Geklüfte Karmels / Kroch Ahasver. Bald sind's zweitausend Jahre, ...” ewige judeonline
Aloys Wilhelm Schreiber (1761?63?–1841): “Der ewige Jude”;
beginnt mit: “Von des Hügels kahlem Rücken / Wankt ein hagrer Greis herab, ...” ewige judeText online
Jan Potocki: Die Handschrift von Saragossa, 1803-15 Ahasver, der Ewige Jude AuszügeAhasver, der Ewige Jude Rezension
Achim von Arnim: Halle und Jerusalem, Drama, 1811
(Johann Ludwig) Wilhelm Müller, auch: Griechen-Müller (1794-1827). “Der ewige Jude”;
beginnt mit: “Ich wandre sonder Rast und Ruh, / Mein Weg führt keinem Ziele zu;” MüllerText online bei Gutenberg
Man lese: ahasver Erika von Borries: Wilhelm Müller: Der Dichter der Winterreise. Eine Biographie
Ludwig Bechstein (1801-1860): “Die verwünschte Stadt”, Märchen ewige judeText online
Nikolaus Lenau: “Ahasver, der ewige Jude”; Gedicht 1827-1831; beginnt mit: “Ein Wäldchen rauscht auf weiter grüner Heide, Hier lebt die Erde still und arm und trübe" LenauText online bei GutenberglenauText online
Ludwig Aurbacher: Ein Volksbüchlein. Enthaltend: Die Geschichte des ewigen Juden, die Abenteuer der sieben Schwaben, nebst vielen andern erbaulichen und ergötzlichen Historien. Zweyte, vermehrte und verbesserte Ausgabe für Volksfreunde. München, in der literarisch-artistischen Anstalt. 1835. 312 S. Neuauflage, siehe 1905
Nikolaus Lenau: “Der ewige Jude”; Gedicht 1836; beginnt mit: “Ich irrt allein in einem öden Tale, / Von Klippenkalk umstarrt, von dunklen Föhren” LenauText online bei GutenbergLenauText online
Nikolaus Lenau: “Der arme Jude”; Gedicht 1841; beginnt mit: “Armer Jude, der du wandeln Mußt von Dorf zu Dorf hausierend” LenauText online bei Gutenberg
Adalbert Stifter: Abdias. 1843. Ahasver, der Ewige Jude Rezension
Eugène Sue: Le Juif errant, 10 vol., 1844-45; Der Wandernde Jude; Der ewige Jude.
Johann Nestroy. Zwei ewige Juden und keiner. Burleske in 2 Akten. 1846 NestroyDaten, Inhalt, Personen
Karl Simrock: "Der ewige Jude". In: Zs. F. dt. Mythologie u. Sittenkunde, hg. v. J. W. Wolf, 1. Bd. 1. Heft, Göttingen 1853, S. 432-436.
Gustave Doré: Serie von 12 Holztafeln, 1856.
Robert Hamerling: Ahasverus in Rom, 1866; epische Gedicht
Fritz Mauthner: Der neue Ahasver, 1882 Mauthner online
Max Haushofer: “Der ewige Jude Ein dramatisches Gedicht in drei Teilen”;  Liebeskind 1894
Ludwig Aurbacher: Münchener Volksschriften Nr. 29. Geschichte des ewigen Juden / Geschichte des Doktor Faustus; Legende vom Ritter St. Georg. Kevelaer: Bukon & Bercker, ca 1905/1910.
Hans von Kahlenberg: Ahasvera. Vor 1914
Joseph Roth: Flucht ohne Ende. Ahasver Rezension
Franz Werfel: Jacobowsky und der Oberst. Komödie einer Tragödie in drei Akten. 1940/41.
Ahasver Rezension
Walter Jens: Ahasver. Hamburg 1956.
Pär Lagerkvist: Die Sibylle, 1956; Der Tod Ahasvers, 1960
Stefan Heym: Ahasver, 1981
Hermann Kuprian: Ahasver. Einakterzyklus in 6 Teilen. Innsbruck: Universitätsverlag Wagner, 1984.
Franz Pehr: Franz PehrDer ewige Jude in Sagen aus Kärnten
Carlo Fruttero, Franco Lucentini: Der Liebhaber ohne festen Wohnsitz Ahasver, der Ewige Jude Rezension
Fred Wander: Das gute Leben oder Von der Persönlichkeit im Schrecken. Erinnerungen. Göttingen: Wallstein, 2006. Dazu die Rezension der SZ, 26.5.2006, S. 16: "In seinen Erinnerungen beschreibt sich Fred Wander als »Ahasver«".
Filmverarbeitungen des Themas und Verwandtes
“Jew Süss” Regie: Mendes, GB 1934
November 1937: Ausstellung „Der ewige Jude", zuerst im Deutschen Museum München, später auch in anderen Städten
“Jud Süß” Regie: Veit Harlan, D 1940: November 1940 Premiere
“Der ewige Jude” Regie: Fritz Hippler, D 1940
ewige jude"Der Ewige Jude" Filmprogrammewige judeStig Hornshøj-Møller: "»Der ewige Jude« Geschichte und Inhalt des nationalsozialistischen Propagandafilmes"ewige judeEckdaten zur Genesis des Propagandafilmes "Der Ewige Jude"
judeJoseph Süß Oppenheimer in der Geschichte
Ginsberg, Terri: "Rev. of "Der Ewige Jude": Quellenkritische Analyse eines antisemitischen Propagandafilms". Holocaust and Genocide Studies, 13(3) (1999): 484 - 488.
Hornshoj-Moller, Stig. jude"Papers presented on the Nazi propaganda film 'Der ewige Jude,' or 'The Eternal Jew' "
Literatur
Baleanu, Avram Andrei: "Der »ewige Jude«. In: Julius H. Schoeps, Joachim Schlör: Antisemitismus. Vorurteile und Mythen (siehe unten).
Berbüsse, Volker (1987): "Darum muss er ewig seinen Packen tragen": die waldeckische Version der Sage vom "ewigen Juden". Zeitschrift für Volkskunde 83:2. S. 219-228
Heni, Clemens (1996): „German Ideology: Understanding Ahasver, Mammon, and Moloch”. Journal for the Study of Antisemitism 13:97, S. 49-87. HeniOnline
"Ahasver" in Elisabeth Frenzel: Stoffe der Weltliteratur, S. 15-21 (siehe unten).
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Anderson George Kumler Anderson George Kumler Anderson: The Legend of the Wandering Jew. Brown UP, 1981. Taschenbuch, 508 Seiten Auerbach
Jerold S. Auerbach: Jacob's Voices. Reflections of a Wandering American Jew. Southern Illinois UP, 1996. Gebunden, 164 Seiten Auerbach
Benz BenzWolfgang Benz: Der ewige Jude. Metaphern und Methoden nationalsozialistischer Propaganda. Berlin: Metropol, 2010. Broschiert, 220 Seiten
Borchmeyer BorchmeyerDieter Borchmeyer: Richard Wagner. Ahasvers Wandlungen. Frankfurt am Main: Insel, 2002. Gebunden, 600 Seiten.
„Der Untertitel Ahasvers Wandlungen spielt nicht nur auf den Fliegenden Holländer und Kundry im Parsifal an, mit denen Wagner die Gestalt des Ewigen Juden in Verbindung gebracht hat (...), sondern vor allem auf die Tatsache, dass Wagner die Gestalt des nicht sterben könnenden, ewig unbehausten Wanderers als Existenzsymbol seiner selbst und seines Künstlertums gesehen hat, dessen ‚Wandlungen' auch seine Wirkungsgeschichte manifestiert. Daß sich in der Ahasver-Legende für Wagner zugleich das Schicksal des Judentums spiegelt, läßt tief blicken, deutet auf die von ihm verkannte und verleugnete, von den Zeitgenossen und Nachgeborenen aber sehr wohl durchschaute Affinität Wagners zu manchen Traditionen jüdischen Denkens hin.” (Borchmeyer)
Lion Feuchtwanger lion feuchtwanger Lion Feuchtwanger: Jud Süß. Berlin: Aufbau, 2002. Broschiert, 540 Seiten Lion Feuchtwanger
Lion Feuchtwanger: Jud Süß. Berlin: Aufbau, 1991. Gebunden, 475 Seiten Lion Feuchtwanger
Elisabeth Frenzel Elisabeth Frenzel Elisabeth Frenzel: Stoffe der Weltliteratur. Ein Lexikon dichtungsgeschichtlicher Längsschnitte. Stuttgart: Kröner, 1998. Gebunden. Elisabeth Frenzel
Elisabeth Frenzel: Motive der Weltliteratur. Ein Lexikon dichtungsgeschichtlicher Längsschnitte. Stuttgart: Kröner, 1999. Gebunden. Elisabeth Frenzel
Martin Gardner Martin GardnerMartin Gardner: From the Wandering Jew to William F. Buckley, Jr.. On Science, Literature, and Religion. Prometheus, 2000. Gebunden, 350 Seiten Stefan Heym
Stefan Heym: The Wandering Jew. Northwestern UP, 1999. Taschenbuch, 304 Seiten stefan heym
Stefan Heym stefan heymStefan Heym: Ahasver. Frankfurt: Fischer, 2000. Broschiert, 243 Seiten stefan heym
Stefan Heym: Ahasver. Btb / Goldmann, 1998. Broschiert, 263 Seiten stefan heym
Körte Mona KörteMona Körte, Robert Stockhammer, Hg.: Ahasvers Spur. Dichtungen und Dokumente vom 'Ewigen Juden'. Leipzig: Reclam, 1995. Broschiert, 253 Seiten Körte
Mona Körte: Die Uneinholbarkeit des Verfolgten. Der Ewige Jude in der literarischen Phantastik. Campus, 2000. Taschenbuch, 347 Seitenjude
Przyrembel judeAlexandra Przyrembel: »Jud Süß«. Hofjude, literarische Figur, antisemitisches Zerrbild. Campus 2006. Broschiert: 379 Seiten
schoeps jude Julius H. Schoeps, Joachim Schlör: Antisemitismus. Vorurteile und Mythen. München, Zürich: Piper, 1996. 310 Seiten strauss
Herbert A. Strauß, Christhard Hoffmann, Hg.: Juden und Judentum in der Literatur. München: DTV, 1987. BroschiertStrauss

Viereck
George Sylvester Viereck, Paul Eldridge: My First Two Thousand Years. The Autobiography of the Wandering Jew. Sheridan, 2001. Taschenbuch, 512 Seiten Eldridge
Hornshøj-Møller, Stig: "Der ewige Jude". Quellenkritische Analyse eines antisemitischen Propagandafilms. Institut für den Wissenschaftlichen Film, Göttingen 1995. Auch erhältlich als kostenloser Sonderdruck bei der ewige judeBundeszentrale für politische Bildung.
Mannes, Stefan. Antisemitismus im nationalsozialistischen Propagandafilm Jud Süss und Der ewige Jude. Köln: Teiresias, 1999
Derzeit (11/2002) nicht verfügbar
Yizhak Ahren, Stig Hornshoj-Moller, Christoph B. Melchers: Wie Goebbels hetzte. Untersuchungen zum Propagandafilm "Der ewige Jude". Aachen: Alano, 1990.
Galit Hasan-Rokem, Alan Dundes, Hg.: The Wandering Jew. Essays in the Interpretation of a Christian Legend. Bloomington Indiana UP, 1985.
Dorothea Hollstein: "Jud Süss" und die Deutschen. Antisemitische Vorurteile im nationalsozialistischen Spielfilm. Frankfurt am Main: Fischer, 1983
Salcia Landmann: Der ewige Jude. München: Piper, 1984.
Eugene Sue. Der ewige Jude. Phantastischer Kolportage-Roman. Berg.-Gladb.: Lübbe, 1986.
Werner Zirus (1930): Ahasverus. Der Ewige Jude. Berlin, Leipzig: de Gruyter.
Ahasver, der Ewige Jude Anfang

Ahasver, der Ewige Jude
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© by Herbert Huber, Am Fröschlanger 15, 83512 Wasserburg, Germany, 31.12.2014