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Hart, Maarten
Maarten 't Hart. Das Wüten der ganzen Welt
Zürich, Hamburg: Arche 1997. 410 Seiten
hart Ein Schwarm Regenbrachvögelhart Die Netzflickerinhart Zitate
Ein Buch zum Seitenfressen. Erst auf Seite 318 gab es Schwächen - bei mir, nicht beim Roman, dessen Spannung gerade brodelte. Die Pause, die einem beim Fernsehen aufgezwungen wird, nehme ich mir während meines mehrstündigen Kinos im Kopf selbst. Und weiter geht's. Ja Leute, bei Nick Hornbys High Fidelity (Guernsey: Indigo 1996) kommen die Popfreunde zum Zug, bei Das Wüten der ganzen Welt werden die Klassikfans bedient. High Fidelity, flott geschrieben und gut lesbar, bezieht einen großen Teil seines Charmes von den Vinylfans, die sogar bestimmte Kult-Pop-LPs nicht an unwürdige Kunden verkaufen. Maarten 't Hart macht Lust auf Johann Sebastian Bach und andere Klassikschmankerl. Konsequent ist am Ende des Buchs ein "Kleines Brevier zum Mit- und Nachhören" angefügt. Es listet fast alle im Roman vorkommende Klassikstücke auf. [Es fehlen: Seite 352 Johannes Brahms: op.8; Seite 370ff Wolfgang Amadeus Mozart: "Ruhe sanft mein holdes Leben"]
Der Roman führt uns mit einem Paukenschlag in die 1940 besetzten Niederlande. Nach diesem furiosen Auftakt folgen etwa dreißig eher matte Einführungsseiten, aber ab da wird die Spannung nicht mehr abgegeben und gelegentlich sogar gesteigert bis es zum Showdown nach Art des Westerns The Man Who Shot Liberty Valance (John Ford 1962 mit John Wayne, James Stewart) kommt. Habe ich damit zuviel verraten? Ich will doch nur zum baldigen Lesen anregen. Das Wüten der ganzen Welt ist, hier wiederhole ich den Buchumschlag, ein psychologischer Roman, eine Kleinstadtgeschichte, ein Krimi. Außerdem eine Aufforderung sich bestimmte Sternstunden der Musikgeschichte mal wieder durchs Gehirn zu jagen.
Allerdings gaben die Rezensionen, die Das Wüten der ganzen Welt als Kriminalroman auszeichneten, Anlaß zu Verwirrungen. Krimifreunde besprechen das Buch im Web und führen aus, warum es kein Krimi ist. Sie haben recht, doch der Anspruch ist eben falsch. Es ist viel mehr als ein Krimi, den Mord kann man sogar als durchgehenden, aber garnicht soo wichtigen Spannungsfaden auffassen.
Wer noch Appetitanreger benötigt: trotz aller Aktion schreckt Hart keinesfalls vor Denkanstössen zurück. Die Frage bezüglich der Erkenntnis der Wahrheit wird unentwegt gestellt. Soll man wirklich immer die Wahrheit, z.B. der Herkunft, ergründen? Soll man einem Mitmenschen die Wahrheit in jedem Fall sagen? Als Jugendlicher beantwortete ich beide Fragen mit einem vehementen "Ja", heute bin ich eher froh, daß die Menschen, zum Beispiel die Wahrheit über ihren Todestag nicht kennen. Welch ein chaotisches Verhalten wäre zu ertragen, wenn jeder seinen Todestag z.B. beim Einwohnermeldeamt erfragen könnte! Schon Ödipus kam in arge Bedrängnis, als er die Wahrheit feststellen wollte und dann merkte, daß er selbst der Gesuchte sei. Ähnlich erging es dem Staatsanwalt in spoerl heinrich Heinrich Spoerls Der Maulkorb.
Zwei weitere Beispiele: "Wir durften ganz kurz, mitten zwischen zwei Eiszeiten, ein paar Schritte auf die Erde setzen und werden, ohne ein Spur zu hinterlassen, wieder hinweggefegt, gerade so wie vor Millionen Jahre die großen Dinosaurier weggefegt wurden." (Seite 184); "Wie eigenartig, daß man in einem solchen sonnendurchglühten Augenblick denkt, das ganze Leben liege noch vor einem, während sich später herausstellt, daß ein solcher Moment das wahre Leben ist." (Seite 267).
Eine kleine Ergänzung Brevier zum Mit- und Nachhören. Vergessen wurde:
370ff Wolfgang Amadeus Mozart: "Ruhe sanft mein holdes Leben", Arie aus Zaide, KV 344/336b
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München: Piper, 1999. Taschenbuch, 410 Seiten Hamburg: Arche, 2001. Gebunden, 409 Seiten 2 Kassetten. Hör Verlag, 1998
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© by Herbert Huber, Am Fröschlanger 15, 83512 Wasserburg, Germany, 25.11.2001