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Motiv Umherirren Stadt Franz Kafka Beschreibung eines Kampfes
Motiv: Umherirren in der Stadt
Aus: Franz Kafka. Beschreibung eines Kampfes. In: Sämtliche Erzählungen. Frankfurt am Main: Fischer, 1987. S. 203
Der Erzähler ist mit einem glücklichen Bekannten auf einem nächtlichen Spaziergang durch Prag. Er fühlt sich mehr und mehr unwohl mit dessen Begleitung.
Aber jetzt wußte ich auch, was ich tun mußte, denn gerade vor schrecklichen Ereignissen überkommt mich große Entschlossenheit. Ich mußte weglaufen. Es war ganz leicht. Jetzt beim Einbug zur Karlsbrücke nach links konnte ich nach rechts in die Karlsgasse springen. Sie war winklig, es gab dort dunkle Haustore und Weinstuben, die noch offen waren; ich mußte nicht verzweifeln.
Als wir unter dem Bogen am Ende des Quais hervortraten, rannte ich mit erhobenen Armen in die Gasse; doch als ich gerade zu einer kleinen Türe der Kirche kam, fiel ich, denn dort war eine Stufe, die ich nicht gesehen hatte. Es krachte. Die nächste Laterne war entfernt, ich lag im Dunkel. Aus einer Weinstube gegenüber kam ein dickes Weib mit einem rauchigen Lämpchen heraus, um nachzusehn, was auf der Gasse geschehen war. Das Klavierspiel hörte auf und ein Mann öffnete die jetzt halboffene Tür völlig. Er spie großartig auf eine Stufe und während er das Frauenzimmer zwischen den Brüsten kitzelte, sagte er, das was geschehen sei, sei jedenfalls ohne Bedeutung. Sie drehten sich darauf um und die Türe wurde wieder zugemacht.
Als ich aufzustehn versuchte, fiel ich wieder. »Es ist Glatteis«, sagte ich und verspürte einen Schmerz im Knie. Aber doch freute es mich, daß die Leute aus der Weinstube mich nicht sehen konnten und es schien mir daher das Bequemste, hier bis zur Dämmerung liegen zu bleiben.

Motiv Umherirren Stadt Franz Kafka Beschreibung eines Kampfes
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© by Herbert Huber, Am Fröschlanger 15, 83512 Wasserburg, Germany, 24.1.2003