Email zurück zur Homepage eine Stufe zurück
Maarten Hart Netzflickerin
Maarten 't Hart: Die Netzflickerin
[De nakomer] München: Piper, 2001. Übs. Marianne Holberg. 440 Seiten
hart Ein Schwarm Regenbrachvögelhart Das Wüten der ganzen Welthart Zitate
Der niederländische Erfolgsautor erzählt hier das Leben des Apothekers Simon Minderhout. Seine Affäre mit der Netzflickerin Hillegonda während die Nazis Holland besetzen ist zwar der Kulminationspunkt des zweiten Buchteils. Doch im dritten Teil wird dem alten Simon Verrat an die Nazis vorgeworfen und das ist für mich der eigentliche Höhepunkt des spannenden Romans.
Wie schon in seinen früheren Romanen Maarten Hart Ein Schwarm Regenbrachvögel und Maarten Hart Das Wüten der ganzen Welt haben Harts männliche Hauptpersonen Beziehungschwächen. Sie nähern sich der von ihnen Angebeteten nur alleine mit dem Fahrrad oder folgen beglückend ihrer Spur. Diese scheue Handlungsweise wird zum Angelpunkt der späteren Anschuldigungen gegen Simon. Viele Begebenheiten in Simons Jugend und Apothekerdasein werden vom Autor geschickt eingesetzt um den Verdacht des Verrats zu ernähren. Damit legt er Mechanismen bloß, die oft dazu führen, Menschen vorab zu verurteilen.
Den durchdachten Plot ergänzt Maarten 't Hart mit einigen (zu kurzen) philosophischen Überlegungen, etwa des kleinen Schüler Simon, daß es keinen Gott geben kann. Später liest er von Francis Crick Life Itself: Its Origin and Nature (1981; Das Leben selbst. Sein Ursprung, seine Natur. 1983), von Edmund Husserl die Logische Untersuchungen (S. 216), von Daniel Dennett Consciousness Explained (S. 288) und von Steven Weinberg Dreams of a Final Theory (S. 368) (Steven weinberg Der Traum von der Einheit des Universums). Das ist gerät im Roman zu dünn. Im übrigen tappen Aaron und Simon in eine altbekannte Falle. Das Philosophieren wird abgelehnt (hier, weil einige Philosophen Nazis waren; ich kenne aber niemand, der Filme ablehnt, weil es braune Filmschauspieler gab), doch auf den Seiten 361f philosophieren die beiden munter selbst.
Freudiger nahm ich als Leser da schon die vielen Musikhinweise auf. Ich greife die hervorgehobenen heraus: Anton Bruckner: Symphonie Nr. 4 (S. 28), César Franck: Prélude, Fuge et Variation, op. 18 (S. 145), Felix Mendelssohn Bartholdy: Streichquartett e-moll (S. 170). Und dazu das Lied "En sommardag", Musik und Text aus dem Jahre 1840 von Adolf Fredrik Lindblad (Adolf Fredrik Lindblad Adolf Fredrik Lindblad; 1801–1878) (S. 195 und 438-439). Bei uns eher unbekannt ist auch Alberic Magnard (9. Juni 1865 Paris - 3. September 1914, Baron, Frankreich) und seine Sonate für Violine & Klavier op.13 (S. 291).
Das Zitat aus Wagners Walküre (1. Akt, 3. Szene; S. 9 und 309) kommt in der "Nachbemerkung" (S. 440) etwas zu kurz. Es stammt wagner richard von Sieglinde, kurz bevor Siegmund mit dem berühmten "Winterstürme wichen dem Wonnemond" loslegt. Nach meinen Quellen heißt es beim Richard "in grauem Gewand"; Aaron singt "im grauen Gewand".
Die Geschichte mit Abraham und seiner Sara (S. 69) las ich im Alten Testament nach. Tatsächlich, sie backte Gott Kuchen aus Semmelmehl.
"Abraham eilte in die Hütte zu Sara und sprach: Eile, und Menge drei Maß Semmelmehl, knete, und backe Kuchen." 1 Moses 18, 6.
Mir macht es Spaß, solchen Stellen nachzugehen; beispielsweise auch Goethes "Gretchen am Spinnrade" zu lesen oder dem "Het gebed van den onwetende" von Multatuli am 26 2. 1860 niedergeschrieben, im März 1861 veröffentlicht, nachzuspüren.
Insgesamt ein sehr gelungener Roman des Niederländers, wenn auch nach dem Muster von Das Wüten der ganzen Welt gestrickt. Aber ein gutes Muster kann man mehrmals verwenden. Sehr empfehlenswert.
Bei Amazon nachschauen   Bei Amazon nachschauen
Maarten hart   Maarten Hart NetzflickerinMaarten 't Hart. Die Netzflickerin. München: Piper, 2000. Broschiert, 440 Seiten. Maarten hart
Maarten 't Hart. Die Netzflickerin. Zürich: Arche, 1998. Gebunden, 440 Seiten.Maarten Hart Netzflickerin
Sieglinde:
Traurig saß ich,
während sie tranken;
ein Fremder trat da herein:
ein Greis in grauem Gewand;
tief hing ihm der Hut,
der deckt‘ ihm der Augen eines;
doch des andren Strahl,
Angst schuf es allen,
traf die Männer
sein mächt‘ges Dräun:
mir allein
weckte das Auge
süß sehnenden Harm,
Tränen und Trost zugleich.
Richard Wagner: Walküre, 1. Aufzug, 3. Szene.

Maarten Hart Netzflickerin
Email zurück zur Homepage eine Stufe zurück
© by Herbert Huber, Am Fröschlanger 15, 83512 Wasserburg, Germany, 20.5.2003