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Ahasver,
der Ewige Jude als Thema in der Weltliteratur – |
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Ahasver
[hebräisch »Fürst«] (Ahasverus)
Sammelname für Hauspflanzen der Familie Commelinaceae, speziell die Arten Tradescantia albiflora und Tradescantia fluminensis; |
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| Ewiger Jude, | |
der zu ewiger
Wanderung verurteilte Jude
Ahasverus. Nach der Legende darf der Ewige Jude bis zum Ende der Welt
(in Varianten der Legende: bis er erlöst wird) nirgends ruhen
und muss unstet über die Erde wandern. Es ist seine Strafe
dafür, dass er Christus verhöhnt oder geschlagen oder
ihm bei seinem Gang zur Kreuzigung eine kurze Rast versagt hat. Dazu
Joh.18,22-23, Jesus
vor den Hohenpriester Annas
und Kaiphas.
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| Hier eine katholische Begründung von Michael Faulhaber
wie die Juden zum Ahasver wurden: “Nach dem Tode Christi wurde Israel aus dem Dienst der Offenbarung entlassen. Sie hatten die Stunde der Heimsuchung nicht erkannt. Sie hatten den Gesalbten des Herrn verleugnet und verworfen, zur Stadt hinausgeführt und ans Kreuz geschlagen. Damals zerriss der Vorhang im Tempel auf Sion und damit der Bund zwischen dem Herrn und seinem Volk. Die Tochter Sion erhielt den Scheidebrief, und seitdem wandert der ewige Ahasver ruhelos über die Erde.” |
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| Ursprünge des literarischen Themas | |
| Der
englische Chronist
Roger of Wendover
beschreibt in Flores historiarum einen anderen
biblischen Ursprung. Ein Erzbischof aus Gross-Armenien, der 1228
England besuchte, erzählte von einem Mann in Armenien namens Cartaphilus. Dieser
behauptete, er sei der Torhüter von Pontius
Pilatus
gewesen und habe Jesus auf seinem Weg zur Kreuzigung geschlagen, damit
er schneller gehe. Jesus antwortete: "Ich gehe, aber du musst warten,
bis ich wiederkomme." Cartaphilus trat später zum Christentum
über und wurde auf Joseph getauft. Er lebte fromm und hoffte,
erlöst zu werden. Eine italienische Variante der Legende nennt Giovanni Buttadeo ("Schlage Gott") als Ursprung. In der italienischen Sage heißt "der von Gott verstoßene", der Ewige Jude, daher Buttadio. In der spanischen Sage "Hoffe auf Gott" ist es Juan Espera-en-Dios, in der bretagneischen Sage ist es Boudedeo. Um 1602 erschien die deutschsprachige Broschüre »Kurtze Beschreibung und Erzählung von einem Juden mit Namen Ahasverus«. Darin wird beschrieben, daß 1542 Paulus von Eitzen (+ 1598), ein Lutherischer Bischof aus Schleswig, in Hamburg einen uralten Juden traf. Dieser bekannte, daß er Jesus auf dem Weg zur Kreuzigung verhöhnt habe. Jesus antwortete: "Ich bleibe und ruhe, aber du wirst wandern." Die Popularität der Broschüre mag mit dazu beigetragen haben, daß der Glaube entstand, der Antichrist werde im 17. Jahrhundert auftreten und von den Juden unterstützt werden. Daraus entstand Haß auf die Juden. Die Broschüre wurde in viele europäische Sprachen übersetzt. Kundry gilt als weiblicher (Gegen?)Part zum Ewigen Juden. Ihr wurde von Richard Wagner im Parsifal ein musikalisches und literarisches Dokument gesetzt. |
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| Literarische Verarbeitungen des Themas, chronologisch | |
| Johann Wolfgang
von Goethe:
Eposfragment,
1774 Christian Friedrich Daniel Schubart: “Der ewige Jude. Eine Lyrische Rhapsodie” 1783 oder 1787; beginnt mit: “Aus einem finstern Geklüfte Karmels / Kroch Ahasver. Bald sind's zweitausend Jahre, ...” Aloys Wilhelm Schreiber (1761?63?–1841): “Der ewige Jude”; beginnt mit: “Von des Hügels kahlem Rücken / Wankt ein hagrer Greis herab, ...” Jan Potocki: Die Handschrift von Saragossa, 1803-15 Achim von Arnim: Halle und Jerusalem, Drama, 1811 (Johann Ludwig) Wilhelm Müller, auch: Griechen-Müller (1794-1827). “Der ewige Jude”; beginnt mit: “Ich wandre sonder Rast und Ruh, / Mein Weg führt keinem Ziele zu;” Man lese: Ludwig Bechstein (1801-1860): “Die verwünschte Stadt”, Märchen Nikolaus Lenau: “Ahasver, der ewige Jude”; Gedicht 1827-1831; beginnt mit: “Ein Wäldchen rauscht auf weiter grüner Heide, Hier lebt die Erde still und arm und trübe" Ludwig Aurbacher: Ein Volksbüchlein. Enthaltend: Die Geschichte des ewigen Juden, die Abenteuer der sieben Schwaben, nebst vielen andern erbaulichen und ergötzlichen Historien. Zweyte, vermehrte und verbesserte Ausgabe für Volksfreunde. München, in der literarisch-artistischen Anstalt. 1835. 312 S. Neuauflage, siehe 1905 Nikolaus Lenau: “Der ewige Jude”; Gedicht 1836; beginnt mit: “Ich irrt allein in einem öden Tale, / Von Klippenkalk umstarrt, von dunklen Föhren” Nikolaus Lenau: “Der arme Jude”; Gedicht 1841; beginnt mit: “Armer Jude, der du wandeln Mußt von Dorf zu Dorf hausierend” Adalbert Stifter: Abdias. 1843. Eugène Sue: Le Juif errant, 10 vol., 1844-45; Der Wandernde Jude; Der ewige Jude. Johann Nestroy. Zwei ewige Juden und keiner. Burleske in 2 Akten. 1846 Karl Simrock: "Der ewige Jude". In: Zs. F. dt. Mythologie u. Sittenkunde, hg. v. J. W. Wolf, 1. Bd. 1. Heft, Göttingen 1853, S. 432-436. Gustave Doré: Serie von 12 Holztafeln, 1856. Robert Hamerling: Ahasverus in Rom, 1866; epische Gedicht Fritz Mauthner: Der neue Ahasver, 1882 – Max Haushofer: “Der ewige Jude Ein dramatisches Gedicht in drei Teilen”; Liebeskind 1894 Ludwig Aurbacher: Münchener Volksschriften Nr. 29. Geschichte des ewigen Juden / Geschichte des Doktor Faustus; Legende vom Ritter St. Georg. Kevelaer: Bukon & Bercker, ca 1905/1910. Hans von Kahlenberg: Ahasvera. Vor 1914 Joseph Roth: Flucht ohne Ende. Franz Werfel: Jacobowsky und der Oberst. Komödie einer Tragödie in drei Akten. 1940/41. Walter Jens: Ahasver. Hamburg 1956. Pär Lagerkvist: Die Sibylle, 1956; Der Tod Ahasvers, 1960 Stefan Heym: Ahasver, 1981 Hermann Kuprian: Ahasver. Einakterzyklus in 6 Teilen. Innsbruck: Universitätsverlag Wagner, 1984. Franz Pehr: Carlo Fruttero, Franco Lucentini: Der Liebhaber ohne festen Wohnsitz – Fred Wander: Das gute Leben oder Von der Persönlichkeit im Schrecken. Erinnerungen. Göttingen: Wallstein, 2006. Dazu die Rezension der SZ, 26.5.2006, S. 16: "In seinen Erinnerungen beschreibt sich Fred Wander als »Ahasver«". |
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| Filmverarbeitungen des Themas und Verwandtes | |
| “Jew
Süss” Regie: Mendes, GB 1934 November 1937: Ausstellung „Der ewige Jude", zuerst im Deutschen Museum München, später auch in anderen Städten “Jud Süß” Regie: Veit Harlan, D 1940: November 1940 Premiere “Der ewige Jude” Regie: Fritz Hippler, D 1940 Ginsberg, Terri: "Rev. of "Der Ewige Jude": Quellenkritische Analyse eines antisemitischen Propagandafilms". Holocaust and Genocide Studies, 13(3) (1999): 484 - 488. Hornshoj-Moller, Stig. |
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| Literatur | |
| • Avram Andrei Baleanu:
"Der »ewige Jude«. In: Julius H. Schoeps,
Joachim
Schlör: Antisemitismus.
Vorurteile und Mythen (siehe unten). • "Ahasver" in Elisabeth Frenzel: Stoffe der Weltliteratur, S. 15-21 (siehe unten). |
| Hornshøj-Møller,
Stig: "Der ewige Jude".
Quellenkritische Analyse eines antisemitischen Propagandafilms.
Institut für den Wissenschaftlichen Film, Göttingen
1995. Auch erhältlich als kostenloser Sonderdruck bei der Mannes, Stefan. Antisemitismus im nationalsozialistischen Propagandafilm Jud Süss und Der ewige Jude. Köln: Teiresias, 1999 |
| Derzeit
(11/2002) nicht verfügbar Yizhak Ahren, Stig Hornshoj-Moller, Christoph B. Melchers: Wie Goebbels hetzte. Untersuchungen zum Propagandafilm "Der ewige Jude". Aachen: Alano, 1990. Galit Hasan-Rokem, Alan Dundes, Hg.: The Wandering Jew. Essays in the Interpretation of a Christian Legend. Bloomington Indiana UP, 1985. Dorothea Hollstein: "Jud Süss" und die Deutschen. Antisemitische Vorurteile im nationalsozialistischen Spielfilm. Frankfurt am Main: Fischer, 1983 Salcia Landmann: Der ewige Jude. München: Piper, 1984. Eugene Sue. Der ewige Jude. Phantastischer Kolportage-Roman. Berg.-Gladb.: Lübbe, 1986. |