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Maarten 't Hart Ein Schwarm Regenbrachvögel
Maarten 't Hart. Ein Schwarm Regenbrachvögel
[Een vlucht regenwulpen] Hüsmert, Waltraud, Übs. München: Piper, 2001. 222 Seiten
hart Die Netzflickerinhart Das Wüten der ganzen Welthart Zitate
Im Roman Ein Schwarm Regenbrachvögel erzählt der Autor als Ich-Erzähler Maarten sein eigenes Leben: Mit etwa 30 Jahren blickt der äußerst erfolgreiche Biologe auf ein eher eintöniges Leben zurück. In mehreren Rückblenden werden Episoden aus seiner Kindheit und Jugend preisgegeben.
Maarten ist per Erziehung (religiös puritanisch: es ist sogar verboten mit nacktem Oberkörper im eigenen Garten zu arbeiten; Tanzen ist sündig) zum Einzelgänger bestimmt. Dies wird verstärkt durch sein leichtes Lernen; nichts fordert die Bosheit der Mitschüler mehr als eine Behinderung, Außenseitertum oder gar gute Noten. Maarten überspringt eine Klasse. Bei Spielen der Mitschüler muß er zusehen ("Nie habe ich so ein Spiel gespielt", S. 18). Er hat Platzangst, Scheu vor Mädchen und phantasiert sich einen eigenen Kameraden (Jakob) zusammen. Allmählich entpuppt sich das Drama seiner Kindheit und Jugend. Der Kalvinismus seiner Eltern, aber auch die Bigotterie seiner Umgebung kapseln den eh schon schüchternen Jungen weiter ab. Er wird zum Kostverächter in jeder Beziehung. Sein "Schatten" Jakob tadelt ihn: "Das ist wirklich das Unsinnigste, was ich jemals gehört habe, wer bleibt denn zwölf Jahre lang seinem Mädchen treu, das er nicht einmal zu erobern versucht hat?" Er folgert zurecht. "Weißt du, was ich glaube? Diese Treue ist nur ein Schutz, eine Abwehrhaltung gegen andere Frauen, denn du bist eigentlich ganz froh darüber, so allein zu sein, du pflegst deine Isolation, und diese Treue ist eine Mauer um deine Festung" (S. 150).
Über seinen Beruf erfahren wir zuwenig, auch wie er seine Studienzeit verbrachte kommt zu kurz. Die Mutter stirbt auf gräßlich langsame Art. Er hängt an ihr und kann ihren Tod (der von einem Schwam Regenbrachvögel begleitet wird) nicht verwinden. Andrerseits ist er nun befreit vom religiösen Zwang, er wird areligiös (oft werden ja Raucher nach Entwöhnung zu den schärfsten Nichtrauchern), denkt ein paarmal an Selbstmord und wird zum wissenschaftlich begründeten Misanthrop. Er verteidigt die Umweltzerstörung durch den Menschen: "Wenn der Sturm Samenkörner verbreitet, so daß hundert Kilometer weiter Pflanzen an Plätzen aufkeime, wo sie vorher nicht wuchsen, nennt man das natürlich. Wenn der Mensch Bäume rodet, spricht man von Umweltzerstörung. Unsinn!" (S. 176) Folgerichtig wäre es ihm am liebsten, die Sintflut käme ein zweites Mal. "Tu es doch noch einmal, aber laß diesmal keinen Noah mit den Seinen übrigbleiben, vernichte sie alle" (S. 181). Merkwürdig, wie auch nach Abfall von Religion die Anrufung Gottes noch tief verwurzelt ist.
Das Buch endet mit der Beschreibung seiner Teilnahme auf einem Kongreß in Bern, der ihm zwar erneut professionellen Beifall aber keine private Erfüllung bringt.
Aus dieser Beschreibung könnte man folgern, Ein Schwarm Regenbrachvögel wäre ein kaltes Buch. Weit gefehlt. Besonders die große Liebe des Ich-Erzählers zu Martha wird einfühlsam geschildert. Das waren für mich, sowohl in der Kindheit als auch beim Klassentreffen, die packendsten Szenen. Ansonsten räsoniert mir Maarten 't Hart schon mal zuviel. Weit besser fand ich sein hart Das Wüten der ganzen Welt.
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Maarten 't Hart. Ein Schwarm Regenbrachvögel   Maarten 't Hart Ein Schwarm RegenbrachvögelMaarten 't Hart. Ein Schwarm Regenbrachvögel. Waltraud Hüsmert, Übersetzerin. München: Piper, 2001. Taschenbuch, 222 Seiten. Maarten 't Hart. Ein Schwarm Regenbrachvögel
Maarten 't Hart. Ein Schwarm Regenbrachvögel. Waltraud Hüsmert, Übersetzerin. Frankfurt am Main: Suhrkamp, 1999. Taschenbuch, 222 Seiten.Maarten 't Hart Ein Schwarm Regenbrachvögel

Maarten 't Hart Ein Schwarm Regenbrachvögel
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© by Herbert Huber, Am Fröschlanger 15, 83512 Wasserburg, Germany, 24.2.2003