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Jaroslav Hasek Abenteuer Schwejk Schweik Joseph Heller Catch-22
Ein kurzer Vergleich von Jaroslav Hasek: Die Abenteuer des braven Soldaten Schwejk und Joseph Heller: Catch-22.
Erstaunliche Übereinstimmungen, die bisher zu wenig beachtet wurden. Keine systematische Ausarbeitung.
heller hasek Literaturvergleiche

Jaroslav Hasek: Die Abenteuer des braven Soldaten Schwejk.
heller hasek Rezension
Joseph Heller: Catch-22
heller hasek Rezension
Beide Autoren nahmen am 1. bzw. 2. Weltkrieg, dem jeweiligen Umfeld ihres Romans, teil.
erscheint 1921-22 und wird von der Kritik abgelehnt erscheint 1961 und wird zumindest sehr kontrovers, oft ablehnend beurteilt
In Die Abenteuer des braven Soldaten Schwejk und Catch-22 sind Dialoge dominierend. Der Humor kommt oft von witzigen Wortspielen oder – vornehmlich beim Catch-22 – auf redundanten Phrasen. Sie bestehen hauptsächlich als aneinandergereihte Episoden, die beim Schwejk noch chronologisch geordnet sind, Heller verzichtet auf jede Chronologie. Genauere Untersuchungen dazu führen bei Catch-22 gar zu Widersprüchen im Zeitablauf. Beide Werke können auch selektiv gelesen werden, das heisst, der Lektüreeinstieg ist so ziemlich an jeder Stelle im Roman möglich.
In beiden Werken kämpfen die Hauptpersonen gegen oftmals neurotische militärische Vorgesetzte und die bizarre Bürokratie.
Absurde Logik
"Hier verschwand zumeist alle Logik, und der § siegte, ..." (S. 29)  
Schwejk ernst: "Ich bin amtlich von der Superarbitrierungskommission für einen Idioten erklärt worn. Ich bin ein behördlicher Idiot."
Der Herr mit dem Verbrechertypus knirschte mit den Zähnen: "Das, wessen Sie beschuldigt sind und wessen Sie sich schuldig gemacht haben, zeugt davon, daß Sie alle fünf Sinne beisammen haben." (S. 24)
Yossarian: "Then why don't you ground me? I'm crazy." ... "Sure there's a catch," Doc Daneeka replied. "Catch-22. Anyone who wants to get out of combat duty isn't really crazy." (S. 62)
Schwejk gelingt es von seiner eigenen Armee als russischer Kriegsgefangener festgenommen zu werden. Ihm droht die Hinrichtung (4. Teil, Kapitel 1). Minderbinder verbündet sich mit den Deutschen um den eigenen Standort zu bombardieren.
Der Mannschaft wird die Sago-Ration um ein Dekagramm pro Mann gekürzt, "was um so rätselhafter war, als niemand je im Kriege Sago gesehen hatte" (S. 553). Der Vater von Major Major hatte eine sonderbare Einnahmequelle. "His specialty was alfalfa, and he made a good thing out of not growing any. The government paid him will for every bushel of alfalfa he did not grow" (S. 110).
Die Figur des Milo Minderbinder aus Catch-22 ist im Schwejk mehrfach vorgezeichnet.
Palivec: "Für uns Gewerbetreibende gibts keine Politik. Bezahl dein Bier und setz dich hin und quatsch, was du willst. Das is mein Grundsatz." (S. 14).
Der Hopfenhändler sorgt sich um sein Hopfengeschäft: "Der Krieg hat dem Hopfengeschäft sehr geschadet" (S. 191) und seinen Hopfenabsatz (S. 193).
Rechnungsfeldwebel Bautanzel macht irrwitzige Geschäfte. Er spart Emmentaler, Konserven, Fleisch und Zigaretten ein und verkauft es (S.520-521) oder teilt es mit den Offizieren ( S. 523).
 
Überraschung durch unvereinbare Gegensätze oder Zerstörung der Leserwartung.
Schwejk: "Drei ham sie gefangen. Der kleinste von ihnen hat gekreischt, geheult und gejammert, wie sie ihn angebunden ham, daß wir abgehärtete Soldaten es nicht mit anschaun konnten und lieber zur Seite gegangen sind" (S. 45). "The Texan turned out ot be good-natured, generous and likable. In three days no one could stand him" (S. 16).
"Colonel Cathcart had courage and never hesitated to volunteer his men for any target available" (S. 74).
"Dann führte er unflätige Reden, bei denen Kurat Martinec mit Kümmernis im Herzen seines Pfarrers gedachte, der hinter General Fink, was derbe Worte betraf, in nichts zurückgestanden war" (677-678).  
Krankheit wird simuliert oder herbeigeführt um dem Kriegsgetümmel zu entgehen.
»Das is nix«, sagte ein anderer, »in Wrschowitz gibts eine Hebamme, die euch für zwanzig Kronen so gut das Bein ausrenkt, daß ihr euer Leben lang ein Krüppel bleibt!«
»Mir hat man das Bein für fünf Kronen ausgerenkt«, ließ sich eine Stimme von einem Bett in der Nähe des Fensters her vernehmen.
»Mich kostet meine Krankheit schon über zweihundert«, erklärte sein Nachbar, eine vertrocknete Stange, »nennt mir, welches Gift ihr wollt, ihr werdet keins finden, das ich noch nicht genommen hab. Ich bin ein lebendiges Giftmagazin. Ich hab Sublimat getrunken, ich hab Quecksilberdämpfe eingeatmet, ich hab Arsen gekaut, ich hab Opium geraucht, ich hab eine Opiumtinktur getrunken, ich hab mir Morphium aufs Brot gestreut, ich hab Strychnin geschluckt, ich hab eine Phosphormischung von Schwefel und Schwefelsäure ausgetrunken. Ich hab mir Leber, Lunge, Nieren, Galle, Hirn, Herz, Därme ruiniert. Niemand weiß, was für eine Krankheit ich hab.« (S. 69)
 
Die Militärbürokratie ist besetzt von absonderlichen Neurotikern
Oberst Kraus von Zillergut "hielt das Salutieren für etwas, wovon der Erfolg des Krieges abhing und worauf die ganze Militärmacht aufgebaut war" (S. 211).
General Fink von Finkenstein hat den Ehrgeiz Standgerichte abzuhalten und die unweigerlichen Todesurteile binnen weniger Minuten zu vollstrecken (S. 673).
Leutnant Scheisskopfs wichtigstes Ziel war bei den sonntäglichen Wettparaden den ersten Platz zu belegen (S. 92). "Finishing last in three successive parades had given Lieutenant Scheisskopf an unsavory reputation, and he considered every means of improvement" (S.97).
Papiere sind wichtiger als Menschen
Schwejk macht ohne Papiere eine Odyssee durch um wieder zu seiner Militäreinheit zu gelangen (S. 235 ff).
Feldwebel: "Dokumente hat jeder Soldat, ohne Dokumente wird so ein Lauskerl auf dem Bahnhofskommando eingesperrt wie ein toller Hund" (S. 238).
Mudd stirbt bevor er sich bei seiner Einheit gemeldet hat. Da er papiermäßig nicht vorhanden ist bleibt seine Leiche durch das gesamt Buch unbeachtet im Zelt liegen.
Doc Daneeka ist papiermäßig auf einem Flug. der ohne Überlebende endet. Alle weigern sich die Existenz des nicht-existenten Doc anzuerkennen.
Die Vorgesetzten und die Ordnungsmacht haben alle Rechte.
Landstreicher: "Und bevor ich was hab stammeln können, is der Wachtmeister schon auf mich zugesprungen und hat mir in der Tür so eine Ohrfeige gegeben, daß ich über die Holzstiegen bis herunter geflogen bin und erst in Kejzlitz stehngeblieben bin. Das is das Recht der Gendarmen" (S.253).  
"Über das Militärlager in Bruck bereitete [breitete] sich nächtliche Stille. In den Mannschaftsbaracken zitterten die Soldaten vor Kälte, und in den Offiziersbaracken wurden die Fenster geöffnet, weil die Baracken überheizt waren." (S. 354)  
 
Theorie über die Nützlichkeit der Vergewaltigung im Krieg (S. 315).  
Der äussere Schein ist alles. Mißerfolge werden als Erfolge ausgewiesen.
Nach einer Mordsschlägerei wird der auslösende Schwejk von Oberst Schröder zur Kompanieordonanz befördert. (S. 382)
Für sein hervorragendes Betragen auf der Latrine wird Schwejk vom Generalmajor zur Beförderung und Ordensverleihung auserkoren. (S.351)
 
Durchgehende Motive (Leitmotive)
Der Einjährigfreiwillige Marek hat den Auftrag eine Geschichte des Bataillons zu schreiben. Er erfindet sie im Voraus und taucht im Laufe des Romans immer wieder auf.
Vielfraß Baloun.
Tod von Snowden (wird viermal mit immer neuen Details erzählt)
der Soldat in Weiß
Mudd, die Leiche im Zelt
Beide Werke sind Meisterwerke und die satirischen Romane zu den Weltkriegen des 20. Jahrhunderts.
Stern, J. P. "War and the Comic Muse. The Good Soldier Schweik and Catch-22". In: Comparative Literature, 20. Jg. (1968), H. 3, S. 193-216.
Eine bemerkenswerte Vorwegnahme des Catch-22 und manche Übereinstimmung mit dem Topos Schwejk findet sich in granach Alexander Granach: Da geht ein Mensch. Roman eines Lebens

Jaroslav Hasek Abenteuer Schwejk Schweik Joseph Heller Catch-22
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© by Herbert Huber, Am Fröschlanger 15, 83512 Wasserburg, Germany, 22.12.2003